Folge 2 der Serie „Wedels Denkmäler“ – Eine Spurensuche von Dr. Thies Bitterling

Zwei Schiller-Steine, nie gebaute Ehrenmale, vergessene Gedenkplätze: Dr. Thies Bitterling erforschte die Geschichte der jüngeren Denkmäler in Wedel. Heute: Die Geschichte über ein Ehrenmal für Wedels Gefallene des Ersten Weltkrieges.

Als im November 1918 die Waffen schwiegen, hatte das deutsche Volk einen Verlust von rund zwei Millionen Soldaten zu beklagen. Auch nach Wedel kehrten mehr als 220 junge Mitbürger nicht zurück. Bis 1930 hatten die meisten deutschen Kommunen ihren Weltkriegstoten ein Ehrenmal errichtet, in Wedel wurde in diesem Zeitraum ein ähnliches Denkmal nicht gebaut, obwohl der Gedanke daran schon 1916 laut wurde. Nur die beiden Wedeler Sportvereine errichteten ihren gefallenen Mitgliedern schon 1920/21 je ein gesondertes Denkmal.
Wenn man aber auf Spurensuche geht, trifft man auf Merkmale, dass Wedel durchaus plante, allen seinen Gefallenen ein Denkmal zu errichten. Wenn man heute das Autal in Richtung Breiter Weg durchquert, stößt man auf der rechten Seite gegenüber der Pestalozzi-Schule auf eine Schrebergartenanlage, die den Namen „Heldenhain“ trägt. Diese Bezeichnung ist der typische Name einer Ehrengedenkstätte, wie er nach dem Ersten Weltkrieg häufig vorkommt. Bei der weiteren Suche unter dem Stichwort „Heldenhain“ wird man im Wedeler Stadtarchiv schnell fündig. In den Verwaltungsberichten der Stadt Wedel findet sich bereits am 12. Oktober 1916, also mitten im Krieg, folgender Beschluss: „Zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges soll ein Heldenhain eingerichtet werden. Zu diesem Zweck wurde die Schwartausche Klintweide beim Friedhof für 14500 Mark angekauft. Zuwendungen und freiwillige Gaben sind bereits eingetroffen.“

Offensichtlich wurde der Plan aber nach 1918 nicht energisch weiterverfolgt, wenigstens verschwindet das Projekt aus den Quellen, muss aber im Bewusstsein der Wedeler Verwaltung trotzdem lebendig geblieben sein. Im Jahre 1927 plante die Nordische Rundfunk-Aktiengesellschaft eine Sendung über den Künstler Ernst Barlach. Sie wandte sich wegen sachdienlicher Informationen an Wedels Bürgermeister Friedrich Eggers. Dieser antwortete am 4. September 1927 wie folgt: „Er (Ernst Barlach) ist also den meisten Wedeler Mitbürgern persönlich wohl bekannt. Wedel verfolgte seinen Ruhmesweg mit großem Interesse und erhoffte sich von ihm den Entwurf für das Kriegerdenkmal 1914/1918.“ Nach den Unterlagen wurde Barlach 1930 damit beauftragt, das Kriegerdenkmal zu gestalten. Ob Barlach, damals auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Ansehens, auftragsmäßig überlastet war oder den Auftrag ablehnte, gibt die Quellenlage im Wedeler Stadtarchiv nicht her.
Dann blieb es wieder lange still um dieses Denkmal. Erst im Frühjahr und Sommer 1939 nimmt der Gedanke erneut Gestalt an.
Am 3. April 1939 wandte sich Eva Heins, die Vorsitzende der Wedeler Kriegshinterbliebenen, an Bürgermeister Dr. Harald Ladwig und fordert nun endlich die Verwirklichung des Denkmals. Die Sache fand bei Ladwig volle Unterstützung. Als Denkmalort wurde nun die höchste Stelle des Galgenbergs gewählt, heute eine Parkanlage mit Spielplätzen am Ginsterweg. Aber schon Ende April 1939 geriet die Angelegenheit wieder ins Stocken, weil sich an der geplanten Denkmalstelle ein trigonometrischer Punkt befand (und noch befindet). Man musste sich jetzt ans Reichsinnenministerium wenden, das die Angelegenheit dem Hamburger Hauptvermessungsamt weitergab. Diese Behörde verbot zunächst jede Bebauung des trigonometrischen Punktes, zeigt sich dann aber gesprächsbereit. Inzwischen schrieb man Ende August 1939.
Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Damit war jede weitere Realisierung des Denkmals unmöglich geworden. Das endgültige Aus für den Denkmal-Plan kam aber durch den Erlass des Reichsinnenministeriums vom 17. September 1940, der auch der Wedeler Verwaltung zuging. Die entscheidenden Worte lauteten: „(...) Der Führer wird der würdigen Ausgestaltung der Ehren- und Erinnerungsmale seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. (...) Der Führer (...) hat angeordnet, dass alle Planung der Maßnahmen auf diesem Gebiet einstweilen zurückgestellt werden.“
Nur fünf Grabplatten auf dem Friedhof am Breiten Weg erinnern noch an fünf gefallene Wedeler des Ersten Weltkrieges.

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