Frühjahrsputz: Tag 1 – Was ist Littering?

7 Tage - 7 Fakten zum Thema Müll in der Natur.

in Leben in Wedel

Nicht mein Müll, ABER MEIN WEDEL (8. bis 14. März): 7 Tage - 7 Fakten. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Nicht mein Müll, ABER MEIN WEDEL (8. bis 14. März): 7 Tage - 7 Fakten. Foto: Stadt Wedel/Kamin

„Nicht mein Müll, ABER MEIN WEDEL“ unter diesem Motto sind Wedelerinnen und Wedeler sieben Tage lang (8.-14. März) aufgerufen Müll aus der Natur und Wegesrändern in Abfalleimer zu bugsieren. Hier gibt es für die 7 Sammeltage täglich neue Fakten rund um das Thema Müll in der Natur.

Der wichtigste Fakt zuerst: Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht!

Darüber hinaus gibt es hier sieben Tage lang täglich Informationen und Fakten rund um das Thema Vermüllung/Littering.

 

Tag 1 von 7 (8. März 2021)

Was ist denn bitte Littering?

  • Der Begriff „Littering“ ist abgeleitet vom englischen „litter“ = Abfall: verstreuen, umherwerfen, in Unordnung bringen; umherliegender Abfall. „Littering“ – unter diesen Begriff versteht man: das unachtsame Wegwerfen von Abfällen an ihrem Entstehungsort, ohne die dafür vorgesehenen Abfalleimer oder Papierkörbe zu benutzen. Littering schädigt die Umwelt, da der Müll so nicht in den Entsorgungskreislauf gelangt. Deshalb ist Littering auch bei einzelnen Stücken wie einem Taschentuch, einer Maske oder einer Zigarettenkippe eine Ordnungswidrigkeit. Das Wegwerfen eine Zigarettenkippe kann so schnell 5 oder 10 Euro kosten.
  • Von Littering besonders betroffene Gebiete sind: Durchgangspassagen, Bahnhofplätze, zentrale Straßen und Plätze und Fußgängerzonen Picknick-Plätze, Grillstellen, Spazierwege, Party- und Unterhaltungszonen öffentliche Verkehrsmittel, Haltestellen Verkehrswege: Ausfallstraßen, Autobahnzufahrten, Bahndämme. Quelle: „Was ist Littering“, Hg.: Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln
  • (garnichtso)Funfact: Auch wer Müll neben einem Abfallcontainer ablegt, betreibt Littering und begeht eine Ordnungswidrigkeit. 

 

Tag 2 von 7 (9. März 2021)

Kleine Ursache – großer Schaden: Der Preis der Unachtsamkeit

  • Insgesamt werden für die Entsorgung des Straßenmülls laut eines Berichts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 2,8 Milliarden Euro im Jahr aufgewendet. Für jene Produkte, die unter die EU-Kunststoffrichtlinie fallen, sind es allein 700 Millionen Euro. Dazu gehören Einwegbecher, Salatboxen und auch Zigarettenstummel, weil sie aufgrund eines früheren Gesetzes Kunststofffilter enthalten müssen. Die EU-Richtlinie verpflichtet die Hersteller, sich an den kommunalen Entsorgungskosten zu beteiligen. (FAZ, 20.8.2020)

Zigarettenkippen und To-Go-Becher sorgen für hohe Kosten

  • Basierend auf den einwohnerspezifischen Kosten für die Reinigung und Entsorgung von Zigarettenkippen ergeben sich allein für diese Müllgruppe für Deutschland insgesamt Kosten von rund 225 Mio. Euro pro Jahr
  • Bezogen auf etwa 80 Milliarden legal in Verkehr gebrachter Zigaretten in Deutschland ergeben sich Kosten in Höhe von ca. 0,28 Cent pro Zigarettenkippe.
     
  • Weitere ca. 120 Mio. Euro pro Jahr an Kosten für Reinigung und Entsorgung entfallen ausschließlich auf den Bereich der To-Go-Becher. (Quelle: Verband Kommunaler Unternehmen, 8/2020)

 

Tag 3 von 7 (10. März 2021)
 

Vom Straßenrand auf den Teller: Littering und Mikroplastik

Fehlendes Bewusstsein trägt zur Verunreinigung der Umwelt mit Kunststoffen bei. Vielfach handelt es sich um Kunststoffverpackungen, Tragtaschen oder Einweggeschirr, welche im öffentlichen Raum entweder achtlos weggeworfen werden oder aus überfüllten Sammelbehältern mit dem Wind vertragen werden. Unter dem Einfluss von Witterung, UV-Strahlung und mechanischer Beanspruchung fragmentieren größere Kunststoffteile in kleinere Partikel – sekundäres Mikroplastik entsteht. Dieser Prozess findet auch auf Baustellen statt, wo Folienfragmente, Bruchstücke und Späne von Kunststoffteilen (z. B. Rohre) oder auch Styropor-Kügelchen gehäuft anfallen.

