Tschüs, Kay Jensen, und danke!

Schulleiter des Pestalozzi-Förderzentrums ging in den Ruhestand

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Schulleiter Kay Jensen wurde mit Blumenstrauß und vielen lobenden Worten von Schulrat Dirk Janssen und dem schriftlichen Dank der Ministerin verabschiedet.
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Schulleiter Kay Jensen wurde mit Blumenstrauß und vielen lobenden Worten von Schulrat Dirk Janssen und dem schriftlichen Dank…
Zwei, die auf einer Wellenlänge lagen: Bürgermeister Niels Schmidt (links) schaute auch vorbei, um Kay Jensen alles Gute zu wünschen.
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Zwei, die auf einer Wellenlänge lagen: Bürgermeister Niels Schmidt (links) schaute auch vorbei, um Kay Jensen alles Gute zu…
"Ich will zurück zur PLS" -  der Klassiker, den der Lehrerchor normalerweise für Schülerverabschiedungen präsentiert, wurde diesmal auf den scheidenden Chef gedichtet.
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"Ich will zurück zur PLS" - der Klassiker, den der Lehrerchor normalerweise für Schülerverabschiedungen präsentiert, wurde…

Kaum ein Bereich war den vergangenen Jahrzehnten in Schleswig-Holstein ideologisch so aufgeladen wie die Schulpolitik, kaum ein Feld, auf dem politisches Hin-und-Her so viel Unruhe verursachte. Stichworte: G9/G8/G9 - Hauptschule/Regionalschule/Gemeinschaftsschule - Integration/Inklusion. Landespolitikerinnen und -politiker probierten sich je nach Couleur munter aus, theoretisierten kräftig drauf los und trafen Entscheidungen, die Praktikern wie Kay Jensen das (Arbeits-)Leben oftmals schwer machten. Jetzt ist für ihn Schluss. Der Leiter des Wedeler Pestalozzi-Förderzentrums ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Mit ihm geht ein Aufrechter, für den zuoberst die Kinder und ihr Wohl kamen - und dann erst die Konformität zum System.

Kay Jensen wird hoch geschätzt - deshalb waren fast alle Schulleitungen Wedels und Umgebung zu seiner Verabschiedung gekommen, und wer nicht konnte, schickte einen filmischen Gruß. Lehrer-Kollegen und Sozialpädagogen, Partner aus der Verwaltung, Bürgermeister Niels Schmidt und Stadtpräsident Michael Schernikau und viele andere kamen, um tschüs und danke zu sagen.

17 Jahre hatte Kay Jensen im Wedeler Förderzentrum segensreich gewirkt und sich gemeinsam mit den anderen Sonderpädagogen engagiert um jene Kinder und Jugendlichen gekümmert, die von ihren Voraussetzungen her es nicht so leicht in unserer überhitzten Leistungs- und Konsumgesellschaft haben. Es gibt junge Menschen, die mehr Ansprache, mehr Hilfe, mehr Geduld und mehr Zuwendung brauchen - Kay Jensen sah jedes einzelne Kind und setzte die guten Absichten um und motivierte sein Team und alle anderen im Umfeld, dabei mitzutun.

Und das trotz mancher Knüppel, die von oben zwischen die Beine geworfen wurden, von der Politik, indem Förderzentren dahingehend aufgelöst wurden, dass es keine Klassenverbände mehr gab, die besondern Schutzraum für Schwache boten, sondern unter dem Banner der "Inklusion" müssen Sonderpädagogen nun auf Tournee von Schule zu Schule gehen, um dort die besonderen Kinder speziells zu betreuen - theoretisch vielleicht eine gute Sache, aber mangels Personal-Ressourcen drohen da oftmals gerade jene hinten runterzufallen, die Unterstützung am dringendsten benötigen.

Kay Jensen sah die Gefahren des Systems, war kritisch und tat, was in seinen Kräften stand, um jeweils individuell am besten helfen zu können - manchmal auch so pragmatisch, dass die eine oder andere Vorschrift sehr gedehnt wurde. Hauptsache, dem jungen Menschen tut es gut und hilft ihm bei der Entfaltung und auf dem Weg ins individuelle Lebensglück!

Bürgermeister Niels Schmidt und Schulrat Dirk Janssen und alle Gäste bedankten sich bei Kay Jensen für dessen Einsatz. "Sie haben für Ihren Job gebrannt und Sie haben eine ganz besondere Gabe mit Menschen umzugehen. Eine Ära geht zuende ", sagte Niels Schmidt mit höchster Anerkennung.

Der Lehrer-Chor intonierte den auf seinen Abschied umgedichteten Klassiker "Ich will zur nach Westerland" - aber nun wird Kay Jensen wohl erst mal nicht zurück zur  PLS wollen - er wandert gern, lässt dabei Gedanklen fliegen und schreibt sie in berührenden Büchern auf. Die individuelle Entfaltung, die er "seinen" Kindern versuchte zu ermöglichen, kann er nun auch ein bisschen genießen. (Jörg Frenzel/kommunikteam GmbH,    

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