Es war einmal das kleinste Schachspiel der Welt

Der Uhrmachermeister Walter Harmsen hat 1984 das kleinste Schachspiel der Welt aus eigener Hand erarbeitet - und niemand hat es damals bemerkt. Zum ersten Mal zeigt der gebürtige Wedeler jetzt seinen Schatz öffentlich, und zwar auf wedel.de.

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Walter Harmsens Augenblick mit seiner Mini-Schachfigur.
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Walter Harmsens Augenblick mit seiner Mini-Schachfigur.
Fünf Mini-Schachfiguren auf einer Kugelschreibermine
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Fünf Mini-Schachfiguren auf einer Kugelschreibermine
Schachfiguren in normaler Größe im Vergleich mit den Mini-Figuren auf einem Spiegelglas
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Schachfiguren in normaler Größe im Vergleich mit den Mini-Figuren auf einem Spiegelglas
Die Frösmaschine, in der eine kleine Figur bearbeitet wird
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Millimeterarbeit bei der Arbeit an der Uhrmacherdrehbank
Der Uhrmachermeister überprüft mit der Lupe seine Arbeit.
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Der Uhrmachermeister überprüft mit der Lupe seine Arbeit. Fotos: privat
Mehrere Schachfiguren auf den damaligen kleinen Pfennigmünzen.
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Mehrere Schachfiguren auf den alten kleinen Pfennigmünzen.
Vergleich mit Zündhölzern.
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Vergleich mit Zündhölzern.
Die 6,5 Millimeter hohe Königin in der Schublehre
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Die 6,5 Millimeter hohe Königin in der Schublehre.

Der Uhrmacherkollege Sorgenfrei macht Walter Harmsen 1984 auf einen Weltrekord aufmerksam. Ein  Schotte hat es damals geschafft, mit einem Schachspiel im Guinness-Buch der Rekorde zu landen. Die größte der damals gegossenen Figuren ist sieben Millimeter hoch. "Das können Sie doch besser", stachelt der alte Berufskollege den damals 46-Jährigen an.

Nach kurzer Überlegung legt Walter Harmsen los und verliebt sich in das Projekt. Nach Geschäftsschluss sitzt er oft bis spät abends in seiner Werkstatt und dreht aus freier Hand Figuren, die höchstens 6,5 Millimeter groß sein dürfen. Der Uhrmachermeister und Juwelier wählt als Metall Messing.

"Es gab etliche Fehlversuche, mal rutschte der Stichel ab, mal schliff ich zu tief und die Figur zerbrach", erinnert sich der Uhrmacher- und Obermeister seiner Innung, der von 1964 bis 2014 das 1945 eröffnete Familiengeschäft an der Bahnhofstraße führte.

Bis zu drei Stunden benötigt Harmsen, um einen Bauern, die einfachste Figur herzustellen. "Das schwierigste war, das Pferd hinzubekommen", erzählt der heute 82-Jährige. Die Werkzeuge macht er sich zum Teil selbst, alles muss ständig nachgefeilt werden. Mit einer Grammophonnadel gelingt es ihm an seiner Uhrmacherdrehbank, ganz fein zu arbeiten.

Am Ende glänzen 32 Figuren. Fast kommt es sogar zu einem Spiel mit den winzigen Figuren. Gemeinsam mit einem Freund wählt Harmsen die spanische Eröffnung. Doch dabei bleibt es. Es werden noch viele Fotos gemacht, um das Werk zu dokumentieren. Dann landet alles in der Schublade, bis es Walter Harmsen - nun im Ruhestand - mal wieder hervorholt, poliert und sich erinnert: "Ich war schon ganz schön stolz damals, das geschafft zu haben."

Doch bei den Weltrekordmessern meldet er sich damals nicht. Heute würde er mit seinem Spiel zwar immer noch in der Champions League der Entwickler landen. Doch das kleinste Schachspiel der Welt ist dokumentiert nur noch knapp die Hälfte so groß wie das Wedeler Spiel. Neun Millimeter Länge und Breite misst allein das Spielbrett des türkischen Skulpteurs Necati Korkmaz. Die einzelnen Figuren sind anderthalb bis drei Millimeter groß. Die Formen von Dame, Läufern und Bauern und Co. kann man nur noch mit der Lupe erkennen. Da ist das Wedeler Werk schon handlicher - und einmalig ist es und bleibt es für immer. (Michael Rahn, Kommunikateam 1.1.2021)

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