Hoffnungsspende vom Rist-Gymnasium

Schülerinnen und Schüler spendeten Erlös der Abi-Zeitung

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Für uns, die Abiturientinnen und Abiturienten des Jahres 2020 des Johann-Rist-Gymnasiums, scheint Verzicht das alles bestimmende Thema nach unseren Prüfungen gewesen zu sein. Nach all dem Trubel, den ungeklärten Fragen und der Erleichterung nach der Aushändigung der „Bestanden“-Zettel. Es glich dem vermeintlichen Ankommen nach einem plötzlichen Verirren in einem einsamen Wald. Dieser Jahrgang, ich spreche von allen Menschen, die 2020 eine Abschlussprüfung bestanden haben, dachte nun endlich, angekommen zu sein. Endlich frei.

Doch weit gefehlt. Selbstverständlich war uns bewusst, dass die COVID-19-Pandemie noch andauern würde. Dass wir auf so vieles, was unseren Vorgänger*innen selbstverständlich schien, verzichten mussten. Dieser Verzicht kann und darf Schmerzen und Verlustgefühle auslösen, die wir verdrängen oder kompensieren könnten.

Oder aber, wir nehmen, was wir fühlen, all die Energie, die dies beinhaltet und verwandeln sie in Hoffnung. Was mich angeht, ist dies zumindest mein Favorit. In diesem Sinne halte ich es für unsere moralische Verantwortung die Lektion, die wir gelernt haben, nicht so stehen zu lassen, sondern mit ihr in die Welt zu gehen und Kraft zu schenken. Aktuell gibt es mehr akute Krisen, als ich zählen kann. Drei sind für uns herausgestochen: Die Klimakrise, für deren Bekämpfung so viele von uns seit über einem Jahr auf die Straße gehen und nicht gehört werden. Den Versuch der Untergrabung unserer Demokratie durch Verschwörungsideologien und Diskriminierung von Minderheiten.

Unsere Abizeitung war eine der sehr wenigen Traditionen, die auch unser Jahrgang wahrnehmen konnte. Der Verkauf dieser hat uns 675 Euro eingebracht. Bisher floss dieser Gewinn in die Töpfe des Abiballs oder in den Kauf von Abipullis. Dieses Jahr haben wir beschlossen, das Geld in nachhaltigere Projekte zu stecken.

Im Sinne unserer gelernten Lektionen haben wir uns drei Projekte ausgesucht.

Nachhaltigkeit, der Schutz unserer natürlichen Ressourcen – die Thematik unserer Generation: Deswegen geht das erste Drittel unseres Etats an Fridays For Future.

Mit der sogenannten „Querdenkerbewegung“ sind Verschwörungsideologien und jene, die sie verbreiten, sichtbarer als je zuvor. Das macht Angst vor der Übernahme durch Lügen, die großen Schaden anrichten, diskriminieren und das hohe Gut unserer Demokratie angreifen. Dagegen steht Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V., welches sich durch Bildungs-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit der Aufgabe der Stärkung der Demokratie und dem Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus annimmt. Uns ist es wichtig, für das einzustehen, woran wir glauben. Deswegen geht das zweite Drittel unseres Geldes an das JFDA.

Die Relevanz von Mitgefühl kann niemals genug betont werden, weder vor noch nach und ganz sicher nicht während der Pandemie. Einen bewundernswerten Ausdruck von Mitgefühl, Nächstenliebe und Barmherzigkeit zeigt das Kinderhospiz Sternenbrücke. Die dort Tätigen sind auf empathische Weise für Kinder mit stark lebensverkürzenden Krankheiten und deren Familien da. Deswegen möchten wir auch sie mit einem Drittel des Geldes unseres Erlöses unterstützen.

Allen drei Spendenzielen können wir im Endeffekt nur danken. Dafür, dass sie da sind, um Kämpfe zu fechten, die wir als Individuen nicht jeden Tag für 24 Stunden austragen können. Dafür, dass sie Menschen im Leid helfen. Dafür, dass sie alle Hoffnung schenken.

Hoffnung ist, was wir aktuell alle am meisten brauchen. Wir möchten zeigen, dass Verzicht nicht nur negativ ist. Ja, unsere Schmerzen sind berechtigt. Wir dürfen sie fühlen und trauern! Aber lasst uns nicht in ihnen untergehen, sondern immer wieder Ausschau nach dem Licht halten. (Anika Höwer mit Luis Bollinger und Leona Murray/JRG, 15.3.2021)

Mit freundlicher Unterstützung von...