Folge 1 der Serie „Wedels Denkmäler“ – Eine Spurensuche von Dr. Thies Bitterling

Kriegerdenkmal
Kriegerdenkmal
Kriegerdenkmal in der Rolandstraße
Kriegerdenkmal in der Rolandstraße
Kriegerdenkmal im Bürgerpark
Kriegerdenkmal im Bürgerpark
Kampfgenossen vor dem Kriegerdenkmal in der Rolandstraße
Kampfgenossen vor dem Kriegerdenkmal in der Rolandstraße

Zwei Schiller-Steine, nie gebaute Ehrenmale, vergessene Gedenkplätze: Dr. Thies Bitterling erforschte die Geschichte der jüngeren Denkmäler in Wedel. Heute: Das Ehrenmal von 1870/71 und der versetzte Kirchspiel-Stein von 1873

Ein sehr schöner Platz zum Ausruhen und Nachdenken ist Wedels ältester Friedhof, der heutige Bürgerpark. Wer das gut erhaltene klassizistische Tor durchschritten hat, betritt eine Oase der Stille (und des Lachens spielender Kinder). Hier steht auf einem Granitsockel der kleine Obelisk, auf dessen Vorderseite die Namen der sechs jungen Wedeler eingemeißelt sind, die aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 nicht mehr zurückgekommen sind. Es ist ein würdiger Platz und eine gute Aufstellung, aber das Denkmal selbst bietet, besprüht und zerkratzt, einen deutlichen Beweis, wie sehr der Tod der sechs damaligen Soldaten für die heutigen Wedeler bedeutungslos geworden ist. Man liest die sechs Namen nicht ohne Ergriffenheit, denn es sind alte Wedeler Namen, die noch im heutigen Telefonbuch zu finden sind: Körner, Kleinwort, Öding, Brügmann, Abel, Fälschlein.
Man gerät ins Grübeln: Wie war die Kindheit und Jugend dieser Männer? Konnten sie ahnen, dass sie nur so kurz zu leben hatten? Sie müssen alle etwa um 1850 geboren sein, erlebten also ihre Kindheit noch mit einem dänischen König als obersten Landesherrn. In ihre Konfirmationszeit fiel der Krieg Dänemarks gegen Preußen und Österreich, und 1866 fanden sich die sechs jungen Wedeler plötzlich wieder als Bürger der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Die unangenehmste Folge dieser Entwicklung war die dreijährige allgemeine preußische Wehrpflicht, eine Verpflichtung, die man unter dänischer Herrschaft nie gekannt hatte. So mussten diese sechs jungen Männer bereits 1870 als preußische Soldaten gegen Frankreich ins Feld ziehen.Das Kirchspiel Wedel errichtete schon 1873 seinen gefallenen Söhnen ein Denkmal, das in seiner damaligen Form dem heutigen im Bürgerpark gleicht. Es stand dicht am Marktplatz und damit wirklich im Zentrum der Altstadt, unweit der Kirche nahe beim damaligen Rathaus, dicht am Hafen und damit in Sichtweite des Roland. Auf diesem Platz blieb das Denkmal 104 Jahre, bis es im Oktober 1977 ohne weiteres Aufheben entfernt wurde.
Es war aber schon seit 1954 mehrfach in die Diskussion der Wedeler Ratsversammlung gekommen. Man empfand das Denkmal an diesem Standort als Hindernis für die bereits geplante Verbreiterung der Rolandstraße. Der wachsende Verkehrslärm nahm dem Denkmal an diesem Platz seine Würde. Die Vorschläge sahen die Zerstörung des Denkmals vor. Nur die Namensplatte sollte erhalten bleiben und entweder in eine Außenwand der Kirche am Roland oder in der Friedhofskapelle am Breiten Weg eingemauert werden. Aber schon im November 1954 machte der damalige Ratsherr und unvergessene Rektor Hufe den Vorschlag, das ganze alte Denkmal in den Bürgerpark zu versetzen, damit die Gefallenen auf dem Friedhof ihrer Kindheit und ihrer Altersgenossen ihre letzte Ehrung fänden. Es war ein guter Kompromiss zwischen dem Respekt vor den Toten und den Bedürfnissen der Gegenwart. Aber erst im Oktober 1977 wurde der Vorschlag auch ausgeführt. Das alte Denkmal wurde zwar doch zerstört, aber das neue in fast gleicher Form im Bürgerpark errichtet. Trotzdem beschwerten sich mehrere Wedeler Bürger, dass der Städtische Bauhof das alte Denkmal, das so lange zum selbstverständlichen Stadtbild von Altwedel gehört hatte, einfach vom Sockel riss und in die nächstgelegene Schuttkuhle karrte.
Wir haben aber eine würdige Kopie an einem würdigen Platz. Wenn nur der heruntergekommene Zustand auch des heutigen Denkmals Wedels Bürgern einen Stich ins Herz geben würde, dass man dem frühen und unverschuldeten Tod seiner sechs jungen Mitbürger von 1870/71 keiner Respekt mehr zollt.

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