Trauer um Ilse Tempel

Langjährige Vorsitzende der Wedeler Lebenshilfe verstarb im Alter von 90 Jahren

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Strahlend am 90. Geburtstag - Ilse Tempel telefonierte mit einem Enkel, der wegen einer Kilimandscharo-Expedition nicht mitfeiern konnte.
Strahlend am 90. Geburtstag - Ilse Tempel telefonierte mit einem Enkel, der wegen einer Kilimandscharo-Expedition nicht…

Ilse Tempel hatte eine ganz besondere Eigenschaft. Sie konnte ihr Auftreten und ihre Emotionen viel besser an Situationen anpassen als die meisten anderen. Wenn es einerseits galt, die Interessen der Lebenshilfe beispielsweise in Gesprächen mit Verwaltungsmitarbeitern oder Politikern zu vertreten, wirkte sie immer souverän, selbstbewusst, kraftvoll, beherrscht, manchmal kühl. Wenn sie sich andererseits inmitten von Schwächeren in dieser Gesellschaft befand, strahlte sie warm und herzlich und war einfach locker. Wer sie kannte, wird es vermissen, denn Ilse Tempel verstarb im Alter von 90 Jahren.

Die in Kirchberg in Sachsen geborene Frau hat Großes geleistet für jene Menschen, die gar nicht genug Lobbyisten haben können: Behinderte, die mit geistigen und körperlichen Handycaps leben (müssen). Durch ihr Engagement trug sie dazu bei, dass das "müssen" viel Schrecken verlor.

Nach dem Abitur in Riga wollte Ilse Tempel eigentlich Medizin studieren, doch in den Nachkriegswirren machte sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach Arbeitsstellen in Heide und Meldorf bekam sie Mitte der 50er Jahre eine in Hamburg-Rissen und zog so nach Wedel. Nach der Heirat 1962 nahm sie ein Studium auf - aber nicht Medizin, sondern Sozialpädagogik.

"Sozial" - dieser Begriff war ihr stets wichtig. Sie wirkte dafür an vielen Stellen, unter anderem in der SPD, für die sie zwar nie ein politisches Amt übernahm, der sie aber über 50 Jahre lang die Treue hielt.

1967 begann die Arbeit für die Lebenshilfe, die im Jugendheim einen "Sonderhort" für fünf behinderte Kinder ins Leben rief. Inklusion war damals noch kein Konzept. Aus diesem Sonderhort erwuchs später der Lebenshilfe-Kindergarten in der Bekstraße - ein Ort, an dem das Spielen, Lachen, Leben von behinderten und nicht-behinderten Kindern mittlerweile das Normalste von der Welt ist. Inklusion als gelungenes Konzept.

Auch das "Hirtenhaus", eine Freizeit- und Begegnungsstätte, wäre wohl nicht so erfolgreich und vergleichsweise schnell realisiert worden, wenn Ilse Tempel nicht agiert hätte - souverän, selbstbewusst, kraftvoll.

Anfang der 90er Jahre zog sie sich zunächst aus dem Vorstand des Lebenshilfe-Ortsvereins zurück. Einige zeit später gab es großen Wirbel um Finanzen und Vorstands-Rücktritte. Ilse Tempel übernahm noch einmal die Regie, seufzend aber pflichtbewusst. Nachdem sie für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte, zog sie sich wieder zurück und genoss noch viele Jahre im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder. Ein erfülltes Leben ist nun beendet.

Bürgermeister Niels Schmidt: "Ein soziales, ein menschliches Gemeinwesen braucht Menschen wie Ilse Tempel. Sie hat Gutes bewirkt. Dafür sind wir ihr dankbar." (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 6.9. 2017)

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