Wedelerin erkundet Plastikmüll im Meer

Marlena Lehmann erforscht auf einer Reise mit der "Aldebaran" die Kunststoffbelastung von Flüssen. Am Mittwoch nahm die Crew Proben vor Wedel.

in Kultur & Bildung, Elbe Maritimes

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Auf den Spuren von Humboldt und Cousteau: Marlena Lehmann am Mittwoch vor Wedel auf dem Forschungsschiff Aldebaran. Fotos:…
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Dr. Sandra Schöttner (l.), Biologin von der Universität Bergen, hat die wissenschaftliche Leitung. Hier nimmt sie eine…
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Mit einem speziellen Fanggerät, einem so genannten "Manta-Trawl" wird nach den schwer zersetzbaren Hinterlassenschaften der…
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14 Meter lang, Aluminium-Rumpf und jede Menge Medientechnik - die "Aldebaran". Mit diesem Forschungssegler ist die Wedelerin…

Unverhofft kommt oft. Eigentlich wollte die Geografie-Studentin Marlena Lehmann aus Wedel nur ein Interview mit der Crew des Forschungsseglers "Aldebaran" - doch ehe sie sich's versah, wurde sie angeheuert und nimmt jetzt an einem Wissenschaftsprojekt teil. Sie wird für einige Wochen die Belastung von deutschen Flüssen mit Plastik-Müll untersuchen und freut sich: "Eine tolle Chance!"

Zurzeit schreibt Marlena Lehmann an ihrer Arbeit zum "Master of global transformations an enviromental change", sie beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Mensch, wie sie aufeinander einwirken und sich gegenseitig verändern. Der "Klimawandel" beispielsweise fällt in dieses Wechselspiel. Fast genauso bekannt und berüchtigt ist die Vermüllung der Meere durch Plastikabfälle. Nicht nur, dass Seevögel und Fische sich in den Plastikschlaufen von Getränkedosen-Trägern verfangen und verenden, nicht allein, dass Tiere Plastikteile fressen und daran zu Grunde gehen, sondern die im  Laufe der Zeit fein und feinst gemahlenen Partikel haben gefährliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Meeresbewohner. Über die Fische gelangen die Reststoffe auch in die menschliche Nahrung.

Dieses Thema wollte sich die Wedelerin in ihrer Arbeit vornehmen und meldete sich dafür bei "Aldebaran", einer Organisation für Umweltkommunikation aus Hamburg, die das gleichnamige Forschungs- und Medienschiff betreibt und mit fundiertem Umwelt-Journalismus die Öffentlichkeit für Probleme sensibilisieren will.

Zu Marlena Lehmanns Studienarbeit passte ein aktuelles Projekt der "Aldebaran" ideal. Das Schiff ist im Rahmen eines Pilotprojektes mehrere Wochen lang auf Elbe, Weser und im Wattenmeer unterwegs sein, um mehr über die Belastung dieser Gewässer mit Kunststoffabfällen und ihren Zersetzungsprodukten zu erfahren. Kooperiert wird insbesondere mit YOUMARES (YOUng MArine RESearcher), dem größten Netzwerk junger Wissenschaftler im Bereich der marinen Biologie.

Dr. Sandra Schöttner, Biologin von der Universität Bergen, hat die wissenschaftliche Leitung. Patrick Schibat ist von Seiten "Aldebaran" für die Organisation und Logistik zuständig. Er fragte die Wedelerin, ob sie sich statt eines bloßen Informationsgesprächs auch die Teilnahme am Projekt vorstellen könne. Marlena konnte – und schon war  sie rekrutiert.

"Ich habe natürlich gleich die Fragestellung meiner Arbeit an das Projekt angepasst. Es ist spannend, ganz praktisch arbeiten zu können. Das kam an der Uni immer ein bisschen zu kurz", sagte Marlena Lehmann. Nun ist sie 14 Tage lang auf dem Weg von Berlin über Hamburg nach Oldenburg ins Wattenmeer mit einem speziellen Fanggerät, einem so genannten "Manta-Trawl" nach diesen schwer zersetzbaren Hinterlassenschaften der Zivilisationsgesellschaft fischen, sie wird sie zählen, bestimmen und dokumentieren - und daraus ihre Folgerungen ziehen.

"Bislang gab es sehr wenige harten wissenschaftliche Daten, wie groß der Anteil an der Vermüllung der Meere ist, der durch den Eintrag aus Flüssen zustande kommt. Mit dem Projekt soll insbesondere eine zivilgesellschaftliche Bewegung zur Lösung des Plastikmüllproblems angestoßen werden", so Biologe Patrick Schweikat. Der Törn endet für Marlena Lehmann zur YOUMARES-Konferenz Mitte September in Oldenburg. 

Unterstützt wird das Forschungsschiff übrigens auch von einem Wedeler Unternehmen, dem Rettungswestenhersteller Kadematic. Für Geschäftsführer Michael Dibowski ist es eine Herzensangelegenheit, diese Forschung auf dem Wasser zu fördern. (Jörg Frenzel/Michael Rahn/kommunikateam, 5.9.2013)

www.aldebaran.org

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