Stadtarchiv: Auf den Spuren von Opfern des Nationalsozialismus

Online-Angebot ist zum Gedenktag am 27. Januar grundlegend überarbeitet worden.

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Das Stadtarchiv Wedel erinnert mit Texten Quellen und Bildern an das Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus in Wedel. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Das Stadtarchiv Wedel erinnert mit Texten Quellen und Bildern an das Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus in Wedel.…
Im Wedeler Stadtbild – hier auf dem Friedhof - finden sich verschiedene Orte, die an die Verbrechen der Nationalsozialisten gemahnen. Foto: Stadtarchiv Wedel
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Im Wedeler Stadtbild – hier auf dem Friedhof - finden sich verschiedene Orte, die an die Verbrechen der Nationalsozialisten…

Rechtzeitig zum jährlichen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar hat das Stadtarchiv Wedel seine Internetseite komplett überarbeitet und ermöglicht unter dem Oberthema „Erinnern an die Opfer der NS-Zeit“ leicht zugänglich tiefe Einblicke in die Geschichte des Außenlager Wedel des Konzentrationslager Neuengamme, oder auf das Thema Zwangsarbeit während der NS-Zeit in der Rolandstadt. Darüber hinaus hat Anke Rannegger, Leiterin des Stadtarchivs, auch zum Teil ganz neue Informationen über jüdisches Leben in Wedel zusammengetragen. So haben die Brüder Richard Wolfgang Sonnenfeldt, Chefdolmetscher während der Nürnberger Prozesse, und Helmut Sonnenfeldt, Berater von Henry Kissinger, Wedeler Wurzeln.

Der Internetauftritt des Stadtarchivs mit vielen Themen zur Wedeler Stadtgeschichte ist hier zu finden.

„Die nicht immer ganz leicht zugänglichen Informationen, zum Beispiel über die Geschichte der Zwangsarbeit in Wedel, zeigen, dass die Verbrechensherrschaft der Nationalsozialisten eben auch eine ganz lokale Geschichte ist – und nicht etwas das ganz weit weg geschehen ist. Je weiter der zeitliche Zusammenhang dieser Ereignisse in die Vergangenheit sinkt, desto mehr hält der räumliche Bezug zu den Orten, an denen auch in Wedel Unrecht geschehen ist, diese Erinnerung als Mahnung lebendig“, sagt Rannegger. Gerade in Zeiten, in denen populistische Bewegungen in der geistigen Tradition der Nationalsozialisten versuchen, wieder an Boden zu gewinnen, werde dieses Erinnern, diese Mahnung nur noch wichtiger – zumal die große in jedem Jahr vom Wedeler Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit organisierte Gedenkveranstaltung in diesem Jahr coronabedingt nicht stattfinden kann.

Der Arbeitskreis erinnert dennoch mit einem Corona-konformen Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten. Mitglieder werden die Stolpersteine putzen und am Mahnmahl an der Rissener Straße Kerzen aufstellen. Zudem macht der Arbeitskreis unter diesem Link die Lebensläufe von ermordeten Wedelerinnen und Wedelern online zugänglich. Diese sind von Schülerinnen und Schülern der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS) mit ihrer Lehrerin Sonja Strecker im Rahmen eines Schulprojektes aufgeschrieben worden. Zusätzlich konnte der Arbeitskreis die Künstlerin und Sängerin Anna Haentjens für einen Videobeitrag zu gewinnen. Sie singt in dem Video das Gedicht von Konstantin Simonov „Wart auf mich“. Das Video ist unter diesem Link zu finden. (Beachten Sie, dass Sie beim Klicken des Links auf die Plattform Youtube weitergeleitet werden und dort die Datenschutzstandards von Youtube gelten)

 

Hintergrund 27. Januar als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus:

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen. Im Hauptlager in Auschwitz (Oświęcim), das auf einem ehemaligen Barackengelände der polnischen Armee errichtet wurde, belief sich die Zahl der Insassen zeitweise auf mehr als 20.000. Dazu kamen mehr als 90.000 Häftlinge, die in dem noch größeren Lager im drei Kilometer entfernten Birkenau (Brzezinka) untergebracht waren. Auf dem später auch Auschwitz II genannten Gelände ließ Hitlers Schutzstaffel (SS) Anfang 1942 die ersten Gaskammern errichten. In den Lagern von Auschwitz wurden insgesamt schätzungsweise mehr als eine Million Menschen umgebracht.

Im Januar 1996 richtete sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der am 10. Januar dieses Jahres verstarb, mit einem klaren Appell an die Deutschen: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." Mit diesen Worten erklärte Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag auch international zum Holocaust-Gedenktag zu machen.

 

(Anm.: Das Dokument der Lebensläufe der Wedeler Opfer des Nationalsozialismus wurde am 29. Januar 2021 erneut und leicht korrigiert eingestellt. Stadt Wedel/Kamin)

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