Michael Schröder - von der städtischen Musikschule in die weite Welt

Ehemaliger Leiter der Heinz-Kegel-Musikschule tourt musikalisch durch die Welt - wenn nicht gerade Corona einen Strich durch die Rechnung macht

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In seinem Übungsraum unter dem Dach in Wedel bereitet er sich auf seine Auftritte vor.
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In seinem Übungsraum unter dem Dach in Wedel bereitet er sich auf seine Auftritte vor.
Michael Schröder ist hier bei einer NDR-Chorprobe im Sendesaal zu sehen..
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Michael Schröder ist hier bei einer NDR-Chorprobe im Sendesaal zu sehen.
Saiteninstrumente aller Art sind seine große Leidenschaft.
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Saiteninstrumente aller Art sind seine große Leidenschaft.

Viele Rolandstädter kennen Michael Schröder als langjährigen Leiter der Musikschule Wedel. 29 Jahre - bis zum vergangenen Jahr - führte der am ersten November 1953 geborene Musiker diese wichtige Institution in der Region mit rund 1000 Schülerinnen und Schülern und 40 Lehrkräften durch Höhen und Tiefen. Dabei schaffte er es mit Leidenschaft und Übersicht und dem Gespür für Talente und Kooperationspartner viele Menschen in der Region aktiv an Musik heranzuführen und zu begeistern. Wer Ihn bei Veranstaltungen mit seinen Schülern erlebt hat, merkte, dass der Pädagoge seine Arbeit liebte.
Aber er war und ist nicht nur ein guter Musikdozent, sondern ein Gitarrenvirtuose. Seine Vorbilder reichen von Jimmy Hendrix, B.B. King über Paco de Lucia und Julian Bream bis zu John Mc Loughlin. Der Facettenreichtum seiner musikalischen Idole ist bei Ihm ein Abbild seiner Fähigkeiten brillant vielfältige Genres mit diversen Saiteninstrumenten zu bedienen. Er spielt heute vorzugsweise Mandoline, Banjo, Ukulele und natürlich Gitarre.
Bei der Suche nach familiären musikalischen Vorbildern sucht man vergebens. Sein Vater war Schiffsmakler in der Hamburger Außenstelle einer englischen Reederei, die Mutter Chemielaborantin. Ganz klassisch musste der junge Michael Schröder am Mathias-Claudius Gymnasium in Wandsbek, wie so viele andere Pennäler, Blockflöte in der Schule lernen.
Dass es nicht in einem Flöten-Fiasko endete und er der Musik für immer abschwor, lag an seinem Fleiß, Talent und der Neugier anderes auszuprobieren. Klarinette schien ihm damals ein instrumentales Ziel zu sein, fasziniert von der Musik von Glenn Miller und Benny Goodman, die er in der Plattensammlung seines Vaters fand. Das Schicksal wollte es aber anders. Sein jüngerer Bruder Jochen, lernte Gitarre und Michael stieg in den Unterricht mit ein. Schnell erkannte er die Möglichkeiten, die universale Einsetzbarkeit dieses Instrumentes. Er nutzte es zur Liedbegleitung, im Jazz-Orchester, in einer Rockband oder als Soloauftrittswerkzeug. Die Gitarre eröffnete dem ehrgeizigen Jungkünstler viele Chancen. Nach dem Abitur beschloss er, entgegen den Wünschen seiner Eltern, Musik zu studieren. Als Kompromiss, um den Argument, "das sei eine brotlose Kunst", entgegen zu wirken, entschied er sich das höhere Lehramt mit dem Schwerpunkt Musik und Englisch anzustreben.
"Die Prüfung zur Aufnahme habe ich mit Bravour absolviert, musste dann aber zuvor noch meinen Grundwehrdienst beim Heeresmusikkorps drei in Lüneburg ableisten", erzählt Michael Schröder rückblickend.
Das anschließende Schulmusikstudium bot Ihm eine weitreichende instrumentale und theoretische Vielfalt. Neben der Gitarre lernte er Klavier, beschäftigte sich unter anderem mit Rhythmik, dem Schreiben von Partituren und der Chor- und Orchesterleitung. In seiner Staatsexamensarbeit untersuchte er die Songs und die Filmmusik von dem amerikanischen Sänger, Songwriter, Pianist und eben auch Komponist Randy Newman.  Aber bei aller Neugier und Hinwendung zu moderner Tonkunst, verlor er die klassische Musik nie aus den Augen.
"Besonders angetan hat es mir Franz Schubert. Er leuchtet ganz besonders und hinterließ ein reichhaltiges Werk. Seine Lieder, Chormusik, Sinfonien, Ouvertüren und seine Kammermusik bieten wundervolle Spannungsbögen und harmonische Strukturen. Sie sind ein besonderes kulturelles Erbe", schwärmt der Wedeler Musiker.  
Nach seinem ersten Abschluss stellte er fest, dass das Unterrichten an einer normalen allgemeinbildenden Schule "nicht sein Ding war" und beschloss 1977 mit dem Konzertdiplom in der Tasche zunächst als freier Musiker zu arbeiten.
Es folgten bis heute unzählige Solokonzerte mit einem Repertoire das von Johann Sebastian Bach bis zu Hans Werner Henze reicht. Er war und ist in unterschiedlichen Formationen und als Begleiter und Arrangeur unter anderem von Schauspielern, wie Donata Höffer und Peter Franke unterwegs. Gründete mit Martin Ulleweit das Gitarrenduo "The Northern Guitar Duo", das in den Konzerten das Publikum auf eine Zeitreise von der Renaissance bis zur Moderne mitnimmt.

