Zukunft der Rathaus-Solaranlage ungewiss

Klimaschutzfondsvorsitzender Michael Koehn macht auf besondere Problematik aufmerksam

in Leben in Wedel, Top-News

Funktioniert seit Jahren hervorragend: die Solaranlage auf dem Rathausdach.
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Funktioniert seit Jahren hervorragend: die Solaranlage auf dem Rathausdach.
Macht auf eine heikle Sache aufmerksam: Michael Koehn vommKlimaschutzfonds.
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Macht auf eine heikle Sache aufmerksam: Michael Koehn vommKlimaschutzfonds.

Der Klimaschutzfonds Wedel hatte sich sehr früh getraut, eine Solaranlage zu installieren. Auch das Rathaus der Stadt, dessen Dach wir dafür nutzen durften, trug ein Risiko – und war bereit dazu! Gemeinsam wollten Stadt und Klimaschutzfonds damals ein starkes Signal setzen für die Wichtigkeit einer Energiewende – damals, als es das Wort noch nicht einmal gab. Wir waren die „frühen Vögel“!

Heute ist Energiewende in aller Munde! Eine große Mehrheit in der Bevölkerung und mancher Politiker erkannte die Notwendigkeit - und die Dringlichkeit. Leider sieht es jedoch so aus, dass unsere Fachminister in Berlin mit so viel Enthusiasmus an die Sache herangehen, dass die Wende nicht 180° betragen wird, sondern der Schwung sogar für 360° reicht…

Schon im vergangenen Jahr (2019) war der Zubau bei der Windkraft so gering, wie seit dem Jahre 2000 nicht mehr.   Auch wenn in den ersten drei Monaten dieses Jahrs deutlich mehr Windenergieanlagen in Betrieb gingen, als im Vergleichszeitraum 2019, ist das diesjährige Frühjahr das zweitschwächste innerhalb der letzten zehn Jahre, 60 Prozent unter dem Durchschnitt in den Jahren 2014 bis 2018. 

Mit Inkrafttreten des ersten Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) wurde allen vor dem Jahr 2000 errichteten Anlagen die Vergütung für eine Laufzeit von 20 Jahren zugesichert. Das gilt auch für die Solar-Anlage des Klimaschutzfonds, deren erster Teil bereits im März 1998 in Betrieb ging. Dadurch fallen zum 31. Dezember 2020 Anlagen aus der EEG-Vergütung heraus.

Bei der Windkraft werden das etwa 6.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 4,5 GW (unvollständige Datengrundlage) sein. Ab 2021 werden dann jedes Jahr weitere Anlagen aus der EEG-Vergütung herausfallen. Nach aktuellem Stand könnte dies im Zeitraum 2021 bis 2026 jährlich etwa 1.600 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von rund 2,5 GW betreffen. 

Nur scheinbar besser sieht es bei Solaranlagen aus: 446 MW erreichte der Photovoltaik-Zubau im Mai 2020. Das entspricht einem neuen Höchststand im laufenden Jahr und einem deutlich höheren Zubau als im Mai des Vorjahres. Der kumulierte Photovoltaik-Zubau betrug damit 1,9 GW. Und damit ist der von der Bundesregierung angestrebte Förderkorridor für das Gesamtjahr 2020 bereits erschöpft.

Kann die Bio-Energie uns wenigstens „retten“? Nein, leider auch nicht. Erstmals seit dem Inkrafttreten des EEG wird es im Jahr 2020 einen signifikanten Rückgang im Bestand von Biogasanlagen geben!  Dabei ist im ersten Quartal 2020 die „erneuerbare“ Stromeinspeisung auf ein neues Rekordhoch geklettert: 51,2%   der elektrischen Energie sind aus regenerativen Quellen.

Was passiert, wenn diese vielen „alten“ Anlagen aus der Förderung fallen? Dann müssen die Betreiber (Stand heute) sich als „Unternehmer“ betrachten, EEG-Umlage und Steuern zahlen sowie aufwändige Dokumentation betreiben. Für den Klimaschutzfonds bleiben dann im Jahr nur noch wenige hundert Euro, mit denen wir unsere Arbeit z.B. an Schulen finanzieren können. Im Gegenzug müssen wir enorme Administration übernehmen – und Risiken!

Oder wir entscheiden uns -wie so viele andere auch- die Anlage abzubauen und zu verschrotten! Obwohl die Panels noch für mindestens zehn bis 15 Jahre Stromproduktion gut wären.

Fassen wir zusammen:

  • Windkraftanlagen werden weniger neu gebaut, weil Abstandsregeln so beschlossen wurden, dass es kaum noch Platz dafür gibt.
  • Solaranlagen werden in den verbleibenden fünf Monaten des Jahres nicht mehr gebaut, weil ein „Solardeckel“ eingeführt wurde.
  • Und Altanlagen -egal ob Wind, Solar oder auch Bio- werden abgebaut, weil das Risiko für die Betreiber steigt und die Erträge dahinschmelzen: Dieses Würmchen ernährt den Vogel nicht mehr!

Klappt so die Energiewende? – können wir es so schaffen, bis 2040 CO2-neutral zu sein? (Michael Kohen/Klimaschutzfonds Wedel/4.8.2020)

Mit freundlicher Unterstützung von...