Tschüss, Heiner Schneider

Wedeler Unternehmer-Legende verstarb im Alter von 85 Jahren

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Eines der ganz wenigen Fotos von Heiner Schneider in der Öffentlichkeit. Hier plaudert der Unternehmer mit Komiker Otto Waalkes, die sich beide für eine Fähre von Hamburg über Blankenese nach Schulau einsetzten. Foto: Jörg Frenzel
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Eines der ganz wenigen Fotos von Heiner Schneider in der Öffentlichkeit. Hier plaudert der Unternehmer mit Komiker Otto Waalkes, die sich beide für eine Fähre von Hamburg über Blankenese nach Schulau einsetzten. Foto: Jörg Frenzel
Die "Sisisi" unter Vollzeug. In den 70er- und 80er-Jahren feierte Schneider mit seiner Crew Regatta-Erfolge. Foto: privat
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Die "Sisisi" unter Vollzeug. In den 70er- und 80er-Jahren feierte Schneider mit seiner Crew Regatta-Erfolge. Foto: privat

Einer der bedeutendsten - und bescheidendsten - Unternehmer der Nachkriegszeit in Wedel ist tot: Heinrich Schneider, den alle nur "Heiner" nannten, verstarb im Alter von 85 Jahren. Die Beisetzung hat im Familien- und engsten Freundeskreis stattgefunden.

Heiner Schneider entwickelte aus dem kleinen Porzellan- und Haushaltswarenladen seiner Eltern Gustav und Grete ein international tätiges Unternehmen. 1965 gründete der Diplom-Kaufmann quasi im Hinterzimmer des elterlichen Geschäftes in der Bahnhofstraße eine Firma, die sich mit Verkaufsförderung beschäftigte. Und er entwickelte daraus mit der Schneider-Gruppe eine Institution, die in den 70er- und 80er-Jahren in der Spitze rund 800 Mitarbeiter beschäftigte. Ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern verdienten sich abends im Firmenkomplex am Schulauer Hafen mit Verpackungsarbeiten à fünf Mark die Stunde Taschengeld dazu.

Kunden waren unter anderem Buchclubs und Verlage, die Sach-Prämien auslobten, wenn man ein neues Abonnement abschloss. Aber damit gab sich Heiner Schneider nicht zufrieden, sondern konzipierte auch Kataloghefte, in denen Produkte gelistet waren, die bei den "Großen" der Branche nicht zu finden waren. "Conleys" und "Impressionen" präsentierten Dinge mit besonderem Stil und Pfiff.

2005 verkaufte Heiner Schneider sein Lebenswerk, weil er es in einem geänderten Marktumfeld so am besten aufgehoben sah. Als fast 70-Jähriger wollte er sich die Leitung nicht mehr zumuten und ahnte die gewaltigen Herausforderungen voraus, die die immer stärker werdende Digitalisierung mit sich brachte. Die damit verbundenen Sorgen wollte er auch seinen beiden Söhnen ersparen. Er sollte recht behalten - 2017 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Einkaufen bei Internet-Giganten hatte das Bestellen per Papierkatalog völlig verdrängt, und online dagegenzuhalten, wurde nahezu unmöglich.

Im Gespräch mit wedel.de gestand er einmal, wie sehr ihn diese Entwicklung getroffen hatte.. Er hatte vielen Menschen, die nicht besonders qualifiziert sein mussten, Arbeit gegeben und es ihnen so ermöglicht, ein Auskommen zu finden. Rentnerinnen und Rentner besserten ihre oft schmalen Einkommen bei Schneider auf. Nicht wenige kannten ihn aus seinen Kindheitstagen und durften bei seinen Überraschungsbesuchen an den Rollbändern auch noch "Heiner" zu ihm sagen, als er schon der bedeutende Unternehmer war. Es schmerzte ihn, dass sie nun ohne Arbeit dastanden und er hilflos zusehen musste, da das Unternehmen nun in anderen Händen war.

Heiner Schneider machte kein Aufhebens um seine Person. Er ging dort essen, wo auch Otto Normalverbraucher eine leckere Mahlzeit wünschte und fiel dabei nur denjenigen auf, die ihn "von früher" persönlich kannten. Denn große Auftritte und Fotos in den Medien lehnte er konsquent ab. Und das, obwohl es dazu viele Anlässe gegeben hätte. Denn sein Vermögen stieg Heiner Schneider nicht zu Kopf, sondern er erinnerte sich immer daran, dass auch er aus vergleichsweise "kleinen Verhältnissen" stammte. So spendete er große Summen, insbesondere für sozial aktive Institutionen - machte aber "kein Gewese" davon.

Auch der Segel-Verein Wedel-Schulau konnte sich auf ihn verlassen, wenn Not am Mann war. Denn Heiner Schneider war ein begeisterter Segler. Ende der 70er-Jahre war er mit dem Zwei-Tonner "Sisisi" bei internationalen Regatten unterwegs, strebte den Gewinn des "Admirals Cup" an. Geschichten aus diesen guten, alten Zeiten kursieren heute noch in der Seglerszene.

Nun ist Heiner Schneider auf seinen letzten Törn gegangen. (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 10.9.2022)

 

 

Letzte Änderung: 09.09.2022

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