Friedhof: Ort der Trauer, des Gedenkens und der Erholung

Seit 2001 wird der 18. September als nationaler Tag des Friedhofs begangen. Dieser Ort ist in Wedel viel mehr als nur ein Ort der persönlichen Trauer

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Gedenkstein auf dem Friedhof Breiter Weg für die Opfer des zweiten Weltkrieges Fotos: Wolf-Robert Danehl
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Gedenkstein auf dem Friedhof Breiter Weg für die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Fotos: Wolf-Robert Danehl
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Werner Ballendat vom Friedhofsausschuss und Pastorin Susanne Huchzmeier-Bock engagieren sich schon viele Jahre für die Wedeler Friedhöfe.
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Das Floristenteam von Blumen Jüttemeier kreiert wunderschöne Blumengestecke, Sträuße und Kränze für alle Bestattungsfeierlichkeiten.
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Der "Sämann", ein Grabdenkmal des Bildhauers Arthur Bock für den Wedeler Unternehmer Theodor Johannsen (1856 – 1931) auf dem Friedhof Breiter Weg.
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Nina und André Bade leiten in der zweiten Generation das Wedeler Bestattungsinstitut Bade.
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Jürgen Kretschmann arbeitet seit 1990 im Bestattungswesen.
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Steinmetz- und Steinbildhauermeister Tim Pahl schafft einzigartige Grabsteinplatten, Stelen und Skulpturen für den Friedhof.
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Ein Gemeinschaftsgrab unter einem Baum mit vielen kleinen Andenken.
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Die neu gebaute Kapelle auf dem Waldfriedhof wird gern genutzt.
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Viele möchten auf dem Waldfriedhof unter Bäumen ihre Ruhestätte finden.

Je weiter man am Breiten Weg Friedhof einwärts spaziert, desto mehr verliert sich der Verkehrslärm hinter den Hecken, Bäumen und Sträuchern. Es wird still und idyllisch. Die Umgebung besteht aus Wiesenflächen, Thuja-Hecken, Sträuchern und zumeist alten ganz unterschiedlichen Baumarten. Dazwischen stehen Grabsteine, Skulpturen und große beeindruckende Stele und Gedenksteine, die unter anderem an die Opfer von Kriegen, Bombennächten und Nationalsozialismus in Wedel erinnern sollen. Alles sieht gepflegt und symmetrisch angelegt aus.

Vor 1838, so steht es in der kleinen Geschichte zum Wedeler Friedhof, wurden die Menschen um die Kirche herum am Roland beerdigt. Dann erwarb die Gemeinde im Südwesten Land für einen neuen Friedhof an der Rolandstraße, wo sich heute der Bürgerpark befindet. Da dieser Bereich immer wieder überflutet wurde, entschloss sich der Kirchenvorstand 1902 am Breiten Weg einen neuen Friedhof mit Kapelle anzulegen, der dann nach dem Zweiten Weltkrieg um den direkt anschließenden Teil am Egenbüttelweg erweitert wurde. Das Land des zweiteiligen Friedhofs gehört der evangelischen Kirche und wird auch durch diese verwaltet. 1975 erwarb dann die immer weiter wachsende Stadt Wedel am Gnäterkuhlenweg rund 15  Hektar Land, wo ein Waldfriedhof und eine weitere Kapelle entstanden, die nach einem Vertrag zwischen Kommune und Kirche auch unter der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde stehen.

Auf allen drei beschriebenen Flächen können sich alle Rolandstädter unabhängig von ihrer Konfession beerdigen lassen und dürfen auch die Kapellen nutzen. Insgesamt zwölf Mitarbeiter kümmern sich in Wedel um die Verwaltung, die gärtnerische Pflege und den Service für die Menschen zur Vorbereitung und Durchführung einer Beerdigung. Wichtige Partner für die Mitarbeiter des Friedhofs sind auch die Bestatter. Der Beruf, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Berufszweigen des Totengräbers, des Schreiners, Floristen und der kommunalen Bestattungsdienste zu einem neuen Berufszweig mit der Bestattungsfachkraft und dem Bestattungsmeister entwickelt hat und die komplette Organisation der Beisetzung übernimmt.

Zwei Unternehmen in Wedel haben hierbei eine lange Tradition vorzuweisen.

