45 Jahre Batavia - Käptn Hannes zieht Bilanz

Interview auf der Kommando-Brücke des Kultur-Dampfers

Und auch eine Art Kultur: Im Sommer den Sonnenuntergang vom Lido-Deck der Batavia aus genießen.
Und auch eine Art Kultur: Im Sommer den Sonnenuntergang vom Lido-Deck der Batavia aus genießen.
......bis zu Klassikern wie dem Ur-Faust samt Gretchens Gefangenschaft.
...bis zu Klassikern wie dem Ur-Faust samt Gretchens Gefangenschaft.
Das Theater-Programm ist traditionell breit für viele Geschmäcker angelegt, von Leichtem wie Loriot...
Das Theater-Programm ist traditionell breit für viele Geschmäcker angelegt, von Leichtem wie Loriot...
Das Mobiliar aus der Staatsoper - im Unterdeck der Batavia kam es zu neuen Ehren
Das Mobiliar aus der Staatsoper - im Unterdeck der Batavia kam es zu neuen Ehren
Seit undenklichen Zeiten eine feste Konstante für Fans: Tom Shaka.
Seit undenklichen Zeiten eine feste Konstante für Fans: Tom Shaka entert die Batavia immer mal wieder..
Ganze Generationen von Schauspielerinnen und Schauspielern begeisterten auf den Batavia-Brettern. Sie alle haben mit zum glänzenden Ruf des Kulturschiffes beigetragen.
Ganze Generationen von Schauspielerinnen und Schauspielern begeisterten auf den Batavia-Brettern. Sie alle haben mit zum…
Der Erfinder des Freilichtkinos: An Sommerabend bittet Hannes an den Deich - die Filme gibt es kostenlos zu sehen, die Batavia-Crew hofft auf guten Getränke-Konsum.
Der Erfinder des Freilichtkinos: An Sommerabend bittet Hannes an den Deich - die Filme gibt es kostenlos zu sehen, die…
Kabarett-Superstars: "Alma Hoppe" haben ein eigenes Theater - gastieren aber treu immer wieder auf der Batavia
Kabarett-Superstars: "Alma Hoppe" haben ein eigenes Theater - gastieren aber treu immer wieder auf der Batavia
Lolli Molli, der rosa Hund, der La Paloma rückwärts pfeifen kann und seine Freunde - mitreißendes Theater für die Kleinsten.
Lolli Molli, der rosa Hund, der La Paloma rückwärts pfeifen kann und seine Freunde - mitreißendes Theater für die Kleinsten.
Das Batavia-Brückenpersonal: Angelika Strub und Hannes Grabaus hatlten den Kulturdampfer seit Jahrzehnten auf Kurs.
Das Batavia-Brückenpersonal: Angelika Strub und Hannes Grabaus hatlten den Kulturdampfer seit Jahrzehnten auf Kurs.

Gefühlt seit einer Ewigkeit liegt das Theaterschiff in Wedel am Kai – eine stolze Zeit, mit viel Musik, Theater und noch mehr guter Laune für Landratten und Seeleute. wedel.de hat aus diesem Anlass mit  Käptn Hannes Grabau und der Ersten Offizierin Angelika Strub gesprochen.

wedel.de:  Ahoi und Glückwunsch! Welches war denn das bedeutendste Ereignis seit dem Festmachen? (Und kein Seemannsgarn, bitte…)
Hannes Grabau: "Das ist ganz klar: Die Sturmflut vom 3.1. 1976!  Da ging es um Leben und Tod der Batavia! Die Deiche waren gebrochen, die Marsch war überschwemmt und die Batavia war an den dicken Bäumen festgebunden. Wären die Tampen gerissen, wäre das Schiff wohl bis zum Roland oder zum Mühlenteich gespült worden."

Erinnert Ihr euch noch  an die ersten Jahre? Was war damals anders in punkto Batavia-Kultur?
"Es war Aufbau mit viel Arbeit. Die Theaterbühne war ja zunächst auf dem Oberdeck, die musste ich dann im Unterdeck bauen. Dann mussten die Kontakte zu den vielen Künstlern geknüpft werden. Wir wollten ja immer wieder was Neues zeigen. Immer wieder neue Ideen sind wichtig. So kam es dann beispielsweise auch zum Freilicht-Kino und Kleinkunstfestival."

