Poesie steckt auch in der Kartoffel

Poetry Night eröffnet die Wedeler Musiktage 2018

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Da hörten alle gern zu: Florian Wintels und Etta Streicher.
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Zum Abschluss gab es „Tränen lügen nicht“: Mathias Kosel (von links), Sven Kamin, Etta Streicher und Florian Wintels

Der Saal gut gefüllt, das Publikum in erwartungsfroher Stimmung, alle Veranstaltungsbeteiligten angespannt wie Rennpferde vorm Startschuss: Mit dem Versprechen von nun an sechs bunte Tage mit abwechslungsreichem Programm erleben zu können eröffnete Impresario Christian Mathias Kosel am Freitagabend die Wedeler Musiktage 2018 im Rist-Forum mit der zweiten Poetry Night.

Am Start drei hochkarätige Unterhaltungskünstler, die die nächsten zweieinhalb Stunden für Heiterkeit, Amüsement, aber auch Nachdenklichkeit bei den Gästen in der Aula des Johann-Rist-Gymnasiums sorgten. Allen voran Slam-Lokalmatador Sven Kamin, der mit seinen Funken sprühenden Geschichten und Gedanken erneut überzeugte und der für die Musiktage die Aufgabe übernommen hatte, zwei weitere Mitstreiter aus seinem Metier nach Wedel zu holen.

Der Erste: Florian Wintels, optisch eine Mischung aus Ed Sheeran und Justin Bieber, verstand dieser es von der ersten Minute an, das Publikum für sich zu gewinnen. Begleitet von seiner Gitarre und wortgewandt wie einst Heinz Erhardt - nur auf Speed - schleuderte der 24-jährige Paderborner einen Text nach dem anderen raus, den Schalk im Nacken und mit einem Augenzwingern die Sympathien der Zuhörer auf sich ziehend.

„Der Junge war so toll“, schwärmte in der Pause Sabine Lüchau, die den Auftritt sehr genossen hatte und in ihrem Urteil von ihrem Mann und dem befreundeten Ehepaar Pein unterstützt wurde.

Die Zweite: Etta Streicher, barfüßig, leger in Schwarz gehüllt, legt in ihrem Verständnis von Poesie großen Wert auf einzelne Worte und ihre Bedeutung. So experimentierte sie mit dem Begriff „Ich“, sinnierte gesten- und symbolreich über unsere „Haut“ und nahm Kartoffeln schälender Weise das Publikum mit auf eine fantasievolle und wunderbar von ihr intonierte Reise mit in die Welt der Stille.

Mal anarchisch, mal kakophonisch, aber immer poetisch und mit vollem Körpereinsatz teilte ihr Vortrag die Empfindungen der Poetry-Gäste. Teils verzaubert und berührt, teils befremdet und irritiert sorgte die Performance der Bühnenkünstlerin sowohl für atemloses Staunen als auch angespanntes Aufstöhnen, ob der Bilder, die sie in den Köpfen der Zuhörer hervorrief.

„Slam-Poetry berührt das Publikum manchmal auch ganz direkt“, so Organisator Martin Schumacher in der Pause erklärend und meinte, dass die Veranstalter ganz bewusst nicht nur einfache und leichte Unterhaltung während der Musiktage bieten wollten.

Zum Abschluss wurde es wieder versöhnlicher im Saal. Zusammen mit Publikum und Maestro Kosel am Klavier intonierten die drei Slammer Michael Holms Schlager „Tränen lügen nicht“ so hingebungsvoll, dass herzlicher und anhaltender Applaus nicht auf sich warten ließ.

Die Musiktage gehen weiter. Es gibt beispielsweise eine Chornacht, Jazz und Bigband-Sound. Die Festivalkarte ist ab sofort erhältlich. Einzeltickets gibt es ab Mitte Januar in den Vorverkaufstellen: Buchhaus Steyer, Restaurant elbe1, EDEKA Volker Klein und Wedel Marketing sowie online:  info@elbmenschen.de    (Ulrich Bohling/kommunikateam, 17.3.2018)

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