Wedelerin engagiert sich für Menschen im Abseits

Susanne Groth, gebürtige Rolandstädterin, hat ein Buch zusammen mit dem Fotografen Markus Connemann veröffentlicht, dass die Menschen am Rande der Gesellschaft in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

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Mit ihrem Buch "Abseits" unterstützt Susanne Groth die Arbeit des CaFées mit Herz St. Paulis sozialen Hafen für bedürftige und obdachlose Menschen. Foto: Danehl
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Mit ihrem Buch "Abseits" unterstützt Susanne Groth die Arbeit des CaFées mit Herz St. Paulis sozialen Hafen für bedürftige…
Eindrucksvolle Fotoporträts der Interviewpartner, hier von Jürgen (62 Jahre), zeigen im Buch die Menschen am Rande unserer Gesellschaft. Fotos: Connemann
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Eindrucksvolle Fotoporträts der Interviewpartner, hier von Jürgen (62 Jahre), zeigen im Buch die Menschen am Rande unserer…
Eindrucksvolle Fotoporträts der Interviewpartner, hier von Jürgen (62 Jahre), zeigen im Buch die Menschen am Rande unserer Gesellschaft.
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Eindrucksvolle Fotoporträts der Interviewpartner, hier von Jürgen (62 Jahre), zeigen im Buch die Menschen am Rande unserer…
Auch im Winter schlafen viele Obdachlose in Zelten unter Brücken und hoffen auf die Unterstützung der Menschen.
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Auch im Winter schlafen viele Obdachlose in Zelten unter Brücken und hoffen auf die Unterstützung der Menschen., Auch im…

Es ist ein funkelndes Lichtermeer aus bunten Leuchtreklamen und weihnachtlicher Dekoration. Eine verheißungsvolle und bunte Welt erwartet die vielen Touristen und einheimischen Kiezgänger abends auf der Reeperbahn, Hamburgs berühmter Amüsiermeile. Für Geld bekommt man hier fast alles, was das Herz begehrt. Aber mittendrin kaum beachtet von den vielen Passanten in dem Vergnügungsviertel, hocken und kauern Gestalten mit ihren wenigen Habseligkeiten wärmesuchend an die Häuserwände gedrängt.
Eine dunkelhaarige gepflegt gekleidete Frau bleibt stehen, geht nicht weiter, wie die vielen vorbei eilenden Menschen. Sie wendet sich dem bärtigen, verwahrlost aussehenden Mann zu, lächelt und spricht ihn an, reicht ihm die Hand.

Susanne Groth, 54 Jahre alte freie Journalistin, ist bei den Obdachlosen bekannt und wird geachtet. Sie setzt sich seit einigen Jahren für Menschen, die im Abseits unserer Gesellschaft leben, ein.
Sozial engagiert war sie schon immer. Berührt hat sie zum Beispiel das Schicksal politischer Flüchtlinge. Eine gute Freundin ist vor rund 25 Jahren vor den Gräueltaten nach der islamischen Revolution aus dem Iran nach Deutschland geflohen.

"Ich war ergriffen von ihren Erlebnissen. Was die Frauen alles mitgemacht haben, um in die Freiheit nach Deutschland zu fliehen, ist unbeschreiblich", erklärt Susanne Groth leidenschaftlich.
Sie hat die Geflüchteten, die 2007 in Deutschland einen Verein, den "Zentralrat der Exmuslime", gegründet haben, kennen gelernt und berührt von den Schicksalen, bei der politischen Arbeit unterstützt. So hat sie mit demonstriert und Redebeiträge für die Vorsitzende Mina Ahadi verfasst oder Texte redigiert.
Ihre Fähigkeiten, genau zu beobachten, gut zu zuhören und Situationen lebendig in Worte zu fassen, erregte Aufmerksamkeit und führte sie zu ihrer heutigen journalistischen Arbeit.

"Ich bin während einer Podiumsdiskussion mit Michel Friedman ins Gespräch gekommen, war verlegen, da ich für meine Arbeit gelobt wurde, obwohl ich das Handwerk bis dahin nicht gelernt hatte. Aber er hat mir mein Talent bescheinigt und zu mir gesagt: Eins kann man nicht lernen, das Gefühl fürs Schreiben", erzählt die gelernte Kauffrau rückblickend. Dieser Moment mit dem TV-Moderator  hat ihren beruflichen Weg verändert. Sie hat Weiterbildungen gemacht und ein Volontariat und schrieb für "Reporter ohne Grenzen", "Amnesty International" und auch für den Tierschutzverein "Vier Pfoten". Fuhr für die Vereine sogar ins Ausland.

