Wedels Schrebergärten: Kleine Fluchten für Alt und Jung

Die Sehnsucht nach der eigene Scholle im Grünen als Oase der Ruhe,davon träumen viele lärm- und stressgeplagte Städter.

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Wie kleine Traumschlösser: Wedels Kleingärtner-Häuschen.
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Blaue Perlhyazinthen blühen derzeit üppig im Corsland.
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Nicht ohne Stolz präsentiert Schrebergarten-Vereins Vorstandsmitglied Rainer Zengel sein Gartenparadies im Corsland.

Angesichts steigender Immobilienpreise und des beruflichen Zwangs, mobil sein zu müssen, ist das Mieten einer Wohnung und das Pachten eines Schrebergartens für viele derzeit eine interessante Alternative.

Bedenken ohne gärtnerische Kenntnisse inmitten von eigenbrödlerischen und spießigen Laubenpiepern verloren zu sein, können heute schnell zerstreut werden. Wo vor einigen Jahren die Kleingärten in der Mehrheit ein Rückzugsraum rüstiger Rentner waren, tummeln sich heute immer mehr Familien und Menschen verschiedener Herkunft in den Kolonien.

"Bei uns ist von 25 bis 80 Jahren alles dabei", erklärt Rainer Zengel Schriftwart und Vorstandsmitglied im Schrebergarten-Verein Wedel.  Der IT-Experte im Ruhestand freut sich über die Durchmischung. Er und seine aus Madrid stammende Ehefrau Feliciana sind 2006 von Wohnungsnachbarn auf einen frei werdenden Garten aufmerksam gemacht worden.

Damals war Rainer Zengel auch erst skeptisch:"Ich und einen Schrebergarten, da hätte ich früher nee gesagt", so kommentiert der Schriftführer des Vereins seine frühere Einstellung. Dann aber wagte er den Schritt und packte an:"Erst musste ich 30 Kubikmeter Schutt wegräumen, bevor es richtig losgehen konnte. Das war harte Arbeit", stellt Rainer Zengel fest. Doch das leuchten in seinen Augen verrät die Begeisterung, für das, was der leidenschaftliche Handwerker und seine kreative Frau sich im idyllischen Corsland direkt am Klövensteen geschaffen haben.

Die in drei Kolonien geteilte Siedlung ist seit 1979 schrittweise entstanden. Beim Blick über die Hecke von Rainer und Feliciana Zengel in ihre 450 Quadratmeter große Parzelle sucht man vergebens nach den zipfelmützigen Kleinodien, die angeblich zur Schrebergartenkultur dazu gehören.

Stattdessen erwartet den Betrachter ein phantasievolles weißblaues fast "nordisches-mediterranes Flair". Harmonisch verbinden sich gestaltende Elemente, wie ein blauweißes Holzhaus, eine Holzbrücke, eine Teich- und Steingartenlandschaft, weiße kleine Statuen, ein Brunnen mit Löwenköpfen, Sitzecken zum Verweilen in fast jeder Ecke des Gartens und exotische Pflanzen, akkurat in Form geschnittene Koniferen und eine Rasenfläche miteinander. Überall gibt es Laternen und kleine Lichkugeln, die abends Wege und die Skulpturen und Fontänen ins rechte Licht rücken.

Außer einem alten Boskopapfelbaum und ein kleines Gewächshaus mit einzelnen Gurken- und Tomatenstauden, "ihr kleines Versuchslabor", wie Feliciana Zengel humorvoll konstatiert, gibt es keine typische Bewirtschaftung der Fläche.    
Hingegen in der Nachbarschaft setzt man bei der Bepflanzung eher auf Selbstversorgung. Frisches Obst, Gemüse und Kräuter werden angebaut.
Auch die Gartenhäuser in der Anlage sind unterschiedlich groß und funktionell. Von einem klassischen kleinen Naturholzhaus zur Unterbringung der Geräte bis zum komplett ausgestatteten farbig gestalteten Haus mit mehreren Räumen ist alles dabei. So wirkt bei aller Harmonie der Kolonie nach außen, jede Gartenparzelle, wie ein Solitär.