Die Batavia war damit dann ja auch ein Impuls-Geber für die Kultur in der Stadt...
"Hier auf der Batavia fanden sich die Retter des Reepschlägerhauses zusammen, hier lag mit der VHS-Laienspielgruppe mit Andy Neill die Keimzelle des Theater Wedel. Heinz Kegel hat hier am Klavier gesessen und die Musik fürs erste Wahlkabarett gespielt. Hier wurde 1975 das Kulturforum gegründet.

Die Batavia ist auch in Hamburg und bis Elmshorn und weit drüber hinaus eine feste Kultur-Größe. Welche Erklärung habt ihr dafür?
Angelika: "Wir machen gute kulturelle Arbeit, halten Kontakt zu Künstlern und zu uns kommen auch Leute, die so beliebt sind, dass sie viel größere Häuser füllen können, wie Alfons zum Beispiel. Und das Kindertheater ist eine feste Größe." Hannes: "Und Angelika macht hervorragende Werbung und hält den Kontakt zur Presse, sodass das Publikum immer wieder an uns erinnert wird. Das ist eine wahnsinnige Arbeit! Ohne Angelika wär ich aufgeschmissen."

Wie hat sich das Publikum geändert?
Hannes: "Einerseits altert das Publikum. Old-Time-Jazz-Fans sind zwar ein ganz treues Publikum und ich bin glücklich, dass sie kommen. Aber sie werden nicht jünger. Das gilt übrigens auch für die Jazzer - manche sind so alt, dass wir sie schon mit der Sackkarre an Bord fahren müssen." (Hannes grient.)
Angelika: "Das Publikum plant heute weit voraus. War es früher so, dass flexibel entschieden wurde, ,heute geh'n wir mal auf die Batavia und gucken, was los ist', werden Karten für Veranstaltungen teil Monate im Voraus bestellt. Und das übers Internet."

Wie reagiert ihr darauf?
Angelika: "Wir ziehen da mit, halten unsere Webseite auf dem Laufenden und versuchen, in den elektronischen Medien präsent zu sein."

Was ist in all den Jahren gleich geblieben?
Angelika: "Wir haben ein treues Stammpublikum. Das ist generationenübergreifend. Kinder aus den 80er und 90er Jahren, die damals 'Pippi Langstrumpf' oder "'Lolli Molli' guckten, haben heute selbst Kinder, ihre Mütter sind Großmütter. Sie kommen vorbei und amüsieren sich: die Kinder über das Stück, die Eltern und Großeltern freuen sich über die Kinder. Und viele denken an ihre schönen Kindertage zurück."     

Blick in die Zukunft: Käptn Hannes müsste von den Dienstjahren her ja eigentlich schon lange im Großadmiralsrang sein – bleibt die Batavia uns mit ihm in dieser Form erhalten? Und gibt es vielleicht schon Kadetten, die das Schiff künftig auf gutem Kurs halten?
Hannes: "Ich kann nicht in die Kristallkugel gucken. In der Gegenwart bin ich täglich von morgens bis abends an Borg, klopfe Rost, male, repariere, kümmere mich um Kulissen und vieles mehr. Wenn man dafür immer einen Handwerker rufen müsste, könnte man das gar nicht bezahlen. Außerdem müsste die Batavia mal aus dem Wasser und komplett saniert werden. Da sind Riesenkosten zu erwarten. Dazu die laufenden Ausgaben beispielsweise fürs Kulissenlager - guten Gewissens kann man die Batavia nicht in andere Hände geben, selbst wenn man sie verschenken würde. Die Batavia ist mein Lebenswerk und das von Angelika - und ich werde so lange täglich an Deck sein und arbeiten wie ich kann. Was danach kommt, ist offen." (Jörg Frenzel /kommunikateam GmbH)   

 

 

    

 

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