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Schwere Zeiten für ambulante Pflegekräfte und Therapeuten

Ambulante Pflegedienste und therapeutische Dienstleister sind in der Pandemie besonders gefordert

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Peter Schilling, Leiter des AWO-Teams, steht neben einem Auto des ambulanten AWO-Pflegeteams.
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Peter Schilling und sein AWO-Team versorgen etwa 80 Menschen in der Region, damit sie zu Hause leben können. Foto: Danehl/Kommunikateam
Altentherapeutin Nina Berg betreut hilfsbedürftige Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.
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Altentherapeutin Nina Berg betreut hilfsbedürftige Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.

Zum Beginn der Coronazeiten wurden Pflegekräfte und Therapeuten von der Politik als systemrelevant eingeordnet. Ohne die "Pflegeengel", wie sie mitunter bezeichnet werden, wären viele Angehörige überfordert. Denn nur durch die verlässliche Entlastung, kann der Alltag in den Familien funktionieren. Dabei gibt es fünf unterschiedliche Pflegegrade, die sich nicht mehr wie früher, bei den Pflegestufen nach dem zeitlichen Aufwand richten, sondern sich am Grad der Selbstständigkeit der Betroffenen orientieren. Einige der Patienten werden stationär in festen Einrichtungen und andere können noch ambulant versorgt werden. So können viele in ihrer häuslichen Umgebung verbleiben. Wir haben zunächst einmal den Blick auf zwei Wedeler Unternehmen mit verschiedenen Schwerpunkten gerichtet und nachgefragt, wie die derzeitige Situation ist.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) betreibt in Wedel ein Wohn- und Servicezentrum an der Rudolf-Breitscheid-Straße. Dort gibt es nicht nur ein stationäres Angebot, sondern es ist auch die Zentrale eines ambulanten Teams von 15 Pflegerinnen und Pflegern, die mittlerweile in der Region 80 Menschen zu Hause versorgen. Seit 2008 leitet Peter Schilling diese Einrichtung. "Wir haben die Coronazeit bislang gut überstanden. Ausreichend ausgestattet mit Masken, Antigenschnelltests, Handschuhen, Visieren und Schutzkitteln sowie anderem medizinischen Equipment konnten wir alle hygienischen Vorschriften gut einhalten. Zudem besteht unser durchgeimpftes Team aus sehr erfahrenen Pflegerinnen und Pflegern, die zum Teil schon 15 Jahre bei uns sind und die harmonisch miteinander arbeiten", erläutert der gelernte Pfleger.

Diese Kontinuität kommt, laut Schilling, auch gut bei den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen an. Es hat sich ein Vertrauensverhältnis der alten Menschen zu den AWO-lern aufgebaut. Viele Senioren brauchen eben nicht nur jemanden, der sie wäscht, anzieht und versorgt, sondern auch den menschlichen Kontakt, der sich für viele Senioren in der Pandemie reduziert hat. Vor allen Dingen die Alleinstehenden betrifft es stark. Sie freuen sich über die täglichen Gespräche, ohne die sie noch mehr vereinsamen würden.

"In diesem Beruf geht es eben nicht nur um eine routinierte pflegerisch-hauswirtschaftliche Versorgung. Unser erfahrenes Personal besitzt Empathie und Einfühlungsvermögen", stellt der Einrichtungsleiter fest. Allerdings hätten die "Serviceengel" gern mehr Zeit, um auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen noch mehr eingehen zu können. Denn, so Schilling, das "Verordnungswesen ist formal sehr umständlich. Es kostet viel Zeit, dies mit den Kassen abzurechnen. Natürlich hätten wir stattdessen lieber mehr Zeit für unsere Pflegekunden“.   

Aber nicht nur die Versorgung und Pflege sind wichtige Faktoren, um auch im Alter und bei einsetzender Demenz ein menschenwürdiges und zufriedenes Leben führen zu können. Manchmal braucht es einen Menschen wie Nina Berg, die den Senioren wieder neue Lebensfreude und eine Erfüllung im Alltag gibt. Die 48-jährige Altentherapeutin aus Hetlingen betreut ambulant hilfsbedürftige Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Das wurde vor zwei Jahren mit dem Beginn der Pandemie schwierig.

"Während der ersten Coronawelle gingen trotz eines guten Hygienekonzeptes und aller Vorsichtsmaßnahmen die Aufträge fast auf null zurück. Die Angst und Vereinsamung der Betroffenen wuchs, das gesellschaftliche Leben ging verloren und der gesundheitliche und seelische Verfall nahm zu. Glücklicherweise hat sich das mittlerweile gegeben, und das Vertrauen ist wieder da. Ich darf die Menschen wieder im Alltag betreuen und kann ihnen helfen", erklärt die seit acht Jahren selbstständige Altentherapeutin.

Ninna Berg geht mit den Seniorinnen und Senioren unter anderem Einkaufen, trainiert das Gedächtnis durch anregende Aktionen, liest ihnen vor, übt Sturzprophylaxen. "Viel Spaß macht meinen Senioren auch das Tanzen im Sitzen. Die Bewegung ist gut für das Herz-Kreislauf-System, fördert die Atmung, die Reaktionsfähigkeit und Koordination und regt die Gedächtnisleistung an - und macht einfach Spaß", erläutert die gelernte Tanzleiterin. Des Weiteren leitet die Altentherapeutin ebenso Betreuungskräfte und Angehörige an, wie mit einer Demenz umzugehen ist, um auch so wieder eine bessere Balance im Alltag zu finden.

Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig die ambulanten "Pflege- und Therapieengel" in Wedel sind. Sie kümmern sich um die Betroffenen, entlasten die Angehörigen, und sie helfen den Pflegebedürftigen, in ihrer häuslichen Umgebung bleiben zu können, und geben ihnen neuen Lebensmut auch in diesen schweren Zeiten. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Entscheidungsträger der Bedeutung dieser Unternehmen bewusst sind und die Wedeler Pflegekräfte und Therapeuten, die Pandemie gesundheitlich und wirtschaftlich überstehen.

 

Letzte Änderung: 10.02.2022

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