Ängste sich mit dem Projekt Schrebergarten finanziell zu übernehmen, kann den Bewerbern in Wedel, laut dem Vorstandsmitglied, schnell genommen werden:
"Damals, wie heute, sind die Kosten für einen Schrebergarten in einem der Kolonien hier überschaubar", versichert Rainer Zengel.  In den 337 Kleingärten liegt die durchschnittliche einmalige Abstandszahlung für die Laube, die Bepflanzungen und Befestigungen bei 3.000 Euro. Eine unabhängige Schätzkommission ermittelt nach den Richtlinien des Landes Schleswig-Holstein die entsprechende Höhe der Summe. 

Darüber hinaus beträgt die jährliche Belastung rund 190 Euro. Darin enthalten sind zum Beispiel der Vereinsbeitrag, die Pacht, die derzeit bei 0,19 Euro pro Quadratmeter liegt und die Wassergebühren.  Von den elf Kolonien in Wedel, die sich alle auf städtischem Grund befinden, sind zehn mit einer Wasserversorgung ausgestattet.Einige Kolonien haben dann noch zusätzlich Gemeinschaftsbrunnen. Strom gibt es nicht, aber viele Pächter haben sich eine Photovoltaikanlage angeschafft.

Abseits der Kosten gehört es zur Pflicht von allen Pächtern, ein- bis zweimal im Jahr bei der Gemeinschaftsarbeit zu helfen. Es werden Gruppen eingeteilt und mit verschiedenen Aufgaben betraut. Sie jäten Unkraut, bessern Wege aus und streichen beispielsweise die Vereinshäuser oder die Geräteschuppen.
Oft steht dabei die Geselligkeit im Vordergrund. Es wird gefachsimpelt,Tipps und Ideen werden ausgetauscht und Kontakte gepflegt.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Regeln, die sich die Gemeinschaft auferlegt hat, auch um der Verantwortung für die Natur gerecht zu werden. Ökologie hat heute in den Schrebergärten einen ganz anderen Stellenwert. So dürfen nur die von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein für die Nutzung in Kleingärten zugelassenen Pflanzenschutzmittel verwendet werden und in der Regel sollten natürliche Hausmittel zum Beipiel Salzlösungen gegen Unkräuter verwendet werden. Auch beim Tier- und Artenschutz achten die Verantwortlichen auf eine Einhaltung der Gesetze und Regeln. Rainer Zengel weist auf die umfassenden Informationen im Auftritt des Vereins im Internet hin. "Dort erfährt der Interessierte zum Beispiel, dass der Maulwurf, der zu einer echten Plage werden kann, nur vertrieben werden darf, da dieses Tier unter Naturschutz steht und durchaus nützlich ist und eine Vielzahl von Insekten vertilgt, die für die Pflanzen schädlich sind. Zum Vertreiben eignen sich unter anderem die Zweige des Holunders, die in die Löcher gesteckt werden können", erklärt Rainer Zengel, der auch für die Homepage der Schrebergärtner in Wedel verantwortlich ist.  

Nach einem Besuch im Corsland bekommt man einen Eindruck,warum das Schrebern so populär geworden ist. Denn obwohl es viele Gesetze, Verordnungen und Regeln gibt, bleibt jedem Kolonisten in Wedel genug Raum, um individuell sein eigenes grünes Paradies zu gestalten.  

Kontakt: Schrebergarten-Verein Wedel e.V. Mühlenstraße 9, Tel.: 04103/13965 Sprechzeiten sind: Jeden vierten Freitag im Monat von 19 bis 20.30 Uhr. (Wolf-Robert Danehl/kommunikateam, 8.05.2015)

www.schrebergarten.com

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