Das Bestattungsinstitut Bade ist ein Familienunternehmen, das es schon seit 46 Jahren in Wedel gibt und nun in der zweiten Generation von den Geschwistern André und Nina Bade geleitet wird. Das Unternehmen bietet, laut André Bade, alle Arten von Bestattungen. Sie versorgen die Verstorbenen und können auch eine Überführung übernehmen. Darüber hinaus verfügt das Institut auch über eine eigene Kapelle am Wedeler Standort und kann so kleinere und größere Trauerfeiern im Haus organisieren. "In einem ausführlichen Vorgespräch klären wir die individuellen Wünsche der Hinterbliebenen. Wir kümmern uns um die Vorsorge und Nachsorge mit allen Servicedienstleistungen und können die Trauerzeremonie selbst mit moderner Technik in die entferntesten Länder per Kamera und Internet live übertragen", erläutert der Geschäftsführer. Der Trend geht, sagt André Bade, derzeit hin zu schönen Naturbestattungen.

Jürgen Kretschmann ist seit 1990 im Bestattungswesen tätig und durfte als Geschäftsführer des Bestattungsinstituts Karl Brügmann seine Fertigkeiten einbringen und Erfahrungen sammeln. Im Jahre 2000 hat er das Institut übernommen und zusammen mit seiner Ehefrau Brigitte ein eigenes Bestattungsunternehmen gegründet. Seitdem durfte er tausende Wedeler auf dem letzten Weg begleiten und den Hinterbliebenen helfen. "Eine würdevolle Trauerfeier mit dem Komplettservice nach den Wünschen unserer Kunden ist uns ein besonderes Anliegen. Dabei sorgen wir für eine volle Transparenz bezüglich der Dienstleistungen und der Kosten, was heutzutage angesichts der stetig steigenden Preise für viele Menschen besonders wichtig ist", erklärt der Wedeler Bestatter.

Wem der Blumenschmuck bei der Bestattung und auf der Grabstelle wichtig ist, sollte sich bei Blumen Jüttemeier beraten lassen. Floristmeisterin Sabine Pröve und ihr Team stellen passende Blumensträuße zusammen und binden individuell für die Angehörigen Kränze und Gestecke mit den passenden Schleifen und Texten für die Trauerfeier. "Bei der Suche nach den passenden Blühpflanzen für das Grab auf dem Friedhof können wir beraten. Beliebt sind als Schnittblumen vor allem Rosen. Bepflanzungen werden gerne aus Stiefmütterchen, Eisbegonien und Heide gemacht. Es sind pflegeleichte und robuste Pflanzen, die ideal bei unseren Wetterbedingungen sind. Auch Gestecke können wir kreativ gestalten, so unter anderem Herzen, Schmetterlinge und andere besondere Symbole", erläutert die Floristin Nicole Beilich.

Eine wichtige Komponente für die Grabstätten ist der Stein, die Grabschmuckplatte, die Stele oder eine künstlerisch gearbeitete Skulptur. Beim Schlendern über den Wedeler Friedhof gibt es viele unterschiedliche Arten und Größen zu entdecken. Einige davon hat Steinmetz und Steinbildhauer Tim Pahl mit seinem Betrieb geschaffen. Der Wedeler Unternehmer verwendet unter anderem viel Granit, Basalt und Gneis, das sind besonders harte Steinarten. Sie werden im Block geliefert und daraus formen der Meister und seine sechs Mitarbeiter dann die künstlerischen und robusten Grabmale. Bevor aber die höheren, senkrecht aufragenden und gestalteten Stelen auf dem Friedhof eingesetzt werden können, muss erst ein umsturzsicheres Betonfundament gegossen werden. Die Steine selbst werden entweder naturbelassen verarbeitet oder, wenn es gewünscht ist, in einem Nassschleifverfahren verdichtet und geglättet. Wichtig sind auch die Inschriften und Ornamente, die ganz unterschiedlich beschaffen sein können und gemeißelt, entsprechend farblich kontrastreich gestaltet oder sogar vergoldet werden können. Es gibt auch Beschriftungen in Bronze oder Bleiintarsien. "Wir schaffen auf Wunsch auch Skulpturen aus Kalkstein, der sich bildhauerisch gut bearbeiten lässt. Auch Ornamente und Reliefs werden von uns handwerksgerecht hergestellt. Diese Einzigartigkeit entspricht den Menschen, für die wir ein entsprechendes Grabdenkmal schaffen. Es muss kein Vermögen kosten, und wir helfen auch bei allen Genehmigungsformalitäten", stellt Tim Pahl fest.

