Tastenkunst auf hohem Niveau

Hoffnungsvolle Talente an zwei Flügeln – Professor Gruzmann präsentiert junge Piano-Elite auf den Wedeler Musiktagen

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Nahm das Publikum mit auf eine Achterbahn der Emotionen: Yumeka Nakagawa. Fotos: Bohling
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Nahm das Publikum mit auf eine Achterbahn der Emotionen: Yumeka Nakagawa. Fotos: Bohling
Entlockte dem Flügel perlende Läufe:Max Mostovetski.
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Entlockte dem Flügel perlende Läufe: Max Mostovetski.
Grigory Gruzman leitete den Abend musikalisch
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Grigory Gruzman leitete den Abend musikalisch ein.
Als Zugabe: sechshändig.
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Als Zugabe: sechshändig.

Großartiger Auftritt im Rist-Forum: Mit der Deutsch-Japanerin Yukema Nakagawa und dem Leipziger Max Mostovetski präsentierte Musikprofessor Grigory Gruzman dem Publikum der Wedeler Musiktage zwei junge aufstrebende Pianisten, die bereits vielfach mit Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben gekürt wurden und schon heute zu den Stars der Klassik-Musikszene von morgen zählen.

Mit äußerster Konzentration und völliger Hingabe interpretierte die erst 20-jährige Nakagawa Franz Liszts h-Moll Sonate, zu der Gruzman zuvor auf deren Rätselhaftigkeit und ihre Herausforderungen hingewiesen hatte. Meisterlich nahm die junge Tastenkünstlerin jede Hürde, was das Publikum nach dem Spiel ausgiebig kommentierte. Mal zärtlich-sanft, mal tollkühn auftrumpfend machte sie die Gegensätze deutlich, die der Komponist mit seinem Werk zum Ausdruck bringt, und nahm die Zuhörer mit auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Die halbe Stunde des Spiels der Sonate verging wie im Fluge. Bravo-Rufe und stehende Ovationen waren der Lohn des dankbaren Publikums für diese grandiose Leistung und Darbietung.

Zuvor hatte bereits der ebenfalls 20-jährige Mostovetski mit drei Mazurken aus der Feder Frédéric Chopins und der Klaviersonate Nr. 2 von Sergej Rachmaninov für Aufhorchen und Begeisterungsstürme bei den Zuhörern gesorgt. Mit seiner besonderen Art der Konzentration stieß der junge Leipziger tief in die Musik ein und ließ keinen Zweifel daran zu, dass auch er sein Handwerk bereits tadellos versteht und ihm eine große Karriere in der Klassik offensteht. Selbstbewusst und hingebungsvoll interpretierte er die wie Tag und Nacht unterschiedlichen Kompositionen und entlockte dem Flügel perlende Läufe und wirbelwind-artige Wendungen. Großer Jubel des Publikums belohnte das Tastentalent nach Verklingen des letzten Akkords.

Grandios als Moderator wie immer Gruzman, der es auch dieses Mal verstand, mit kleinen Aperçus und Hinweisen zur Musikgeschichte die Zuhörer auf das zu Hörende einzustimmen und einen Bezug zu Musik und Komponisten zu schaffen. Mit einem meisterlich gespielten Strauß Klaviermusik aus Beethovens Bagatellen, einer Ballade Brahms, zwei Kompositionen Debussys und einer Polonaise von Chopin leitete er den Abend vortrefflich ein.

Einen schönen Schlusspunkt setzen alle drei Künstler, als sie sich quasi als Zugabe zu einem von sechs Händen gespielten Rachmaninov-Stück gemeinsam auf die Steinway-Klavierbank setzen und damit das Publikum glücklich in den Abend entließen. Das war künstlerisch hohes Niveau mit Würde und Leidenschaft, wie es sich Musiktage-Leiter Matthias Dworzack wünscht. (Ulrich Bohling/kommunikateam GmbH, 27.09.2022)

Letzte Änderung: 26.09.2022

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