 (Quelle: Österreichisches Umweltbundesamt, 2015).

Auf diesem Weg können „können schädliche Chemikalien ihren Weg in die Nahrungskette finden. Kunststoffe können migrationsfähige Stoffe enthalten, die schädlich sein können. Sie können aber auch organische Stoffe akkumulieren, wie z.B. sog. persistente organische Stoffe (POP, persistent organic pollutants). Es handelt sich um langlebige, organische Verbindungen, die in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut oder umgewandelt werden. Sie sind lipophil und reichern sich im Fettgewebe von Menschen und Tieren an, wodurch sie bioakkumulieren.“ (Quelle: Murillo Castellón, Svenja & Bonten, Christian & Kloeppel, A. & Brümmer, Franz. (2015). Marine Littering – Auswirkungen und Abbauverhalten.)

 

Tag 4 von 7 (11. März 2021)
 

Eine Langzeitstudie der Berliner Humboldt-Universität aus dem Jahr 2018 hat herausgefunden, dass die Hauptverursacher zwischen 21 und 30 Jahre alt sind. Die Gründe laut der Untersuchung sind „Bequemlichkeit, Faulheit und Gleichgültigkeit“. Interessant ist, dass Geschlecht, Bildung, Wohnort und Wohndauer „keine signifikante Rolle“ spielten. Das heißt: Wir sind alle Teil des Problems.

Quelle FAZ, 20. August 2020

 

Eine Umfrage unter Jugendlichen für die Gründe von Littering hat folgende Typen ergeben (nicht vergessen, Litterer*Innen gibt es in allen Altersklassen):

Typ 1
„Ist mir doch egal.“

(”I am just not bothered“.)

Alle Altersgruppen. Sie sehen Littering als gegeben an und denken nicht darüber nach. Sie haben kein Problembewusstsein und nicht die Absicht ihr Verhalten zu ändern.

Typ 2
„Ich bin doch kein Streber.“

(“I don’t want to be seen like a geek.“)
Eher jüngere Schüler. Sie littern eher in der Gruppe. Sie wollen nicht als Streber gelten und finden es peinlich, nicht zu littern. Sie würden ihr Verhalten ändern, wenn auch andere mitmachen.

Typ 3
„Ich bin ja so toll.“

(„I’m hard, I’m cool.“)
Jüngere und ältere Schüler mit Alpha-Status in ihrer Gruppe. Littering ist ein Zeichen von Rebellion, um ihren Status zu beweisen.

Typ 4
„Ist ja kein Papierkorb da.“
(„Blame it on the Bins.“)
Grosses Segment von Jugendlichen, die nach einer Rechtfertigung für ihr Verhalten suchen. Schuld ist das Fehlen von Papierkörben. Dieser Gruppe ist bewusst, dass ihr Verhalten falsch ist.

Quelle: „Was ist Littering“, Hg.: Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln
 

Tag 5 von 7 (12. März 2021)
 

Vom Schutz zum Schmutz

Medizinische OP-Masken und FFP2/K95-Masken sind einer der wichtigsten Bausteine im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Schutzmasken sind derzeit lebenswichtig!

Doch wenn getragene Masken aus hygienischen Gründen nicht mehr verwendet werden können, dann wird aus dem Schutz ganz schnell Schmutz. Achtlos weggeworfene Masken säumen bereits die Wegesränder. Und das ist ein Problem, denn Masken bestehen eben nicht (nur) aus Papier, sondern sie haben sämtlich einen Kunststoffanteil, zersetzen sich also – wenn überhaupt – nur äußerst langsam. Eine Schätzung von Greenpeace kommt auf 450 Jahre, bis von einer Maske in der freien Natur nichts mehr übrig ist.  

Wohin also mit den Masken? „Die gehören in den Restmüll, nicht in die Gelbe Tonne", stellt Kristina Engels vom GAB Umwelt Service klar. Alle anderen Entsorgungs-Ideen, die es so gibt: Altpapier, Kompost, Toilette, Gelbe Tonne – sollten möglichst schnell wieder vergessen werden. Die Gelbe Tonne ist ohnehin nur für Verpackungsmüll gedacht. Über die Restmüll-Abholung gelangen die Masken dann auch aus hygienischen Gründen – ohne in direkten Kontakt mit weiteren Menschen zu kommen – in die Verbrennung. Wenn kein Abfalleimer in der Nähe ist, empfiehlt es sich die Maske in ein mitgeführtes Plastiktütchen zu stecken (erst dann zum Selbstschutz in die eigene Tasche) und die Maske dann zu Hause im Restmüll zu entsorgen.

