Mandelzweig: Ein Verein, der Hoffnung gibt

Wedeler Verein „Mandelzweig-Projekthilfe“ setzt sich seit 2013 dafür ein, Entwicklungsprojekte in Indien zu fördern. Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei die Hilfe für Tagelöhnerfamilien auf Teeplantagen.

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Daniel Kiwitt (v.links), Janine Peters und Tobias Kiwitt von dem Verein "Mandelzweig" engagieren sich seit sieben Jahren für indische Tagelöhnerpflückerfamilien in Assam.
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Daniel Kiwitt (v.links), Janine Peters und Tobias Kiwitt von dem Verein "Mandelzweig" engagieren sich seit sieben Jahren für…
Auf den vielen Teeplantagen in Assam wird zumeist noch von Hand gepflückt.
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Auf den vielen Teeplantagen in Assam wird zumeist noch von Hand gepflückt.
Vor allem Frauen arbeiten auf den Teeplantagen in Tarajuli im Nordosten Indiens.
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Vor allem Frauen arbeiten auf den Teeplantagen in Tarajuli im Nordosten Indiens.

Die “Teetied” ist, wie es auf platt heißt, in vielen Haushalten in Norddeutschland ein wichtiges alltägliches Ritual geworden. Schwarztee wird wegen seines würzigen Geschmackes geliebt. Doch es ist ein Genuss mit Reue, der einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, wenn wir auf die Produktions- und Lebensbedingungen der meisten Pflücker schauen.

Genauso erging es vor rund acht Jahren dem damaligen Theologiestudenten Daniel Kiwitt, der für ein Kirchenprojekt Assam im Nordosten Indiens bereiste und die Lebensbedingungen der Menschen kennen lernte. Was er dort sah, entsetzte ihn.

„Die Familien der Arbeiter leben auf dem Land der großen Companies. Sie hausen in dunklen Lehm- oder Strohhütten ohne Wasser- und Stromanschluss. Es gibt weder Betten noch irgendwelche Sanitäranlagen. Die Frauen arbeiten zumeist auf den Feldern, da sie anders als die Männer, laut dem Gesetzgeber, kein Essensgeld für die Familie zusätzlich erhalten. Sie verdienen umgerechnet nur rund zwei Euro am Tag für ihre schwere Arbeit. Als Folge hungern die Menschen und haben fast nur Tee und Reis als Lebensmittel“, erläutert der Mandelzweig-Vereinsvorsitzende.

Unterversorgt und ohne frisches Trinkwasser erkranken viele an Cholera oder Gelbfieber. Viele Frauen klagen zudem über mangelnde Schutzmaßnahmen vor den ausgesprühten Pestiziden auf den Feldern.

Berührt von dem Schicksal der Menschen, entschlossen sich dann im Jahre 2013 sieben studentische Freunde in Wedel, einen Verein zu gründen, der Etwas zur Verbesserung der Lebensbedingungen tun wollte. Ziel war und ist es mit örtlichen Projektpartnern zum Beispiel der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Assam (AELC) „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. So stellte eine Kirchengemeinde Land zur Verfügung, auf der eine durch das Dorf selbst bewirtschaftete Teeplantage entstand. In Assam leben viele Familien als Tagelöhner auf den Teeplantagen großer Unternehmen und arbeiten weitgehend ohne Arbeitsschutz, Krankenversicherung und Rentenversicherung und in großer Armut. Das dörfliche Teefeld soll deshalb zu einer Unabhängigkeit der Tagelöhner-Familien führen. Geplant ist, mehrere Teefelder zu einer Genossenschaft zusammen zu führen, die von der Dorfbevölkerungen selbst getragen wird.

Zudem achten „Mandelzweig“ und ihre Partner darauf, dass die Mitarbeiter ein Coaching zum Teeanbau bekommen, sodass die kleinen nachhaltig und ökologisch bewirtschafteten Plantagen auch gute Erträge erzielen können, die dann auch den Menschen zugute kommen.

„In den letzten Jahren konnten wir Schritt für Schritt kleine Projekte mit unseren indischen Partnern anschieben und zum Teil sogar abschließen. Ein Bau von 16 Klassenräumen, von einer Sanitäranlage in einer Schule, einer „Sozialen Teeplantage“ oder ein Aufforstungsprojekt wurden unter anderem schon realisiert. Aber auch die Gründung eines „Lettercrossingprogramms“ zum Aufbau von indisch-deutschen Schülerbrieffreundschaften gehört dazu. Das neueste und zentrale Projekt ist der Umbau und Ausbau von Gebäuden, zu einer genossenschaftlichen Teefabrik in Assam. Dort soll die Rohware dann verarbeitet und für den Versand verpackt werden“, erklärt der Wedeler Rechtsanwalt und Mitgründer des Vereins Tobias Kiwitt.

Wer sich für Tee und diese Veränderungen in der Produktion interessiert, kann in Rangapara ein Tee-Informationszentrum besuchen und dort auch in einem Gästehaus nächtigen. Das fördert die Transparenz und unterstützt auch den nachhaltigen Tourismus in Assam. Hier in Wedel bietet der Verein eine Wanderausstellung über die Produktion von Tee in Nordostindien an, die derzeit in der VHS zu besichtigen ist und jederzeit unter anderem an Schulen und Vereine ausgeliehen werden kann.

Angesprochen auf den ungewöhnlichen Namen des Vereins, erklärt Diakon Daniel Kiwitt: „In dem Gedicht „Das Zeichen“ von Schalom Ben-Chorin beschreibt der Autor einen Mandelzweig, der immer wieder im Frühling blüht und treibt und Hoffnung gibt. Das möchten die mittlerweile zwanzig Vereinsmitglieder auch, zum Beispiel den Pflückerinnen in Assam Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Das kann gelingen, wenn sich mehr Menschen finden, die Geld spenden und aktiv im Verein mitarbeiten.“

Da „Mandelzweig-Projekthilfe e.V.“ auf Spendengelder angewiesen ist, hat der Verein dazu auch einen Spendenshop online gestellt. Wer Lust hat, etwa Teestauden für die Teegenossenschaft zu spenden, kann dies unter www.spendenshop-mandelzweig.de tun.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, findet alle Informationen dazu auch unter: www.mandelzweig-projekthilfe.de

(Wolf-Robert Danehl, kommunikateam, 17.08.2020)

 

 

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