Als weiteres künstlerisches Standbein gründete er 1983 zusammen mit der Flötistin Astrid Schmeling und dem Schlagzeuger Matthias Kaul das Ensemble für zeitgenössische Musik "L`ART POUR L´ART". Diese ungewöhnliche Formation sieht sich als musikalische Ideenfabrik, die die Gegenwartskunst mit zahlreichen Projekten bereichert.
"Wir arbeiten mit namhaften internationalen Komponisten unter anderem in Japan, Russland, Italien, Frankreich und den USA zusammen. Unser Ensemble spielt im In- und Ausland in Rundfunkproduktionen mit, wird eingeladen zu internationalen Festivals, wie zum Beispiel dem Wien Modern Festival und der Münchener Biennale. Wir arrangieren Musiktheateraufführungen, widmen uns selten gespielten klassischen Werken, machen Improvisationsworkshops und entdecken neue junge Komponisten", stellt Michael Schröder fest.
So entwickelte das Ensemble in Winsen an der Luhe und in Schreyahn ein außergewöhnliches Outdoor-Project mit Kinderkomponistenklassen. Die Aufgabe der jungen Talente war es ihren Lieblingsort zum Beispiel den Bahnhof, eine Efeuwand, ein Ruderboot oder einfach ihren Schulweg kreativ in Töne zu fassen. So entstand vor Ort in Winsen ein klangvoller Spaziergang eine Rundreise mit zum Teil selbst gebauten Musikinstrumenten.

Außerdem spielt er seit den achtziger Jahren in verschiedenen Orchesterproduktionen mit, so zum Beispiel unter den berühmten Dirigenten Ingo Metzmacher, Kent Nagano, Jonathan Stockhammer, Simone Young,Friedrich Gulda,Lothar Zagrosek und Christoph Eschenbach unter anderem für die Rundfunkorchester des Norddeutschen- und Westdeutschen Rundfunks. Darüberhinaus musiziert er auch für die Hamburger und Bochumer Symphoniker, die Philharmoniker Hamburg und die Orchester der Oper der Stadt Münster, des Staatstheaters Braunschweig, der Oper Bonn, des Staatstheaters Slowenien und seit einiger Zeit auch für die Elbphilharmonie.
Das musikalische Spektrum reicht dabei von George Gershwin über Gustav Mahler bis zu Orchesterwerken von Frank Zappa.

Dass er auch als Solokünstler nicht nur sein Handwerk beherrscht, sondern es zu einer Exzellenz führte, wird durch die Anerkennung deutlich, die er durch Avantgarde-Komponisten, den Japaner Jo Kondo, die Japanerin Makiko Nishikaze und den Slovenen Vinko Globokar erfuhr, die ihm eigens ein Werk widmeten.

So bleibt zu hoffen, dass er seine Leidenschaft weiter lebt und nach dem "Corona-Spuk" auch noch vielen Wedelern zum Beispiel bei den Musiktagen einzigartige unvergessene Live-Konzerterlebnisse bereitet. (Wolf-Robert Danehl, kommunikateam, 25.04.2020)
   

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