Ein Erzähl-Sound, der berührte

Emotionaler Abend der Vergangenheitsbewältigung - Volles Haus im Rist-Forum bei Buchlesung von Christiane Hoffmann

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Frau am Lesetisch
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Ging während der Lesung immer wieder auf die Fragen der Zuhörer ein: Christiane Hoffmann. Fotos: Bohling
Zurück an ihrem ehemaligen Gymnasium: Christiane Hoffmann mit Gert und Silke Steyer (von links)
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Zurück an ihrem ehemaligen Gymnasium: Christiane Hoffmann (l.) mit den Organisatoren der Veranstaltung, Gert und Silke Steyer.

Wie war das damals, als die Menschen am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Angst vor Gefahren, Gewalt und Tod ihre Heimat verließen und sich auf die Flucht an einen sicheren Ort begaben? Und wie fühlt sich so etwas (noch) heute an?

Dieser und anderer Fragen ist Christiane Hoffmann in ihrem Buch „ Alles, was wir nicht erinnern – Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters“ anhand ihrer eigenen Familiengeschichte nachgegangen und stellte ihre Texte nun in einer Lesung im Johann-Rist-Forum dem interessierten Publikum vor.

Dabei ist die Autorin keine Unbekannte in Wedel, ist sie doch hier aufgewachsen und hat am JRG ihr Abitur gemacht. In seiner Begrüßung dankte ihr Hausherr und Schulleiter Bertram Rohde denn auch für ihr Kommen und erinnerte schmunzelnd an diesen Umstand.

So verwunderte es am Abend der Lesung kaum, dass nahezu alle 250 bereit gestellten Stühle besetzt waren und das Publikum gespannt und konzentriert den Worten Hoffmanns folgte. Die studierte Historikerin und hochdekorierte Journalistin ist seit Anfang des Jahres stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung und stellvertretende Leiterin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Wunderbar organisiert und vorbereitet (inklusive zauberhafter Bühnendekoration) hatte die Lesung das Ehepaar Silke und Gert Steyer.

Das Buch hat es in sich: Der vordergründige „Wanderbericht“ ist voll mit teils sehr emotionsgeladenen, teils beklemmenden Erfahrungen und Begegnungen, die Hoffmann auf ihrem fast 600 Kilometer langen Marsch vom niederschlesischen Rozyna (deutsch Rosenthal) im Südwesten Polens bis nach Wedel gemacht hat. Sie zeichnet damit ein Bild vom Osten Europas auf, wie es vielen möglicherweise gar nicht bewusst ist.

Entsprechend vielfältig waren denn auch die Fragen des Publikums, die Hoffmann zuließ und für die sie ihre Lesung ein paar Mal unterbrach. Dabei betonten die Zuhörer immer wieder, dass sie von Hoffmanns gewählten Worten, ihrem Erzähl-Sound und ihrer Erzählweise sehr berührt seien.

Man merkte, dass viele im Auditorium in ihren Familien ähnliche Hintergründe und Geschichten schlummern haben. Sie wünsche sich sehr, so die Autorin, dass das Buch auch ins Polnische übersetzt wird. Verhandlungen dazu liefen bereits und Lesungen vor polnischem Publikum befänden sich in Vorbereitung.

Ein sehr bewegender Abend ließ die Zuhörer nach über zwei Stunden zufrieden, aber auch nachdenklich ihren Heimweg antreten. Sämtliche Einnahmen der Lesung kommen übrigens der Wedeler Ukraine-Hilfe zu Gute und sollen für den Kauf und Transport von Medikamenten in die Kriegs- und Krisengebiete verwendet werden. (Ulrich Bohling/kommunikateam, 5.9.2022)

Letzte Änderung: 05.09.2022

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