Vor zwei Jahren sprach sie dann ein Kollege angesichts ihres zeitaufwendigen internationalen sozialen Engagements an, "ob sie nicht mal was im Inland machen möchte, zum Beispiel für die vielen Obdachlosen in Hamburg".

Neugierig geworden und dennoch voller Ungewissheit, was sie erwartet, besuchte sie das CaFée mit Herz im ehemaligen Hafenkrankenhaus. Es ist eine Tageseinrichtung für bedürftige, arbeits- und obdachlose Menschen, dass seit dem Jahr 2000 den Gästen unter anderem 300 warme Mahlzeiten pro Tag bietet, Duschen zur Verfügung stellt, Kleider ausgibt, in Behördenangelegenheiten berät und eine Hilfe zur Selbsthilfe fördert.
"Mit gemischten Gefühlen bin ich in die Kellerräume des ehemaligen Hafenkrankenhaus gekommen und habe saubere Räumlichkeiten vorgefunden. In dem "Speiseraum" waren die Tische liebevoll dekoriert und ich konnte beobachten, wie das CaFée Herz-Team unter der Leitung von Margot Glunz sich freundlich zugewandt, um die Hilfesuchenden kümmerten und alles gesittet und reibungslos ablief", erläutert Susanne Groth.Nach dieser ersten Erfahrung besuchte sie weitere Male die Tageseinrichtung, verlor dabei die Hemmungen mit den Gästen zu reden. Erst war es ein zaghafter Kontakt und dann später entwickelten sich offene Gespräche und ein gegenseitiges Vertrauen entstand.


Es kam der Wunsch auf die unterschiedlichen Lebensläufe fest zuhalten, die Obdachlosen aus der Anonymität zu holen und deutlich zu machen, dass es immer mehr Menschen gibt, die teilweise unverschuldet, durch das soziale Netz fallen. "Wir wollten den Menschen eine Stimme geben, die keine haben und die Idee kam auf, ein Buch über die Lebensumstände der Gäste aus dem CaFée mit Herz zu entwickeln", beschreibt die freie Journalistin den Weg zum Werk.


Am 6.Oktober 2016 wurde das Buch mit den 30 ungeschönten, berührenden Interviews und Porträtfotos veröffentlicht. Der Erlös für "Abseits – Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte", das 19,90 Euro kostet, kommt dabei komplett dem Cafée mit Herz zugute.

Begeistert von dem Projekt, forderten viele - unter anderem Polizeibeamte der Davidwache - Susanne Groth auf, ehrenamtlich weiterzumachen. Daraus entwickelte sich die Idee einen Verein "Leben im  Abseits" zu gründen. Susanne Groth und ihre Mitstreiter wollen mit dem Projekt Aufklärungsarbeit leisten und über Hilfsangebote berichten. Sie konnten sogar TV-Moderatorin, Autorin und Einrichtungsexpertin Tine Wittler als Schirmherrin gewinnen.

Auf die Frage, was das Buch auch in ihrem Leben verändert hat, stellt die Autorin fest: "Ich habe viel von den Obdachlosen gelernt und bin demütig geworden. Für manche meiner Interviewpartner sind die Einsamkeit und der soziale Tot fast schlimmer als der Hunger, den sie erleiden. Mit dem Buch und unserer Arbeit wollen wir auch Berührungsängste abbauen und einen respektvolleren Umgang mit den Obdachlosen fördern."

Diese berührenden hautnahen Gespräche zeigen mit "wie viel Leben, Stärke und Kreativität sowohl die Betroffenen als auch die Helfer ihrem täglichen schweren Überlebenskampf auf der Straße begegnen und ihren Alltag meistern". Die engagierte Frau wünscht sich, dass viele mitfühlende Rolandstädter kommen und sie bei ihrem Projekt unterstützen.

Spendenkonto: Leben im Abseits e. V., IBAN: DE98 2019 0003 0071 6921 00, BIC: GENODEF1HH2, HAMBURGER VOLKSBANK (Wolf Danehl, 28.12.2017)

Mit freundlicher Unterstützung von...