Unglaublich schön

Stehende Ovationen bei grandiosem Rachmaninow-Konzert der Wedeler Musiktagen

in Kultur & Bildung

Spielten in perfekter Harmonie_Grigory Gruzman und Alina Bercu
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Spielten in perfekter Harmonie_Grigory Gruzman und Alina Bercu
Gestalteten einen großartigen Abend_Matthias Dworzack (links), Alina Bercu und Grigory Gruzman
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Gestalteten einen großartigen Abend_Matthias Dworzack (links), Alina Bercu und Grigory Gruzman
War begeistert vom Konzert: Familie Bernhardt, die zu den Sponsoren der Veranstaltung zählt
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War begeistert vom Konzert: Familie Bernhardt, die zu den Sponsoren der Veranstaltung zählt

Spektakuläre Klaviermusik zu vier Händen: Das hatten die Organisatoren dem Publikum für den vierten Abend der Wedeler Musiktage versprochen – und ihr Versprechen wurde mehr als eingehalten. Unter dem Motto „Vielfalt und Abwechslung“ präsentierten die international anerkannte Klavier-Virtuosin Alina Bercu und der Musikprofessor und Pianist Grigory Gruzman Stücke von Beethoven, Albéniz, Tschaikowsky, Moszkowski und Rachmaninow.

Das Faszinierende am Klavier, so Gruzman zu Beginn des Abends im Rist-Forum, sei es, dass es in der Lage sei, alle Instrumente eines Orchesters und sogar die Tonalität der menschlichen Stimme klanglich abzubilden. Dies stellten er und Bercu an diesem Abend gleich mehrfach grandios unter Beweis. Zeigten sie bei Beethovens heiterem Frühwerk noch, wie harmonisch sie sich vierhändig zu ergänzen in der Lage seien, offenbarte sich bei Albeniz („der spanische Liszt“), Tschaikowsky und Moszkowski („ein zu Unrecht noch nicht entdeckter Komponist“) ihre Virtuosität auch in ihrem Solospiel.

„Unglaublich schön“ kommentierte der Wedeler Komponist Wolfgang Andreas Schultz in der Pause das bisher Gehörte und wies darauf hin, dass die meisten der an diesem Abend gespielten Stücke sehr selten zu hören seien. Liebenswert-humorvoll moderierte Gruzman durch den Abend und führte das Publikum mit kleinen Anekdoten und Hintergrundwissen eloquent ein in die Welt des jeweils auf dem Programm stehenden Komponisten.

„Als man dachte, in der Technik des Klavierspiels komme nichts mehr, kam Rachmaninow“, kündigte er zum Ende des Abends das von allen Besuchern sehnsüchtig erwartete Klavierkonzert No. 2 an. Hatten sich beide Künstler bisher noch auf wunderbare Weise harmonisch ergänzt, wurden sie nun bei diesem Mammut-Werk zu einem einzigen Klangkörper.

Während Bercu den Solopart spielte, übernahm Gruzman den für sich überarbeiteten Orchesterpart. Da flogen die Läufe, überschlugen sich Kadenzen und flossen Sequenzen. Kraftvoll und klar, zart und üppig, melodiös und sprunghaft, die gegensätzlichen Attribute reichen fast nicht aus, die Darbietung der extremen Komposition zu beschreiben: Rachmaninow in höchster Vollendung.

Das Publikum war so berührt, dass es sich bereits nach dem ersten Satz zu „Bravo“-Rufen und spontanem Applaus hinreißen ließ. Und nach dem dritten Satz war endlich kein Halten mehr: Stehende Ovationen und lang anhaltendes Applaudieren ehrten die beiden Künstler, die sich daraufhin mit einem Diabelli-Rondo und zwei kurzen Brahms-Walzern bedankten. Ein großartiger Konzertabend, dem bitte noch viele folgen mögen. (Ulrich Bohling/kommunikateam GmbH, 28.09.2020)

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