Ein Mann für viele "Drehs"

Wim Remmers hat sich in vielen Berufen ausprobiert und arbeitet seit seinem Unruhestand zunächst als Theaterschauspieler und neuerdings auch noch als Kleindarsteller und Komparse in Fernsehserien.

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Wim und Carlo - ein Filmteam, zwei Komparsen: Wim Remmers und sein niederländischer Kooikerhondje spazierten auch einmal gemeinsam durchs das Bild beim Dreh.
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Wim und Carlo - ein Filmteam, zwei Komparsen: Wim Remmers und sein niederländischer Kooikerhondje spazierten auch einmal…
Im Theater Wedel sammelte Wim Remmers seine ersten Erfahrungen für das Rampenlicht beim Film.
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Im Theater Wedel sammelte Wim Remmers seine ersten Erfahrungen für das Rampenlicht beim Film., Im Theater Wedel sammelte Wim…
Im Biberpelz von Gerhard Hauptmann spielte Wim Remmers (zweiter von links) im Theater Wedel den Amtsschreiber. Foto: Hans Kall
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Im Biberpelz von Gerhart Hauptmann spielte Wim Remmers (zweiter von links) im Theater Wedel den Amtsschreiber. Foto: Hans…
In der Fernsehserie "Großstadtrevier" durfte Wim Remmers als Komparse mitwirken. Im Bild mit den Hauptdarstellern Maria Ketikidou (v.links auf der Lehne), Jan Fedder (sitzend v.links), Saskia Fischer. Jens Münchow, Peter Fieseler (stehend v.links), Marc Zwinz, Sven Fricke und auf der Lehne Wanda Perdelwitz ist er allerdings nicht mit drauf. Foto:  ARD/Thorsten Jander
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In der Fernsehserie "Großstadtrevier" durfte Wim Remmers als Komparse mitwirken. Im Bild mit den Hauptdarstellern Maria…

Einmal durch das Bild gehen oder eine Leiche in einem Krimi spielen, davon träumen viele Menschen. Wim Remmers, ein gebürtiger Niederländer aus Groningen lebt diesen Traum.  Der 1,80 Meter große gelernte Textilfachmann ist mittlerweile ein echter Fernsehprofi. Sein Repertoire reicht von Dokumentarfilmen, Fernsehserien bis zu Image- und Werbefilmen.

"Ich habe unter anderem in Werbefilmen als Komparse für ein Lebensmittelunternehmen, einen der größten Versandhändler und einen Telefonanbieter mitgewirkt. Bei so einem Dreh kann man manches erleben. Der NDR drehte in Stade zum Beispiel eine Dokumentation über die Entstehung des Hamburger Hafens, da dort noch die entsprechende mittelalterliche Kulisse vorhanden ist -  und ich musste mit einer Ziege durchs Bild gehen. Das hört sich leicht an, aber die wollte nicht laufen, und das hat gedauert, bis der Besitzer des Tieres mir gesagt hat, dass ich ihr in den Hintern kneifen muss und dann lief sie brav mit",erzählt Wim Remmers.

Geduldiges Warten gehört für einen erfolgreichen Komparsen zum Handwerkszeug. Zunächst müssen Interessierte einen Bewerbungsmarathon absolvieren, Castings mitmachen und wenn gewünscht auch ein Videoshooting absolvieren, damit sich der Kunde eine Vorstellung vom Aussehen, dem Auftritt und der Wandlungsfähigkeit des Bewerbers machen kann.

"Am Drehort selbst ist die Stimmung zumeist super. Maria Furtwängler, Harald Krasnitzer oder Jan Fedder zum Beispiel sind aufgeschlossen, freundlich und überhaupt nicht arrogant und distanziert. Es wird gescherzt und geklönt und natürlich gewartet. Klappen die Szenen davor perfekt, verkürzt sich die Wartezeit. Entscheidend ist dabei, im richtigen Moment auf Abruf konzentriert zu sein. Leider gibt es keine Garantie, dass der eigene Einsatz dann auch mit der Fernsehpräsenz belohnt wird und nicht beim Schnitt des Filmes, auf den wir keinen Einfluss haben, zum Opfer fällt. Manchmal bin ich fast zwei Minuten im Bild und bei einem anderen Dreh eben nur wenige Sekunden zu sehen", erläutert der Rolandstädter.


