"Klimaschutzfonds wird bestärkt weiterzumachen"

Interview mit Michael Koehn zur aktuellen Diskussion und den Auswirkungen von Greta Thunberg

in Leben in Wedel, Top-News

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Info-Aktionen wie die jährliche Solarrundreise mit der Besichtigung der Photovoltaik-Anlagen in Wedel, gehören zu den…
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Michael Koehn steht seit Jahren als engagierter Streiter für eine besse Umwelt an der Spitze des Vereins.
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Umwelt-Bildung für Kinder und Jugendliche wie hier bei einer Pflanzaktion an der Gebrüder-Humboldt-Schule ist dem Verein ein…
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Vernetzung ist wichtig: Mit vielen Umweltorganisationen wie hier dem Nabu arbeitet der Klimaschutzfonds bei Projekten…

Wenn alle ums Klima besorgten Bürgerinnen und Bürger Worten auch Taten folgen lassen wollen, müsste sich doch der Klimaschutzfonds Wedel vor Andrang eigentlich kaum retten können -  wie die Situation der Gruppe tatsächlich ist, die seit Jahren schon für jenes Thema eintritt, dass in diesem Jahr zum weltweiten Massen-Anliegen wurde, erläutert Vorsitzender Michael Kohn im Interview.

wedel.de: Herr Koehn, Klimaschutz ist derzeit in aller Munde, manche demonstrieren sogar dafür. Hat die Betroffenheit ums Klima auch Auswirkungen für den Klimaschutzfonds Wedel? Welche?

Michael Koehn: Ja, selbstverständlich. Greta Thunberg ist etwas gelungen, was viele Fachleute über viele, fast 40 Jahre, Jahre nicht geschafft haben. Sie hat den Fokus der Bevölkerung darauf gerichtet, dass wir Menschen nicht außerhalb der „Umwelt“ stehen, sondern ein Teil davon sind. Dass wir mit der Umwelt, also Pflanzen und Tieren, mit Meeren und Luft interagieren. Das schien in den vergangenen 150 bis 200 Jahren ganz gut funktioniert zu haben. Inzwischen zeigen uns aber Wissenschaftler weltweit, das dieses „Funktionieren“ nur scheinbar ist, dass nämlich die Folgen lange verdrängt wurden und nun – in Sicht auf den steigenden Meeresspiegel mag die Metapher fast zynisch wirken – das Fass am überlaufen ist.

Und darauf hat Grete hingewiesen. Und natürlich darauf, dass unsere Politiker viel zu lange die Warnungen der „Profis“ in den Wind geschlagen haben. Nun fordern – stellvertretend für viel mehr – hunderttausende Jugendliche ein entschiedenes Handeln. Von jedem einzelnen, besonders aber von den Entscheidern in Politik UND Wirtschaft. Und damit schließt sich der Kreis. Genau diese Forderungen, diese Warnungen verbreitet der Klimaschutzfonds seit seiner Gründung im Jahre 1996, also seit fast 23 Jahren.

Mit dem Blick auf die ersten Klimakonferenzen von 1995 (Berlin) und 1996 (Genf) hat der Wedeler Rat die Gründung des Klimaschutzfonds empfohlen. Die ersten Jahre standen sehr stark im Zeichen des 1997 folgenden Kyoto-Protokolls. Schon damals gab es einen kleinen Hype, der gegen die von Greta Thunberg ausgelöste „Friday-for-Future“-Bewegung (FFF) allerdings sehr bescheiden war.

Und, um auf die Frage zurück zu kommen: Ja, es zeigt uns, dass unsere Arbeit, die wir seit über 20 Jahren oft wie der einsame Rufer im Walde getan haben, richtig und wichtig war. Und es bestärkt uns, weiter zu machen, neuen Mut zu fassen – und vielleicht auch neue Wege zu beschreiten. Gerade die hier in Wedel auf Initiative des Klimaschutzfonds einstimmig angenommene Resolution zu „climate emergency“ zeigt, dass die gewählten Vertreter in der Ratsversammlung bereit sind, den Klimaschutz bei allen zukünftigen Entscheidungen stärker als bisher zu berücksichtigen. Da wird der Klimaschutzfonds natürlich am Ball bleiben und bei Bedarf deutlich nachfassen. Mit Sonntagsreden allein ist Klimaschutz nicht zu machen, genauso wenig wie mit Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger.

Warum schlägt sich der Trend nicht stärker in den Mitgliederzahlen nieder?

Wie viele Vereine und zum Beispiel auch Parteien oder Gewerkschaften leidet auch der Klimaschutzfonds seit Jahren unter dem Trend, dass sich Menschen heute mehr punktuell oder Projekt-bezogen engagieren möchten. Sie scheuen die langfristige „Verpflichtung“ einer Mitgliedschaft.

