Himmlische Musik, nicht nur für die Ohren

Konzert und Spurensuche: Was wollte Heinrich Schütz bei Johann Rist in Wedel?

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Ihre Musik erreichte himmlische Sphären_Elbipolis und Solo-Stimmen
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Ihre Musik erreichte himmlische Sphären: Elbipolis und Solo-Stimmen. Fotos: Bohling
Helena Poczykowskas Gesang begeisterte das Publikum.
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Helena Poczykowskas Gesang begeisterte das Publikum.
Marko Lohmann las aus Briefen von Schütz.
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Marko Lohmann las aus Briefen von Schütz.
Konzert-Nachklang vor der Kirche - gute Gelegenheit zum Austausch,
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Konzert-Nachklang am Rist-Denkmal vor der Kirche - gute Gelegenheit zum Austausch.

1642, mitten im grausamen 30-jährigen Krieg, besuchte Heinrich Schütz, bedeutendster deutscher Komponist seiner Zeit und einer ganzen Epoche, den jungen Pastor Johann Rist in Wedel. Was wollte dieser „Superstar“ der Kirchenmusik von dem kleinen Landpfarrer? Um diesem Rätsel auf die Schliche zu kommen, hatte die Johann Rist Gesellschaft zu einem Konzeptkonzert in die Immanuelkirche geladen.

„Wir haben sie einfach gefragt und sie kamen“, so Matthias Dworzaks augenzwinkernde Antwort auf die Frage, wie er und seine rührigen Mit-Gesellschafter so ein Aufgebot an musikalischen Top-Künstlern für den Auftritt gewinnen konnten. Denn angetreten war eine ganze Riege von anerkannten und international renommierten Musikern, die den Nachmittag in der Kirche am Roland mit ihren Darbietungen zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

Neben dem Elbipolis Barockorchester Hamburg (Geige, Cello, Erzlaute und Orgel) gehörten Magdalena Podkoscielna (Sopran) und Helena Poczykowska (Alt) sowie Andreas Pruys (Bass) zu den Musikern, die mit dem herausragenden Klang ihrer Stimmen und Instrumente die außergewöhnliche Akustik des Gotteshauses bespielten und das Kirchenschiff mit Sinnlichkeit und Spiritualität füllten.

In den Darbietungen wurde erkennbar, an welchem musikalischen Wendepunkt Schütz und Rist seinerzeit standen. Liedtexte waren nicht mehr nur reiner Inhalt, sondern erreichten zusammen mit der Musik eine eigene Bedeutung in der Komposition. Musikkenner sprechen vom Wort-Ton-Verhältnis. Darüber fachsimpelten Schütz und Rist und bestätigten letzteren in der Veröffentlichung seiner „Himmlischen Lieder“.

Neben diesen standen Sonaten von Castelli und Mealli sowie Schütz’ „Kleine geistliche Konzerte“ auf dem Programm. Musik, die nicht nur in die Ohren, sondern auch zu Herzen ging. Kräftiger Applaus, „Bravo“-Rufe und stehende Ovationen gaben Zeugnis für die Begeisterung der zahlreichen Zuhörer. Zwischen den Musikstücken las Schauspieler Marko Lohmann aus Briefen von Schütz und machte so die Bedeutung dieser musikalischen Zeitenwende noch einmal deutlicher.

„Wunderschön“, so das vielfach geäußerte Urteil der zahlreichen Besucher, die sich zum Nachklang rund um das Rist-Denkmal neben der Kirche tummelten. Auch die Künstler waren ganz beseelt von ihrem Konzert. „Welche Freude hier auftreten zu dürfen, quasi an dem Ort, wo all das passiert ist“, äußerte sich nach dem Konzert Sängerin Helene Poczykowska. Fazit: Große Kultur in Wedel, professionell initiiert und brillant dargeboten. Bitte mehr davon!  (Ulrich Bohling/kommunikateam GmbH, 16.06.2022)

Letzte Änderung: 16.06.2022

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