Professor Krasemann verstorben

Er war der Motor der Wiederaufbaus des Kirchturms in der Altstadt - er wurde 90 Jahre alt

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Der Wiederaufbau des Kirchturms istb zum großen Teil ihm zu verdanken: Professor Ernst-Otto Krasemann

E.O. wurde er kurz und knapp von vielen genannt - aber in diesen zwei Buchstaben kam so viel Respekt zum Ausdruck, wie man es auch in Brockhaus-Länge nicht formulieren könnte. E.O. steht für Ernst-Otto _ es sind ie Vornamen von Professor Dr. med. Krasemann, der durch sein Wirken sowohl das Wedeler Stadtbild als auch - was vielleicht noch mehr zählt - das Gemeinschaftsgefühl in Wedel geprägt hat. Seine Funktion: Vorsitzender des Vereins für den Wiederaufbau des Kirchturms am Roland - seine erfolgreich beendete Mission: der Stadt ein Stück Identität zurück geben.

Nach seiner erfolgreichen Karriere als Mediziner mit Schwerpunkt Herzerkrankungen engagierte sich der aus Schwerin stammende Professor Krasemann für das Ziel in seiner neuen heimatstadt Wedel, den 1943 im britischen Bombenhagel zerstörten Turm der Kirche am Roland, die vor wenigen Jahren den Namen Immanuelkirche erhielt, wieder aufzubauen.

Im Jahre 1997 wurde der Verein für den Wiederaufbau gegründet, um das Notdach aus den 1950er Jahren wieder durch einen von weither sichtbaren Turm zu ersetzen, wie er die Stadt Jahrhunderte langgeprägt hatte. Dass 13 Jahre später dieser große Traum Wirklichkeit geworden war, ist zu einem Großteil Professor Krasemann zu verdanken. Seit 2001 stand er an der Spitze des Vereins und machte sich als charmanter, überzeugender, kreativer und, wenn es notwendig war, hartnäckiger Spendensammler einen Namen. Er iniitiierte Konzerte, Lesungen und vor allem ging er "Klinken putzen" und "kam hinten wieder rein, wenn ich vorn rausgeschmissen wurde", wie er oft verschmitzt erzählte. Im Rahmen der Sammlung für den Turmhelm entstanden am Rande, auch selbst Wert an sich sind und  bewahrt werden müssen, weil sie zeitgeschichtliche Dokumente sind, wie beispielsweise das "Goldene Spendenbuch" in dem Bürgerinnen und Bürger ganz persönliche Motive für ihr Mitwirken nennen konnten. Rund 450.000 Euro kamen von Firmen, Privatleuten, der Kirche und anderen Institutionen zusammen - die restlichen 450.000 Euro für den Bau übernahm die Stadt.

Doch mindestens ebenso wichtig  war, dass es Professor Krasemann gelang, viele, viele Wedeler für das gemeinsame Ziel zusammenzuschweißen und "Teamgeist" für die Sache herzustellen - und das trotz vieler Mäkler und Kritikaster. Über den Kirchturm wurde auch ein großes Stück Wedeler Identität neu belebt. Ob man es nun Lokalpatriotismus oder Heimatgefühl nennt - wichtig ist, dass das Projekt viele Bürgerinnen und Bürger näher zueinander gebracht hat.

"Diese Lebensleistung verdient höchste Anerkennung. Trotz seines hohen Alters und mancher gesundheitlicher Probleme hat er mit eiserner Disziplin das große Ziel verfolgt - freundlich im Ton, gleichwohl energisch und argumentativ", sagte Wedels Bürgermeister Niels Schmidt.

Professor Krasemann hinterlässt seine Ehefrau Carmen, drei Kinder und neun Enkel. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 11. September, ab 11 Uhr in der Immanuelkirche am Roland statt. Statt Blumen sind Spenden für die Initiative WeKi - Wedel für Kinder erwünscht. (Jörg Frenzel/kommunikateam, 6.9.2014)

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