Kurt-Barnekow-Weg: Rolandstadt ehrt Wedeler Möbelfabrikanten

Karin Brennecke-Barnekow, die Frau des verstorbenen Wedeler Unternehmers, enthüllte im Beisein viele Gäste das Schild.

in Leben in Wedel

Karin Brennecke-Barnekow enthüllte im Beisein vieler Gäste das neue Schild des Kurt-Barnekow-Weges. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Karin Brennecke-Barnekow enthüllte im Beisein vieler Gäste das neue Schild des Kurt-Barnekow-Weges. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Karin Brennecke-Barnekow oblag es mit dem Durchschneiden des Bandes den Weg auch offiziell zu eröffnen. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Karin Brennecke-Barnekow oblag es mit dem Durchschneiden des Bandes den Weg auch offiziell zu eröffnen. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Viele Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Vereinen, Verwaltung und privaten Initiativen waren gekommen um mit Karin Brennecke-Barnekow und Bürgermeister Niels Schmidt die Eröffnung des Kurt-Barnekow-Weges zu würdigen. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Viele Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Vereinen, Verwaltung und privaten Initiativen waren gekommen um mit Karin Brennecke-Barnekow und Bürgermeister Niels Schmidt die Eröffnung des Kurt-Barnekow-Weges zu würdigen. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Karin Brennecke-Barnekow übergab einen symbolischen Scheck an Bürgermeister Niels Schmidt (rechts), mit dem die KUBAH-Stiftung zehn Wedeler Einrichtungen mit jeweils 2.000 Euro unterstützt. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Karin Brennecke-Barnekow übergab einen symbolischen Scheck an Bürgermeister Niels Schmidt (rechts), mit dem die KUBAH-Stiftung zehn Wedeler Einrichtungen mit jeweils 2.000 Euro unterstützt. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Zusammen mit Bürgermeister Niels Schmidt weihte Karin Brennecke-Barnekow den Kurt-Barnekow-Weg mit einem kleinen Spaziergang ein. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Zusammen mit Bürgermeister Niels Schmidt weihte Karin Brennecke-Barnekow den Kurt-Barnekow-Weg mit einem kleinen Spaziergang ein. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Kurt Barnekow. Foto: KUBAH-Stiftung
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Kurt Barnekow. Foto: KUBAH-Stiftung

Seine Geschäftsidee: wegweisend.  Sein Erfolg: phänomenal. Der Wedeler Möbelfabrikant Kurt Barnekow legte in den 1950er Jahren eine Wirtschaftswunder-Erfolgsgeschichte hin, die auch die Rolandstadt selbst in ganz Deutschland bekannt machte. Nun ehrt Wedel den Unternehmer mit der Benennung eines neuen Weges nach ihm. Der Kurt-Barnekow-Weg führt vom Fritz-Hörnig-Weg parallel zur neuen Hanna-Lucas-Straße westwärts kreuzt den Steinberg und führt durch den Grünzug in nordwestlicher Richtung bis zum Spielplatz am Goldregenweg. In einer kleinen Feierstunde enthüllte die Frau des 1998 verstorbenen Unternehmers, Karin Brennecke-Barnekow, das neue Wegenamensschild.

Barnekow-Möbel im Video: "museumsreif" Spezial: KUBAH-Sounds ((Achtung: Wenn Sie diesem Link folgen verlassen sie die Plattform www.wedel.de und werden auf die Plattform YouTube mit den dort geltenden Datenschutz-Standards weitergeleitet.)

Die Benennung des Weges im neuen Altstadtquartier nördlich des Johann-Rist-Gymnasiums war bewusst mit einem schönen Jahrestag verbunden worden: Die KUBAH-Stiftung, die 2001 von Karin Brennecke-Barnekow mit einem Vermögen von einer Million DM (511.000 Euro) ins Leben gerufen wurde, hat seit nunmehr 20 Jahren mehr als 160 soziale Projekte mit 240.000 Euro gefördert. Seit dem Eintritt von Thomas Gollub in den Stiftungsvorstand im Jahre 2015 werden größtenteils Wedeler Organisationen unterstützt. Inklusive des heutigen Betrages sind dann über 60.000 Euro direkt in die Rolandstadt geflossen. Trotz aller Förderungen verfügt die Stiftung immer noch über ein Vermögen von knapp 600.000 Euro und wird auch zukünftig weiterhin gute Dinge tun.

Zur Einweihung Kurt-Barnekow-Wegs und zum Stiftungsgeburtstag gab Karin Brennecke-Barnekow bekannt, dass die Stiftung in diesem Jahr insgesamt 20.000 Euro (jeweils 2.000 Euro pro Einrichtung) an folgende Wedeler Einrichtungen stiftet:

Die übrigen zwei mal 2.000 Euro, für die Bürgermeister Niels Schmidt und der Wedeler Bauunternehmer Joachim Rehder jeweils weitere Initiativen und Einrichtungen als Empfänger benennen durften, überweist die KUBAH-Stiftung an den Förderverein der Feuerwehr Wedel (auf Vorschlag von Bürgermeister Schmidt) und an WEKI Wedeler Kinder in Not (auf Vorschlag von Joachim Rehder).

Bürgermeister Niels Schmidt bedankte sich im Rahmen der Feierstunde im Namen aller Spendenempfängerinnen und –empfänger bei Karin Brennecke-Barnekow für das herausragende Engagement der KUBAH-Stiftung für das soziale und kulturelle Leben in der Rolandstadt.

