"Kambodscha muss man erlebt haben!"

Nach seinem Freiwilligen sozialen Jahr an einer Schule im Dschungel kehrt Moritz Rosemeier zurück

in Leben in Wedel

Moritz Rosemeier und die anderen Freiwilligen - in ihnen fand er gute Freunde.
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Moritz Rosemeier und die anderen Freiwilligen - in ihnen fand er gute Freunde., Moritz Rosemeier und die anderen Freiwilligen…
Sportunterricht mit Fußball gehörte zu den Aufgaben des Wedelers.
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Sportunterricht mit Fußball gehörte zu den Aufgaben des Wedelers., Sportunterricht mit Fußball gehörte zu den Aufgaben des…
Damit die Kinder beim Stand-up-Paddling auch sicher sind, organisierte Moritz gleich mal Rettungswesten des Wedeler Unternehmens Kadematic.
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Damit die Kinder beim Stand-up-Paddling auch sicher sind, organisierte Moritz gleich mal Rettungswesten des Wedeler…
Was im Unterricht am JRG bei ihm selbst für Muckis sorgte, setze Moritz Rosemeier auch im Unterricht ein: die gute alte "Schubkarre"-Übung.
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Was im Unterricht am JRG bei ihm selbst für Muckis sorgte, setze Moritz Rosemeier auch im Unterricht ein: die gute alte…
Neben der Arbeit blieb auch Zeit, Land und Leute und Bauwerke zu erkunden.
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Neben der Arbeit blieb auch Zeit, Land und Leute und Bauwerke zu erkunden., Neben der Arbeit blieb auch Zeit, Land und Leute…
Jetzt heißt es "Abschied nehmen" - Moritz wird seine Schüler und Kollegen vermissen.
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Jetzt heißt es "Abschied nehmen" - Moritz wird seine Schüler und Kollegen vermissen., Jetzt heißt es "Abschied nehmen" -…

Man mag es kaum glauben, aber ein Jahr im Ausland, weit entfernt von dem eigenen Zuhause und der Familie, vergeht schneller als man denkt. Zumindest erging es mir so, da sich mein Jahr in Kambodscha nun dem Ende zuneigt.

Vor elf Monaten begann mein Abenteuer in Kambodscha in Tonle Bati mit drei weiteren Freiwilligen aus Deutschland, die ebenfalls voller Erwartung zum ersten Mal nach Asien reisten. Durch die große Euphorie und die vielen neuen Erfahrungen flogen vor allem die ersten Monate flott an mir vorüber, sodass ich einiges ungewollt vernachlässigte. Tatsächlich dauerte es daher etwa drei Monate, bis ich den Großteil der Schüler auseinanderhalten und sie mit ihrem Namen ansprechen konnte. Inzwischen kenne ich jeden einzelnen Schüler und weiß, wer es von ihnen faustdick hinter den Ohren hat, weshalb auch die Unterrichtsstunden nicht mehr allzu chaotisch ablaufen wie zu Beginn meiner Zeit. Obwohl ich eigentlich derjenige sein sollte, der den Kindern etwas beibringt, waren es wohl eher die Schüler, von den ich am meisten lernte!

Ich muss jedoch eingestehen, dass es in diesem Jahr nicht nur positive Momente gab. Da waren Meinungsverschiedenheiten mit unserer Schulleiterin oder einfach Frustration, da ich keinen wirklichen Fortschritt im Lernprozess bei den Schülern wahrnehmen konnte. Hinzu kam, dass es hier auf dem Lande keine wirkliche Abendunterhaltung oder Freizeitmöglichkeit gibt, wodurch mir lange ein Ausgleich zur Arbeit gefehlt hat. Es gab eine Zeit, in der mein Tagesablauf daher lediglich aus Aufstehen, Unterrichten, Essen und Schlafen bestand. Oftmals war ich nach acht Stunden Unterricht zu müde, um mich fürs Sporttreiben zu motivieren, sodass ich auf Dauer leicht unzufrieden wurde.

Es besserte sich jedoch, als ich begann, mit den einheimischen Arbeitern der Schule sonntagsnachmittags Fußball zu spielen. Der Kontakt zu den Kambodschanern wuchs und mittlerweile ist ein tägliches Fußballspiel zwischen Freiwilligen und Arbeitern zum Ritual geworden. Bei diesen Spielen wird viel gelacht, aber auch um jeden Ball gekämpft, denn verlieren möchte schließlich keiner. Im Anschluss werden wir des Öfteren noch zu einem Bierchen eingeladen, womit der Tag einen gemütlichen Abschluss findet. Anfangs wurde sich dabei meist erst dann richtig unterhalten, wenn der Alkoholpegel stieg und Hemmschwellen überwunden wurden. Inzwischen ist unser Khmer und deren Englisch jedoch um einiges besser geworden, sodass es keines Alkohols bedarf, um sich ausführlich zu unterhalten. Vor allem diese Abende sind es, die uns wahrscheinlich am meisten einen Einblick in die kambodschanische Kultur gaben und für mich somit auch die schönsten und einprägsamsten des Jahres waren.

Aber den wohl größten Anteil daran, dass dieses Jahr mit Abstand das Beste meines bisherigen Lebens war, haben die mit mir gereisten Freiwilligen. Mit Inga, Joke und Lenny hatte ich ein Riesenglück, da wir uns auf Anhieb gut verstanden und inzwischen zu sehr guten Freunden geworden sind. Sei es auf unseren Reisen, oder den gemeinsamen Abenden in der Schule - durch sie hatte ich immer etwas zu lachen! 

Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass ich jedem empfehlen würde, ein Auslandsjahr dieser Art nach dem Abitur zu machen. Ich habe so viele neue Menschen und Freunde kennengelernt, durch die ich einen anderen Blickwickel auf verschiedene Dinge im Leben bekommen durfte, was mir sicherlich in Zukunft weiterhelfen wird. Auch das Leben in einer großen Wohngemeinschaft, mit Mitbewohnern aus verschiedenen Nationen und unter ganz anderen Standards, verdeutlichte mir nochmals in welchem Luxus wir in Deutschland leben.

Zu Kambodscha selbst kann ich nur sagen, dass man es definitiv mal erlebt haben muss und sich dafür genügend Zeit nehmen sollte. Durch das ledigliche Abklappern der größten Sehenswürdigkeiten in weniger als zwei Wochen entsteht oftmals ein falsches Bild dieses wundervollen Landes.

Nach den vergangenen zwölf Monaten werde ich Kambodscha mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Auf der einem Seite freue ich mich, nach dieser Zeit meine Familie und Freunde wiederzusehen, auf der anderen Seite muss ich mich aber auch von den neuen Freunden und dem Land auf unbestimmte Zeit verabschieden. (Moritz Rosemeier,29.7. 2017 )

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