Die 22-Jahres-Bilanz des Jochen Möller

Der fast "ewige Vorsitzende" des DLRG-Ortsvereins hat sich aus der ersten Reihe zurückgezogen - blickt zurück und nach vorn

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Nicht mehr ganz vorn aber immer noch mit dabei: Jochen Möller. Fotos: Frenzel/Leuschner/Peppel
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Nicht mehr ganz vorn aber immer noch mit dabei: Jochen Möller. Fotos: Frenzel/Leuschner/Peppel
Nur ein Einsatz von unzähligen: Jochen Möller als Bootsführer bei einem Havaristen.
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Nur ein Einsatz von unzähligen: Jochen Möller als Bootsführer bei einem Havaristen.
Abmarsch zur Katastrophe. Jochen Möller und die Wedeler DLRG starteten zur Hilfe beim Elbe-Hochwasser.
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Abmarsch ins Katastrophengebiet: Jochen Möller und die Wedeler DLRG starten zur Hilfe beim Elbe-Hochwasser.
Errungenschaft: Die "Pagensand" liegt für den Wasserrettungszug des Kreises Pinneberg in Wedel.
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Errungenschaft: Die "Pagensand" liegt für den Wasserrettungszug des Kreises Pinneberg in Wedel.
Nothilfe an Land: Jochen Möller half dem damaligen Kreispräsidenten Burkhard E. Tiemann in di Einsatzkleidung.
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Nothilfe an Land: Jochen Möller half dem damaligen Kreispräsidenten Burkhard E. Tiemann in die Einsatzkleidung.
Und immer wieder Dienst an der Strandbad-Wache. Da wird Jochen Möller (rechts) aber auch künftig im Eisatz sein.
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Und immer wieder Dienst an der Strandbad-Wache. Da wird Jochen Möller (rechts) aber auch künftig im Einsatz sein.
Kernig: Jochen Möller nach einem Neujahr-Schwimmen.
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Kernig: Jochen Möller nach einem Neujahrs-Schwimmen.
Gruselig: Jochen Möller bei Siegerehrung auf einer Halloween-Abschlussparty eines Rolandpokals.
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Gruselig: Jochen Möller bei der Siegerehrung auf einer Halloween-Abschlussparty eines Rolandpokals.
Schnell: Jochen Möller drängte auf die Anschaffung eines Luftkissenbootes für Rettungsaktionen im flachen Wasser und auf Eisflächen.
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Schnell: Jochen Möller drängte auf die Anschaffung eines Luftkissenbootes für Rettungsaktionen im flachen Wasser und auf Eisflächen.
https://www.wedel.de/leben-in-wedel/newsdetail/die-22-jahres-bilanz-des-jochen-moeller
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Die Werbekampagne - Jochen-Möller-Superman
Eine güldene Rettungsweste zum Abschied: Unternehmer und DLRG-Sponsor Jan-Ulrich Bernhardt (rechts) überreichte Jochen Möller ein ganz besonderes Gerät - natürlich voll funktionstüchtig.
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Eine güldene Rettungsweste zum Abschied: Unternehmer und DLRG-Sponsor Jan-Ulrich Bernhardt (rechts) überreichte Jochen Möller ein ganz besonderes Gerät - natürlich voll funktionstüchtig.
Der Hauptgrund, jetzt mal etwas kürzer zu treten: Jochen Möller und Töchterchen Frieda.
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Der Hauptgrund, jetzt mal etwas kürzer zu treten: Jochen Möller und Töchterchen Frieda.

Gegen die Länge seiner Amtszeit als Vorsitzender der DLRG Wedel ist selbst Merkels Kanzlerschaft vergleichsweise kurz. 22 Jahre führte Jochen Möller die Geschicke des Vereins. Im Exklusiv-Interview mit wedel.de blickt er zurück und nach vorn.

wedel.de: Herr Möller, auf welche Leistung sind Sie denn besonders stolz?

Jochen Möller: Da gab es einige Dinge. Zum einen den Ausbau des Wasserrettungsdienstes und damit die Einbindung der DLRG in die Systeme der Gefahrenabwehr in Wedel und dem Kreis Pinneberg, zum anderen die Schnelle Einsatzgruppe Wasserrettung mit Einsatzbereitschaft an 365 Tagen im Jahr und die Einbeziehung ins First-Responder-System des Rettungsdienstes, zum dritten der Aufbau eines Gerätehauses und Vereinszentrums und dann die Entwicklung einer eigenen Marketingkampagne „Wir retten gratis, aber nie umsonst“. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir seit 85 Jahren ununterbrochen Schwimmausbildung betreiben und so einen maßgeblichen Beitrag zur Schwimmfähigkeit der Bevölkerung und damit Prävention vor dem Ertrinken leisten. Insbesondere nach dem schmerzlichen Verlust des alten Wedeler Hallenbades ist es uns gelungen, einen umfangreichen Ausbildungsbetrieb auch in der neuen Badebucht zu etablieren.