Was beim Besuch der Friedhöfe in Wedel auffällt, ist, dass es mittlerweile eine Vielzahl von Urnengräbern gibt. Diesen Trend bestätigt auch Friedhofsverwaltungsleiter Karsten Hoffmann. "Früher hatten wir rund 85 Prozent Erdbeisetzungen. Mittlerweile hat es sich erheblich verändert, und 80 Prozent der rund 390 Bestattungen im Jahr sind Urnenbeisetzungen", bestätigt der Friedhofsexperte. Dadurch, dass es mehr kleinere Urnengräber gibt und auch die Anzahl der Gemeinschaftsgräber zugenommen hat, entstehen größere Freiflächen. Auch die Trauerfeierlichkeiten selbst haben einen Wandel durchgemacht. Wenn früher ganze Familien, Freunde und Nachbarn zu den Beerdigungen gekommen sind, gibt es heute immer mehr Bestattungen, wo nur eine kleine Anzahl von Angehörigen teilnehmen.

Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock, Vorsitzende der Evangelischen-Lutherischen Kirchengemeinde in Wedel, spricht heutzutage nicht selten nur noch vor zehn bis fünfzehn Trauernden. Das liegt, wie die Kollegin Birgitt Lang und Werner Ballendat vom Friedhofsausschuss feststellen, "auch daran, dass die Familien immer mehr auseinandergerissen sind und nicht mehr beieinander wohnen". Daraus folgt auch, dass die Gräber pflegeleicht sein sollen. Wenn zum Beispiel die Oma alleine in Wedel wohnt und verstirbt und ihre Lieben weit entfernt leben, so muss auch die ständige Pflege der Grabstätte extern vergeben werden. 

Ein weiterer Trend, den sie gemeinsam beobachten, ist die Verbundenheit mit der Natur. Immer mehr Menschen verspüren den Wunsch, der Natur näher zu sein, empfinden den Wald als Ort der Ruhe, Inspiration und als Energiequelle und stellen den Kontrast zum hektischen und stressigen Berufsalltag fest. Eine naturnahe Bestattung können sich daher viele Menschen heute vorstellen. Die Stadt Wedel und die evangelische Kirche haben die Zeichen der Zeit erkannt und haben mit dem Wedeler Waldfriedhof bereits in den 80er-Jahren einen schönen Platz geschaffen, den immer mehr Menschen als letzte Ruhestätte haben wollen. Die vor ein paar Jahren neu eingerichteten Baumgrabfelder werden dabei stark nachgefragt. 

"Jede Zeit hat ihre eigene Trauerkultur. Heute haben Feuerbestattungen und die naturnahen Begräbnisse zugenommen. Die sozialen Veränderungen und Distanzierungen führen dazu, dass die Feiern und auch die Grabstätten kleiner werden. Aber für mich sind auch die Beerdigungen weiterhin ein wesentlicher Teil der Arbeit. Trost spenden und einen Rahmen für die Trauer der Menschen zu geben, ist mir ein besonderes Anliegen", erklärt die Pastorin.

Auch wenn es immer mehr Urnengräber und Freiflächen auf den Friedhöfen gibt, nutzen immer mehr Menschen die Friedhöfe als Erholungs- und Ruheorte zur inneren Einkehr, ganz im Sinne des diesjährigen Mottos des Tages des Friedhofs "in Gedenken - in Gedanken". Auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission hat die Kultusministerkonferenz vor zwei Jahren beschlossen, die Friedhöfe in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Denn auch die Friedhöfe in Wedel sind sozusagen lebendige Ausdrucksformen unseres Handelns. Die Friedhöfe haben laut der Kommission nicht nur einen kulturellen, sozialen und historischen Wert für unsere Gesellschaft, sondern auch für die Integration und den Klima- und Naturschutz.

 

 

Letzte Änderung: 19.09.2022

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