Basis für seine Spätkarriere ist sicherlich seine 15-jährige Erfahrungen als Ensemblemitglied im Theater Wedel. Dabei kam diese Entwicklung durchaus überraschend. "Damals traf ich den Schotten Andy Neil, damaliger künstlerischer Leiter am Theater Wedel. Er sah mich an und fragte mich, ob ich nicht in der englischen Komödie "Und ewig rauschen die Gelder" mitspielen möchte, da er mich braucht", erinnert sich Wim Remmers.

Obwohl er bis dahin schon viel ausprobiert hatte, aber auf einer Bühne im Rampenlicht zu stehen und eine andere Person darzustellen, war dann doch etwas Neues und eine echte Herausforderung.  In der Folge bewährte er sich und glänzte in vielen Stücken und Genres, schlüpfte in ganz unterschiedliche Charaktere. So verkörperte er zum Beispiel einen Taxifahrer in der Komödie "Mein Freund Harvey", einen Dandy im Krimi "Da waren es nur noch Neun" von Agatha Christie und den Derwisch in Gotthold Ephraim Lessings Drama "Nathan der Weise".

Besondere Freude bereitete ihm, im Kindertheater mitzuwirken. "Das ist zu schön, vor all den vielen Kindern zu stehen und zu erleben, wie sie begeistert mitgehen. Etwas schöneres, kann es als Darsteller kaum geben", konstatiert Wim Remmers. Dabei war es ein langer Weg in das Rampenlicht. Am 24.Februar 1944 in Groningen als Sohn eines Buchhalters geboren und mit acht Geschwistern in einfachen Verhältnissen in der Nachkriegszeit aufgewachsen, lernte er bescheiden zu sein und Dinge Wert zu schätzen. Katholisch konservativ erzogen, machte er nach seiner Mittleren Reife eine Lehre als Textilfachmann und arbeitete später in Groningen und Düsseldorf. Aber nie hielt es ihn lang an einem Ort. Weitere Stationen folgten. Er ging zunächst aus Herzensgründen nach Bremen. Reiste eine Zeit lang als Handelsvertreter für Strickwolle durchs Land und bekam dann unter anderem eine Anstellung bei bei einem großen Einrichtungshaus und wurde nach einer beruflichen Exkursion als Referent für Marketing und Computerprogramme in Ostdeutschland und dem Versuch der Selbstständigkeit in Wedel heimisch.

"Die Arbeit muss Spaß machen und das kann sie nur, wenn ich dabei kreativ und frei sein darf", erklärt Wim Remmers. So entdeckte er nach vielen beruflichen Experimenten erst seine Freude an der Bühnen- und nun auch noch an der Filmsetarbeit als Komparse und Kleindarsteller.  In vielen Fernsehserien, wie zum Beispiel im "Tatort", dem "Großstadtrevier", "Amsterdam total entspannt", "Zarah", "Die Kanzlei" war der große Niederländer schon zu sehen.

Das Repertoire reicht vom Spaziergänger oder einem Fußballfan bis zu einem mittelalterlichen Bauern.
In der dreiteiligen Fernsehserie "Eltern allein zu Hause", wirkte er in einer Szene mit, in der er einen Mann spielte, der in einem Krankenhausfahrstuhl in seiner Tasche eine Katze transportierte und Schauspielerin Anna Schudt - in der Hauptrolle Frau Busche - mit einem Hund in ihrer geschlossenen Tasche eintrat. "Das Gebelle und Miaue kann man sich vorstellen und ich habe dann schnell den Fahrstuhl verlassen. Aber keine Angst liebe Tierfreunde, da war nicht wirklich eine Katze oder ein Hund in den geschlossenen Taschen, das war eine Maschine", stellt er fest.

Schließlich ist Wim Remmers selbst ein Tierfreund, ist auf den Hund gekommen. Sein anhänglicher Freund und sogar filmischer Begleiter heißt Carlo und ist ein reinrassiger niederländischer Kooikerhondje, der demnächst im Herbst in einer Großstadtrevierfolge in der ARD zu sehen ist.

Fragt man Wim Remmers nach einem Lebensrat, dann sagt er: "Jeder sollte positiv denken, neugierig sein, ob als junger Mensch oder im Alter. Man sollte nie aufgeben, sich neue Ziele setzen und fröhlich durch die Welt gehen, denn Miesepeter gibt es genug und die will niemand um sich haben, egal ob beim Theater, beim Film oder im Leben".  (Wolf-Robert Danehl, kommunikateam, 4.8.18)

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