Ist Marketing denn notwendig? Wie viele Mitglieder hatte die DLRG Wedel beim Amtsantritt und wie viele heute?

Bei meinem Antritt im Mai 1999 hatten wir 471 Mitglieder, bis 2007 kam es zu einem Mitgliederrückgang auf 408 Mitglieder. Heute haben wir 522 Mitglieder

Welche Gründe gibt es für die Entwicklung?

Das Angebot in der Gesellschaft ist größer geworden und die Digitalisierung und soziale Medien, sind ein großer Konkurrent. Hier hat unsere Marketingkampagne „Wir retten gratis, aber nie umsonst“ aus 2010 maßgeblichen Einfluss gehabt. Heute können wir sagen, wir haben keine Nachwuchsprobleme.

Welche weiteren Projekte wurden unter Ihrer Regie verwirklicht?

Ich freue mich über eine ganze Reihe von Erfolgen, die wir immer im Team erreichten, zum Beispiel die Indienststellung des neuen Rettungsbootes "Klaar Kimming", die Einbindung der DLRG in die gesetzlichen Systeme der Wasserrettung, die Schaffung von Veranstaltungen für die aktiven Mitglieder zur Partizipation und aktiven Teilhabe, lange bevor dieses Thema in der Gesellschaft einen festen Platz bekam, den Ausbau der Wasserrettungswache um ein Obergeschoss, die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes in der DLRG Wedel e.V. vor zehn Jahren, der Umzug in das neue Vereinszentrum in 2001 im Tinsdaler Weg, die Anhebung des medizinischen Ausbildungsstandes auf mindestens Sanitäter, der Ausbau des Boot- und Fuhrparks, um allen Anforderungen an die Wasserrettung auf allen Gewässern zu entsprechen, die Gründung des Jugend-Einsatz-Teams zur Nachwuchsförderung oder auch der Einsatz eines Luftkissenrettungsbootes.

Wie sah es um die Schwimmfähigkeit in der Gesellschaft aus?

Die Schwimmfähigkeit war früher deutlich besser. Sie nimmt rapide ab. Hier müssen wir dringend gegensteuern. Wobei die DLRG schon alles macht, was Ihr möglich ist. Das Problem sind mangelnde Wasserflächen. Auch in Wedel! Es braucht unbedingt eines Lehrschwimmbeckens als zusätzliche Halle.

Wie stand und steht es um die Unterstützung durch Stadt, Kreis und Land?

Grundsätzlich hat das immer funktioniert, im Rahmen der Möglichkeiten der Kommunen. Natürlich müsste es meistens mehr sein, aber da sind auch wir Realisten und private Steuerzahler. Das Problem sind vielmehr die fehlenden gesetzlichen Grundlagen mitunter. Darauf wird bei Ablehnungen von Anfragen gern verwiesen. Daher ist die Schaffung gesetzlicher Rahmen, zum Beispiel in der gesicherten Einbindung in die Sicherheitssysteme des Landes, so wichtig. Und diese werden ja auch aktuell erlassen.

Welche dringenden Zukunftsaufgaben sehen Sie?

Die Sicherung der Schwimmfähigkeit in Wedel, unter anderem mit dem  Bau eines Lehrschwimmbeckens. Außerdem wünschen wir die Übertragung der Aufgabe Wasserrettung durch die Stadt Wedel an die DLRG Wedel, parallel zur Feuerwehr. Und ein großes Zukunftsprojekt wäre der Bau eines Vereinszentrums mit Gerätehaus.

Und die ganz persönliche Bilanz?

Ich danke allen Mitgliedern für die hervorragende Zusammenarbeit mit mir. In meinen 22 Jahren als Vorsitzender und acht Jahren als Technischer Leiter hat mir die Arbeit immer sehr viel Freude bereitet, und es war mir stets eine Ehre, dieser Organisation in Wedel zu dienen. Die Arbeit wird in der Basis gemacht. Wir Führungskräfte haben die Aufgabe, neben der Entwicklung von Strategien und Visionen, alle Mitstreiter so zu motivieren, dass ein gemeinsames Ziel erreicht wird. Wir haben gemeinsam vieles erreicht. (Interview: Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 19.10.2021)

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