Mehr für die Ohren als für die Füße bestimmt

Vom Milonga zum Tango Nuevo: Die musikalische Geschichte des Tango auf den Wedeler Musiktagen

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Sang zur Musik des Tango Manzana-Ensembles_Tanja Rübke
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Sang zur Musik des Tango Manzana-Ensembles: Tanja Rübke. Fotos: Ulli Bohling
Jakob Neubauer virtuos am Bandoneon:
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Jakob Neubauer virtuos am Bandoneon:
Großer Applaus für das Tango Manzana-Ensemble
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Großer Applaus für das Tango Manzana-Ensemble:

Wer mit dem Bandoneon anfängt, muss schon etwas verrückt sein, soll Astor Piazolla seine Leidenschaft für DAS Instrument des Tango einmal behauptet haben. Und jede Menge Tango-„Verrückte“ hatten sich am Sonntagnachmittag auf den Weg ins Rist-Forum gemaht, um genau dieser Musik zu lauschen, die das Tango-Ensemble Manzana anlässlich des 100.Geburtsjahres des argentinischen Musikers im Rahmen der Wedeler Musiktage zu Gehör brachte.

El Mundo del Tango - die Welt des Tango - hatten die Macher des Konzertes ihr Programm überschrieben. Und tatsächlich erlebten die Zuhörer eine Zeitreise von den Anfängen dieser magisch-anziehenden Musik der Bars und Bordelle des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires bis hin zu den Kompositionen eben dieses Piazolla, der dem traditionellen Tango Mitte der Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit seinem Tango Nuevo eine ganze neue und bisher unerhörte Note gab.

Auf der Bühne das Ensembles Manzana mit Jakob Neubauer am Bandoneon und Bajan, begleitet von Gisela Schmees an der Violine, Michael Schröder an der Gitarre, Nicolás Ascone am Kontrabass und Yonathan Ghebretensae am Klavier. Unterstützung für das Ensemble gab es durch die Sängerin und Schauspielerin Tanja Rübcke, die mit Gesang, Tanz und Text den historischen Reigen von den alten Tangos über deren Blütezeit in den 30er und 40 Jahren bis zu den neueren Kompositionen des Tango Argentino attraktiv erzählerisch moderierte.

Im Publikum viele Fans des melancholisch- melodischen alten Tango, die begeistert reagierten, als bei Stücken wie dem klassischen „Milonga Sentimental“, dem Gänsehaut erzeugenden „Libertango“ oder dem wundervollen „Oblivion“ Neubauers Bandoneon schwermutsvolle und schmachtend-zarte Klänge hervorbrachte und so eine wehmütige und ergreifende Stimmung verbreitete, die die Herzen fast zum Bluten brachte.

Für ihn sei Tango eher etwas für das Ohr als für die Füße, soll Piazolla einmal gesagt haben. Über 300 Tangos und nahezu 50 Filmmusiken stammen aus seiner Feder. Leider war das Konzert viel zu kurz, um all seine Stücke zum Vortrag zu bringen. Tango sei wie das Leben, alles ist drin, meinte in der Pause angesprochen Karin Tschamper, die selbst mit ihrer Tochter das Konzert besuchte und es großartig fand, dass diese Musik in so einem Rahmen präsentiert wurde. Der enthusiastische Applaus zum Ende des Konzertes brachte die Musiker des Ensembles Manzana und Tanja Rübcke dazu, das Publikum mit einer abrundenden Zugabe zu belohnen.

Unterm Strich eine tolle Bereicherung für das vielfältig konzipierte Programm der Musiktage, von dem man sich auch für die Zukunft noch mehr wünscht. (Ulrich Bohling/kommunikateam GmbH14.09.2021)

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