 

Tag 6 von 7 (13. März 2021)
 

Raus ins Grüne - der Müll kommt mit

Für Patrick Hasenkamp, Vizepräsident der Sparte Abfallwirtschaft beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU), liegt der Anstieg der Vermüllung in unseren veränderten Konsumgewohnheiten. Immer mehr Menschen essen und trinken in der Öffentlichkeit, immer weniger kochen zu Hause. Hasenkamp spricht von einer „Mediterranisierung der Lebens- und Freizeitgestaltung“. Das führt zu mehr wildem Müll. Beispiel Einwegbecher: Allein 2,8 Milliarden Becher nutzen die Deutschen jährlich, schätzt das Umweltbundesamt. Das macht 34 Becher je Einwohner im Jahr. Damit könnte man acht Millionen Straßenpapierkörbe füllen. Beim Verband VKU heißt es: „Der Plastikkonsum und die To-go-Mentalität sind völlig aus dem Ruder gelaufen.“ (Quelle FAZ, 20.8.2020)

 

Tag 7 von 7 (14. März 2021)
 

Plogging - Sammeln macht fit

  • Plogging ist eine Kombination aus dem schwedischen Verb "plocka" (aufsammeln) und "Jogging". Trendsetter war der schwedische Umweltaktivist Erik Ahlström. Ihn störte der viele Müll in seiner Heimatstadt Stockholm. Sein Gegenrezept: Laufgruppen, die durch die Stadt joggen und dabei Abfall einsammeln. Die Bewegung kommt lansam auch in Deutschland an. Außer Turnschuhen brauchen die laufenden Müll-Sammler nur einen Müllsack und ein paar stabile Handschuhe.
     
  • Das häufige Bücken kräftigt Oberschenkel, Po und Rücken.
     
  • Wem Joggen zu anstrengend ist (oder wer gesundheitlich nicht zu schnell laufen sollte), kann die Plogging- oder Gassi Runde im gemächlicheren Tempo absolvieren.

Plogger und Sammler, die wir über die Aktion auf Instagram kennengelernt haben sind

@Avfalbas
@eneos.ohmigamo
@forest.cleanup
@plastikschale
@MRNY_15_ON
@ploggingroedermark
@brielle_ruimt_samen_op
@cleansomethingfornothing
@activeplogger

Danke, für Euren Zuspruch und Eure Energie!

 

Wer im Kampf gegen gelitterten Müll dabei sein will, schnappt sich eine Wäscheklammer macht einfach mit bei „Nicht mein Müll, ABER MEIN WEDEL“.  #nichtmeinmüllabermeinwedel

 

 

Infos zur Aktion kompakt: (Alle Informationen finden Sie unter diesem Link)

Auch in diesem Jahr wird es in Wedel einen Frühjahrsputz in der Natur geben. Zwar ist die traditionelle öffentliche Müllsammel-Aktion „Unser sauberes Schleswig-Holstein“ wegen der Corona-Pandemie in den Herbst verschoben worden, Wedelerinnen und Wedeler können aber trotzdem helfen, das Stadtgebiet für den Frühling von wild entsorgtem Müll zu befreien. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, ersetzt eine Aktionswoche von Montag, 8. März, bis zum Sonntag, 14. März, die sonst kompakte eintägige Sammelaktion.

Um dennoch das gemeinsame Handeln für die Stadt sichtbar zu machen, schlägt die Stadt Wedel vor, dass Sammelnde sich unter dem Hashtag #nichtmeinmüllabermeinwedel mit Fotos in Sozialen Netzwerken zeigen und der Aktion und der Gemeinschaft in der Stadt Wedel ein Gesicht geben. Ein Video zu der Aktion gibt es hier.

 

Wichtige Hinweise:

  • Wegen der Corona-Einschränkungen muss jeweils allein, bzw in der Hausgemeinschaft gesammelt werden.
  • Teilnehmenden wird dringend empfohlen, Schutzausrüstung zu verwenden (am einfachsten und wiederverwendbar ist zum Beispiel eine Wäscheklammer zum kontaktlosen Entsorgen des Mülls).
  • Gefundene Pfandflaschen und -dosen sollten nicht in Abfallbehälter geworfen werden, sondern (wenn man sie nicht selbst abgeben möchte) daneben abgestellt werden. So können Menschen, die Pfandbehälter sammeln, diese mitnehmen ohne den Abfallbehälter durchsuchen zu müssen.

Mit freundlicher Unterstützung von...