Mit Herz und Hand für junge Familien

Familienbildungsstätten und andere Initiativen unterstützen (werdende) Eltern in der schweren Zeit der Pandemie - trotz gekürzter Fördermittel

in Leben in Wedel, Top-News

Zwei Frauen lächeln in die Kamera
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Katharina Parbst-Keil (l.) und Urte Brandt kümmern sich für die Familienbildung Wedel um die Aufgabe „Frühe Hilfen". Fotos: Familienbildung Wedel
Das Logo der Initiative Herz und Hand mit bunten Schriftzug und rot-grünem Herz
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Das Logo des Projekts Herz und Hand.
Junge Familien mit Babys und Kleinkindern sitzen sommerlich gekleidet auf einer Wiese
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Sobald die Pandemie-Auflagen es wieder zulassen, wird es wieder Baby-Picknick im Park geben.

Ein Baby zu bekommen, ist für werdende Eltern ein freudiges, aufgrund der Corona-Pandemie seit über einem Jahr jedoch ein eher einsames Ereignis. Auch nach der Geburt ändert sich dies kaum. Die Kooperation Familie+Bildung+Soziales und die Angebote der Frühen Hilfen versuchen hier entgegenzuwirken und beraten und unterstützen Schwangere und junge Familien im Kreis Pinneberg.

Keine Geburtsvorbereitungskurse, keine Baby-Besuche für die stolzen Eltern, kein Mütterfrühstück oder Still-Café – in der Corona-Pandemie sind Schwangere und Familien mit Babys vor allem auf sich selbst gestellt. Dadurch fehlen nicht nur die Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und andere Familien im gleichen Lebensabschnitt kennen zu lernen. Auch der Erfahrungsaustausch und die Weitergabe von Informationen gehen verloren – und das nun schon seit mehr als einem Jahr.

Die Problematik beginnt schon vor der Geburt und in der Entbindungsklinik, berichten die Mitarbeiterinnen des Frühe-Hilfen-Angebots „Herz und Hand“. Die belastenden Vorschriften in den Krankenhäusern können zu einer frühen Entlassung der jungen Mutter führen und zu Hause fehlt dann die Hebamme. Denn der akute Hebammenmangel wirkt sich in dieser Zeit noch einmal besonders negativ aus.

Verunsichernd kommen die Befürchtungen in Bezug auf eine Infektion hinzu: Was passiert, wenn ich als Mutter an Corona erkranke und einen schwerwiegenden Verlauf habe? Wer kümmert sich dann um mein Baby? Kann mein Baby auch an Corona erkranken? Aus Angst vor einer Infektion werden oft auch die Kontakte zur eigenen Familie reduziert. Also fehlen neben der Hebamme auch die Großeltern mit Rat und Tat.

Hilfe für Schwangere und junge Familien bieten im Kreis Pinneberg die Familienbildungsstätten und die Mitarbeiterinnen von Herz und Hand sowie wellcome. In der Familienbildung Wedel e.V. zum Beispiel steht jeden Montagvormittag eine Hebamme im Online-Treffpunkt für Fragen zur Verfügung. Sobald es möglich ist, wird es wieder Baby-Picknicks im Park oder Mini-Gruppen mit gesichertem Hygiene-Konzept in den Einrichtungen geben, wie Gudrun Gaden, Leiterin der Evangelischen Familienbildung Pinneberg mitteilt. Herz und Hand in Elmshorn ist im Kontakt mit den Familienzentren in Elmshorn und leitet Angebote an die angebundenen Familien direkt weiter. „Wir haben auch schon einzelne Mütter untereinander vernetzt“, berichtet Leila Vogel, Mitarbeiterin der menschen.Kinder gGmbH in Elmshorn.

Das Ziel dabei ist, der Isolation und Einsamkeit der jungen Familien soweit wie möglich entgegen zu wirken und den Kleinkindern zu ermöglichen, andere Kinder kennen zu lernen. „Die jüngsten Kinder sind aus unserer Sicht sehr stark von dem Pandemiegeschehen betroffen, denn ihnen fehlt es am Lernen untereinander sowie dem sozialen Umgang miteinander. Sie kennen kaum andere Kinder und lernen fremde Erwachsene nur mit Maske kennen. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies bei der Eingewöhnung in der Kindertagespflege oder der Krippe auswirken wird“, sagt Sabine Görs, Kreis- Koordinatorin Herz und Hand.

STATISTIK 2020

Die Nachfrage nach Unterstützung durch die Herz-und-Hand-Mitarbeiterinnen ist groß. In 2020 wurden 534 Familien im Kreis betreut, das entspricht einer Steigerung um fast zehn Prozent im Vregleich zum Vorjahr, und für 2021 rechnet die Koordinatorin mit einem gravierenden Anstieg beim Hilfebedarf, sobald die Lockerungen dazu führen, dass die Familien in die Beratungsstellen kommen können.

In der Statistik des Frühe Hilfen-Angebots werden interessante Daten ermittelt: So waren 25 Prozent der jungen Familien auf Wohnungssuche und mehr als 30 Prozent hatten keinen Betreuungsplatz für ein Kind. Dies wirkte sich besonders negativ bei den Familien mit Migrationshintergrund aus, denn die Mutter konnte dadurch keinen Integrations- oder Sprachkurs besuchen.

Neben den Fachkräften, Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie Familienhebammen, waren in 2020 in dem Projekt 63 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz. Diese Zahl sank im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus.

Die Finanzierung des Frühe Hilfen-Angebots im Kreis wurde im Jahr 2021 um etwa 40.000 Euro gekürzt. Erschwerend kommt nach Auskunft der Familienbildungsstätten hinzu, dass Landesmittel aus dem Schutzengel-Projekt für Gruppenangebote für psychisch belastete Mütter und eine spezielle Beratungssprechstunde für Neuzugewanderte nicht mehr zur Verfügung stehen. (Michael Rahn, Kommunikateam GmbH, 21.5.2021)

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