Brötchentütenaktion gegen Gewalt an Frauen läuft wieder

Gleichstellungsbeauftragte und Frauenhaus kooperieren mit Wedeler Bäckereien.

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In zwei Wedeler Bäckereien werden knapp 5.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ über die Ladentische gehen und auf diesem Weg über das Hilfetelefon (08000 116 016) informieren. Foto: Stadt Wedel/Kamin
In zwei Wedeler Bäckereien werden knapp 5.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ über die…

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, dem 25. November, wird weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Wedel setzt in der Woche 25.-30. November ein öffentliches Zeichen gegen Gewalt an Frauen: Auf dem Rathausplatz wird die Flagge „Frei leben ohne Gewalt“ der Menschrechtsorganisation „Terre des femmes“ gehisst. 

Darüber hinaus beteiligen sich zwei Wedeler Bäckereien an der Kampagne „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Diese wird landesweit als Kooperation des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerkes Schleswig-Holstein, den Gleichstellungsbeauftragten und lokalen Bündnissen gegen häusliche Gewalt durchgeführt. In den beiden Bäckereien werden in Wedel knapp 5.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ über die Ladentische gehen und auf diesem Weg über das Hilfetelefon (08000 116 016) informieren. Über diese Telefonnummer können Betroffene aller Nationalitäten, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Unterstützung bekommen. 

In Deutschland wird jeden Tag einen Tötungsversuch an einer Frau unternommen. Jeden dritten Tag ist so ein Versuch erfolgreich. Die Täter sind Partner, Expartner oder Familienangehörige.

„Häusliche Gewalt ist die am weitesten verbreitete Form der Gewalt gegen Frauen und umfasst alle gesellschaftlichen Schichten“ führt Magdalena Drexel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wedel aus. Erheblicher Risikofaktor für Frauen ist eine Trennung oder Trennungsabsicht vom Partner, aber auch eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend erhöhen die Gefahr Opfer von häuslicher Gewalt zu werden.

Die aktuelle kriminalstatistische Auswertung des BKA für das Jahr 2018 zeigt:

140.755 Straftaten wie Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution wurden im Zusammenhang mit Partnerschaftsgewalt erfasst. 122 Frauen wurden getötet.

Über 81 % der Opfer waren im Berichtsjahr weiblich. Fast die Hälfte aller Opfer lebte im gemeinsamen Haushalt mit dem Täter. Zu den genannten Zahlen kommen noch all jene Übergriffe dazu, die nicht gemeldet werden. Es ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen.

In Schleswig-Holstein gibt es 16 Frauenhäuser in denen von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit ihren Kindern Zuflucht finden. Die derzeit 349 Plätze decken den Bedarf bei weitem nicht. Das wird auch im Frauenhaus in Wedel deutlich. Das Frauenhaus bietet 15 Plätze für Frauen und ihre Kinder. „Wir mussten im vergangenen Jahr immer wieder Frauen abweisen, weil wir voll belegt waren“ berichtet Kathrin Nordmann, Mitarbeiterin des Frauenhauses. 

Männer, die sich mit ihrer Gewalttätigkeit auseinandersetzen möchten, können sich an das Projekt „Mensch. Tu was“ der Brücke Elmshorn wenden. Dort werden Beratung, Therapie und Trainingsgruppen angeboten. Kontakt kann unter der Telefonnummer 04121 7017721 aufgenommen werden. (29. November 2019, Stadt Wedel/Kamin)

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