Orientierungsfreiheit in Wedel: Straßenschilder für Sehbehinderte

Die Rolandstadt wird dank eines einzigartigen Pilotprojektes die erste Stadt in der Bundesrepublik sein, in der sich Sehbehinderte nicht mehr verlaufen werden, da alle Straßen der Stadt mit einer zusätzlichen Beschilderung für Sehgeschädigte ausgestattet wird.

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Erfolg des Projektes: Peter Gottschalk (v.links), ASB Regionalverband Pinneberg/Steinburg, Joachim Rehder, Bauunternehmer und Rotarier, Marie-Luise und Volker König, Erfinder und Initiator, Wolfgang Rüdiger, SPD Ratsherr der Stadt Wedel und Magdalene und Gernot Hintze, Mitglieder des ehemaligen Vereins "Ohrring".
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Erfolg des Projektes: Peter Gottschalk (v.links), ASB Regionalverband Pinneberg/Steinburg, Joachim Rehder, Bauunternehmer und…
Volker und Marie-Luise König haben viel Zeit und Kraft in die Realisierung der kleinen blauen Orientierungshelfer für Sehbehinderte gesteckt.
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Volker und Marie-Luise König haben viel Zeit und Kraft in die Realisierung der kleinen blauen Orientierungshelfer für…

Die kleinen blauen Straßennamenschilder mit weißer Aufschrift aus Aluminium sind schraubenmutternartig in einer Höhe von 1,40 Metern zusätzlich an den Masten für die traditionellen Straßennamenschilder angebracht. So können Menschen mit Sehbehinderung nahe herantreten und die Namen zum Beispiel mit einer Lupe lesen oder die einzelnen Lettern ertasten. Der Verlauf - bei langgezogenen Straßen - ist durch einen zusätzlichen Pfeil in Richtung der zunehmenden Hausnummern gekennzeichnet.

Seit 2012 kämpft Volker König, der Erfinder dieser Orientierungshilfe für die Realisierung dieses einmaligen Projektes. Nun konnte der Initiator, der seit Jahren vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Regionalverbund Pinneberg/Steinburg unterstützt wird, der Öffentlichkeit verkünden, dass die noch fehlenden Fördermittel für die restlichen 253 Straßennamensschilder überwiesen wurden und so die Schilder bestellt und anschließend vom Bauhof montiert werden können.

König ist in Folge einer Diabeteserkrankung kurz nach seinem Staatexamen zum Ingenieur für physikalische Technik im Jahre 1968 erblindet. Der heute 75-jährige Wedeler tüftelt schon seit vielen Jahren an verschiedenen Erfindungen zur sozialen Integration behinderter Mitbürger und wird immer wieder durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse inspiriert. Neue Orte besucht der Ingenieur nur mit seiner Frau Marie-Luise, die Ihn bei all seinen täglichen Aufgaben unterstützt. Als sie wieder einmal auf Reisen waren und eine neue Stadt erkundschafteten, hatte ein Freund, der ein Restsehvermögen besitzt, seine große Mühe die Straßennamen zu identifizieren.

"Daraufhin kletterte er einfach am rund 2 Meter 50 hohen Mast hoch, um den Straßennamen zu lesen und da kam mir die Idee der kleinen Zusatzschilder, die in einer auch für Rollstuhlfahrer angemessenen Höhe angebracht sein sollten und wir haben bewusst auf Blindenschrift verzichtet, da überhaupt nur noch zehn Prozent der Betroffenen die Brailleschrift beherrschen", erklärte der engagierte Rolandstädter.
Unermüdlich verfolgte er sein Ziel. Auf dem Weg dahin musste er so manches Hindernis überwinden. Einige Gewerke mussten miteinander kooperieren.

Die Herstellerfirma 3D-Formenbau aus Harrislee fertigte den Prototypen an. Eine Behindertenwerkstatt, die Mürwiker, bei Flensburg war dann für den Bau zuständig, benötigte aber eine Mindestabnahmezahl für die blau-weißen Orientierungshelfer, um die Produktion mit den Maschinen rentabel zu gewährleisten. Anschließend wurden die Aluminiumrohlinge noch in einer Autowerkstatt lackiert. Immer wieder wäre das Projekt auch fast an der Finanzierung gescheitert. Aber durch großzügige und flexible Spender konnte es weiter gehen. Volker König und seine Mitstreiter dankten unter anderem der Stadtsparkasse Wedel, Rehder Wohnungsbau, dem Verein Ohrring aus Flensburg, Medac, der Stadt Wedel, der SPD-Fraktion und zuletzt auch der Landesregierung, die das Projekt für würdig erachtete aus einem Förderprogramm für investive Maßnahmen zur Beseitigung von Barrieren den fehlenden Anteil zu erhalten.

Hilfreich war auch eine Preissenkung und ein Entgegenkommen von 3D-Formenbau. Ursprünglich kostete ein Schild 196 Euro, dann 154 Euro und zuletzt gab es ein Angebot von 130 bis 118 Euro, je nach Breite des Schildes, da auch die Masten, an denen sie befestigt werden, eine unterschiedliche Dicke aufweisen.
Besonders freute sich der Ingenieur über die tatkräftige Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ASB, die ihm bei den komplizierten Formularen zur Seite standen und offiziell als Antragssteller zur Verfügung standen, da eine Einzelperson nicht förderungsberechtigt ist.

Dieses Projekt kann ein Vorbild für viele andere Gemeinden in der ganzen Bundesrepublik werden. Von Volker König wird, so hoffen viele Wedeler, in der Zukunft noch so manche Innovation zur Barrierefreiheit zu erwarten sein. (Wolf-Robert Danehl, kommunikateam, 20.11.19)

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