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Portrait Vilma Lehrmann-Amschler und Alfred Amschler

Vilma Lehrmann-Amschler
Vilma Lehrmann-Amschler

Vilma Lehrmann-Amschler

Vilma Lehrmann-Amschler stammt aus Werschetz im heutigen Serbien. Dort wurde sie am 25.7.1910 als Tochter von Josef Lehrmann geboren. Über ihre weiteren Familienverhältnisse ist nichts bekannt. Ihr Vater war auch Bildhauer und hat die Ausbildung seiner Tochter wohl schon im frühen Alter gefördert. Ihre künstlerische Ausbildung begann 1928-30 mit einem Stipendium für ein Studium der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Graz.

Ab 1930 wohnte, studierte und arbeitete Vilma Lehrmann in Berlin. In der Personalakte der Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst ist sie mit ihrem Geburtsnamen Wilhelmine Lehrmann für die Fachgruppe Kunst von 1930-1939 eingeschrieben. Ihre Plastiken aus dieser Zeit signierte sie mit „Vilma Lehrmann“.

Vom Wintersemester 1931/32 bis zum Sommersemester 1934 hatte Vilma Lehrmann keine Kurse belegt. In diesem Zeitraum arbeitete sie in Frankreich an einem Relief mit religiösen Motiven. Also hielt sie sich in der Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nicht kontinuierlich in Berlin auf und hat unter Umständen wenig über die Vehemenz der Machtkämpfe an der Berliner Kunstakademie erfahren.

Vilma Lehrmann wird spätestens 1934 über den Machtwechsel und seine Auswirkungen in ihrer nächsten Umgebung an der Kunstakademie informiert gewesen sein, denn ihre beiden Lehrer Ludwig Gies und Walter Raemisch waren direkt von den nationalsozialistischen Repressionen betroffen.

Vilma Lehrmann zeigte kein eindeutiges Verhalten während ihres Studiums an der Kunstakademie. Trotz der nationalsozialistischen rassistischen Angriffe auf Gies und Raemisch studierte sie weiter bei diesen beiden Professoren.

Aber sie passte sich auch dem neuen monumentalen Herrschaftsstil aktiv an und gestaltete Bauplastik, Skulpturen, Reliefs und Goldschmiedearbeiten im Sinne der NS-Kunstpropaganda. So übernahm sie auch zwei Aufträge für öffentliche Bauten in Potsdam, eine Brunnenanlage für die Jugoslawische Gesandtschaft und ein Tympanon am Veterinärinstitut.

Vilma Lehrmann entwickelte keine eigene künstlerische Handschrift. Dies mag Ausdruck einer Suche nach individuellen Darstellungsformen sein, nach einem eigenen Stil im Rahmen der Ausbildung oder aber Anpassung an die Wünsche und Vorstellungen ihrer Auftraggeber.

„Es ist meine Auffassung, dass das Figürliche nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Gestaltung soll durch die Komposition der heutigen Bauweise vollkommen angepasst sein. Die abstrakten Kompositionen sind für mich eine Aufgabe bei bestimmten, besonderen Bauten, die ich durch Metall, Technik und Komposition so gestalte, dass sie sich harmonisch mit dem Bau verbinden. Dabei arbeite ich je nach Thema und Entwurf in Keramik, Holz, Stein und Metall und lege besonderen Wert auf die Gesamtwirkung der Oberflächenbehandlung.“ (Vilma Lehrmann-Amschler, 1982)

Nach Kriegsende 1945 wohnten Vilma Lehrmann und Alfred Georg Amschler, den sie wahrscheinlich an der Berliner Kunsthochschule kennenlernte, zunächst in Hamburg-Rissen, dann in Wedel. Am 16.2.1946 heiratete das Paar und die Künstlerin signierte ihre Arbeiten nun mit „Vilma Lehrmann-Amschler“.

Ab 1948 übernahm Vilma Lehrmann-Amschler wieder öffentliche Aufträge im Bereich Bauplastik. Allein in den 50er Jahren führte sie mindestens 13 Aufträge zumeist für das „Kunst-am-Bau“-Programm in und um Hamburg aus. In der Zeit von 1948-78 erfüllte sie, zum Teil in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, 40 öffentliche und kirchliche Aufträge in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Nach dem Tod ihres Mannes Alfred Amschler 1978 nahm Vilma Lehrmann keine Aufträge mehr an. Schwerkrank lebte sie, nach der Amputation beider Beine, im Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt in Wedel bis zu ihrem Tod am 23.11.1989. In ihrem Testament bedachte sie die Stadt Wedel als Erbe des Hauses an der Wedeler Aue 1a und des künstlerischen Nachlasses. Am 23.3.1995 beschloss der Rat der Stadt Wedel die Errichtung einer „Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur“, die jährlich aus den Zinserlösen der Erbschaft Zuschüsse an Künstler und Kulturschaffende vergibt und so einen großen Beitrag zur Bereicherung des Wedeler Kulturlebens erbringt.

Alfred Amschler

Am 3.3.1907 wurde Alfred Georg Amschler in Würzburg geboren. Im Wintersemester 1928/29 begann er ein Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin. Bei Prof. Bruno Scherz belegte er fünf Semester Angewandte Kunst mit den Fachgebieten Innenarchitektur und Dekoration, bei Prof. O.H. Werner Hadank fünf Semester Gebrauchsgrafik. An der Berliner Kunsthochschule lernte er wahrscheinlich seine spätere Frau Vilma Lehrmann kennen. Ab 1940 war er als Soldat an der Ostfront eingesetzt. Nach Kriegsende zog er zusammen mit Vilma Lehrmann nach Hamburg-Rissen, am 16.2.1946 heiratete das Paar und zog zwei Jahre später nach Wedel.

Alfred Georg Amschler arbeitete seit den 50er Jahren im Bereich Gebrauchsgrafik, er gestaltete Buchillustrationen, Kalenderblätter und Werbemittel. Auch für die wiederbelebte deutsche Filmindustrie und das noch neue Fernsehen übernahm er vermutlich Arbeiten für Entwürfe im Bereich Grafik und Kulisse, z. B. für die Filme „Schön muss man sein“ und „Mädchen mit Beziehungen“, von REAL/ALLIANZ-Film aus der Gyula-Trebitsch-Produktion. Allerdings wird Alfred Amschler nirgends namentlich genannt.

Entwürfe und Gestaltung von öffentlichen Aufträgen seiner Frau für „Kunst am Bau“ in Hamburg und Umgebung führte er zum Teil gemeinsam mit ihr aus, im Besonderen Wandgestaltungen mit Metallreliefs. Am 23.10.1978 verstarb Alfred Amschler in Wedel.

Quelle: Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur, „Vilma Lehrmann-Amschler (1910- 89), Kunst im Dienste der Zeiten“

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