In einer kurzen Rede am neuen Kurt-Barnekow-Weg verriet Karin Brennecke-Barnekow, dass ihr verstorbener Mann schon zu Lebzeiten die Idee hatte, eine Stiftung zur Unterstützung von Waisen ins Leben zu rufen, da er selbst zeitlebens seine eigene Elternlosigkeit nie ganz hatte verwinden können. Nach seinem Tod habe sie es deshalb als einen Auftrag verstanden diese Idee mit der Gründung der KUBAH-Stiftung in die Tat umzusetzen.  

 

Hintergrund Kurt Barnekow/KUBAH-Stiftung

Der am 9. April 1910 in Altona geborene Kurt Barnekow hatte stets ein Herz für seine Mitmenschen und insbesondere jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Seine christliche Prägung und wohl auch sein eigenes Schicksal mit dem Erlebnis, dass er bereits im Alter von sieben Jahren seine Eltern verlor, sind die Wurzeln dafür, dass er sich später als erfolgreicher Unternehmer seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellte. Er ließ andere an seinem Erfolg teilhaben – durch die von seiner Frau Karin Brennecke-Barnekow gegründete KUBAH-Stiftung auch über den Tod am 25. März 1998 hinaus.

 

Wer war Kurt Barnekow?

Unternehmerischer Weitblick, aber auch enorme Beharrlichkeit zeichneten den Kaufmann Kurt Barnekow aus. Dieser suchte 1947 nach einem neuen Standort um Großes zu vollbringen und wurde in Wedel fündig. Während in der Stadt die Schäden der zahlreichen Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges noch nicht vollständig beseitigt waren und die Bewohner dichtgedrängt in Baracken wohnten, plante er hier seine Fabrik. Von langer Hand vorbereitet schuf er eine gute Geschäftsbasis zum Wedeler Bürgermeister Heinrich Gau. Diesem lag die Industrieansiedlung sehr am Herzen, versprach sie doch weitere Arbeitsplätze. Und die waren vonnöten für die durch den Zuzug von Flüchtlingen und Hamburger Bombenevakuierten auf die doppelte Einwohnerzahl angewachsene Kleinstadt. Nach Versorgungsengpässen im Hungerwinter, dem Warten auf kriegsgefangene Männer hofften die Menschen auf eine bessere Zukunft. Barnekow versprach den Aufbruch in neue, schönere Zeiten – und er konnte das Versprechen letztlich halten. Am Stadtrand des Ortes, gleich an der Stadtgrenze zu Hamburg, erstellte er großzügige Produktionsstätten, in denen seine Formholz-Möbel hergestellt werden konnten.

Das Grundstück, das Kurt Barnekow für die Fabrik ausgewählt hatte, lag direkt zwischen der Eisenbahnlinie und der Rissener Straße. Er erwarb es vom Gutsbesitzer des Haidehofes, Walter Hardt. Barnekow erinnert sich an seinen ersten Eindruck, als er des Geländes erstmals ansichtig wurde: „Sand mit Bombentrichtern, ein E-Hochspannungsmast, zur Aue hin Bahngleise, sonst nichts, wie eine Steppe.“ Diese Steppe für einen Industriebetrieb „urbar“ zu machen, war eine Herausforderung, denn die Infrastruktur mit Kanalisation, Zuwegung und Wasserversorgung musste zunächst geschaffen werden. Dabei konnte er sich der Hilfe des Bürgermeisters gewiss sein, der ihm zumeist wohlwollendes Verständnis entgegenbrachte.

Ab April 1949 nahm er die Produktion von Möbeln in einer Groß-Serien-Produktion auf. Und wurde damit Fabrikant für die Verwirklichung von Nachkriegsträumen. Die von ihm geschaffene Möglichkeit, die Finanzierung der Möbel über Teilzahlung bis auf 18 Monatsraten zu bewerkstelligen, kurbelte die Produktion an. Flankiert von ausgeklügelten Marketing-Strategien, der Erstellung von Werbefilmen oder dem gezielten Platzieren von Werbeanzeigen, schuf er weitere Anreize. Schließlich wollte ein moderner Haushalt auch moderne Möbel. Auch als sich Ende der 1950er Jahre der Trend in Richtung Teppiche ausdehnte, sprang Barnekow schnell in dieses Geschäft ein.

Für die Stadt Wedel war Kurt Barnekow und sein Werk ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Er brachte Arbeitsplätze, er zahlte Gewerbesteuer. Die Festumzüge bei Stadtfesten wurden bereichert durch geschmückte KUBAH-Lastwagen, Mitarbeiter organisierten sich in der KUBAH-Fußballmannschaft und konnten zeitweilig in dem zum Schwimmbecken ausgebauten Feuerlöschteich planschen. Nicht alle waren damit dauerhaft zufrieden. Ende der 1950er und in den 1960er Jahren kam es zu gravierenden Problemen mit dem Betriebsrat, die sich in öffentlichen Protesten ausdrückten.

Ende der 1960er Jahre stagnierte der Umsatz der Möbel-Fabrik KUBAH, hinzu traten Schwierigkeiten mit Großabnehmern. Kurt Barnekow zog die richtigen Konsequenzen daraus. Er stellte zum 1. August 1970 die Möbel-Produktion ein und eröffnete ein Jahr später das KUBAH Kaufkraft Einrichtung-Center an der Rissener Straße. Es sollte den Grundstein des späteren Fachmarktzentrums bilden.

(Text: Stadtarchiv Wedel, Anke Rannegger)

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