Zudem ist „Klima“ eben viele Jahre auch ein sehr abstraktes, als zu komplex empfundenes Thema gewesen. Es hat Menschen Angst gemacht, viele verdrängten Thema und Folgen in ihrem Alltag, es verunsichert sie. Das manifestiert sich ja auch heute vielfach in sozialen Medien, in denen Greta und andere „Klima-Bewegte“ verunglimpft und beschimpft werden – bis hin zu ernsthaften Drohungen.

Der Verein hat immer wieder – auch gut besuchte – Veranstaltungen mit bekannten Akteuren angeboten, um den Themenbereich „in den Köpfen“ der Wedeler zu fixieren. Daher können wir durchaus sagen, dass sich unsere Mitgliederzahl in den vergangenen ein-zwei Jahren sehr positiv entwickelt hat: Über 20 Prozent unserer derzeitigen Mitglieder sind in diesem Zeitraum zu uns gestoßen.

Warum ist der Klimaschutzfonds durch die Einstellung einer städtischen Klimaschutzmanagerin nicht überflüssig geworden?

Der Klimaschutzfonds hat, in Zeiten ähnlich knapper Kassen wie heute, mit einem erheblichen Teil seines Vereinsvermögens dafür gesorgt, dass unser Wedeler Klimaschutz-Konzept mit Leben erfüllt werden konnte. Ein Ergebnis war, dass die Stadt Frau Zippel als Klimaschutz-Managerin einstellen konnte.

Frau Simone Zippel macht eine ganz hervorragende Arbeit, die wir dort unterstützen, wo ein Verein beweglicher in der Entscheidung sein kann. Daher meinen wir, dass ein Miteinander von Verein und Managerin den Klimaschutz und die Arbeit dafür auf breitere Basis stellt. Zudem hat Kooperation in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass mehr Menschen erreicht wurden, als wenn nur ein städtisches Management oder nur ein gemeinnütziger Verein alleine aktiv wären.

 Und beim Klimaschutzfonds steht das Engagement für die Grundbildung der Schülerinnen und Schüler in den weiterführenden Schulen in Sachen Klimaschutz im Vordergrund. Dabei beteiligt sich der Klimaschutzfonds an Unterrichtsmodulen und stellt über die Stadtbücherei auch anderen die notwendige aktuelle weiterführende Literatur zur Verfügung.

Welche Aktionen plant der Klimaschutzfonds für die nächste Zeit?

Der Klimaschutzfonds hat sich immer als parteiunabhängige Einrichtung gesehen, in der ideologiefrei die sinnvollen Maßnahmen diskutiert werden. Darum werden wir die Einbindung der Wedeler Lokalpolitik über den Beirat des Klimaschutzfonds weiter fortsetzen und intensivieren.

Wir haben ja gerade, in enger Abstimmung mit den städtischen Beiräten und Klimaschutz-Managerin Simone Zippel, die „Resolution zur Ausrufung des Klimanotstandes“ im Rat eingereicht, der von allen Ratsmitgliedern –ohne Enthaltung– einstimmig beschlossen wurde.

Das sehen wir als deutliches Zeichen! Und als Symbol, dass wir das Bewusstsein für die Belange des Klima-und Umweltschutzes auch bei unseren Politikern verstärkt haben (wie es unsere Satzung fordert). Wenn jetzt die Ankündigungen der Parteien aus der Versammlung am 26. September realisiert werden, werden wir einen guten Schritt weiter sein, Wedel nicht nur zu einer Stadt mit frischen Wind, sondern auch mit „gutem Klima“ machen zu können – gemeinsam mit Politik und Verwaltung, mit den ortsansässigen Unternehmen sowie den Bürgerinnen und Bürgern.

Schwerpunkt beim Klimaschutzfonds wird immer das Engagement für die Klimabildung der Jugend sein, das wir, wie oben schon kurz erwähnt, natürlich fortsetzen. Da sind zu nennen die zwei-tägigen Klima- und Energieworkshops an den weiterführenden Schulen (für die wir im Rahmen der 4. Klimakonferenz ausgezeichnet werden). Oder die freien Klimakurse an einigen Schulen und die Verteilung der kleinen Bücher „Klima und Klimaschutz“ an alle Kinder zum Ende des vierten Schuljahres.

Daneben sehen wir die enge Verzahnung und Zusammenarbeit mit vielen Arbeitsgruppen der Initiative „Wedel im Wandel“ als einen wichtigen Aufgaben-Schwerpunkt für die kommenden Monate. Hier greift, im Wortsinn, so vieles ineinander: Umweltschutz, Tierwohl, Klima, Lebensqualität, um nur einige Punkte zu nennen. Nichts davon lässt sich alleine betrachten, alles hängt zusammen und ist voneinander abhängig.

Ergänzend könnte dabei auch ein weiteres spannendes Projekt drin sein, mit dem wir die Generation Smartphone für Klimaschutz begeistern wollen. Dazu können wir aber heute noch nichts verraten. Seien sie gespannt auf das kommende Jahr. (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 12.10.2019)

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