Folge 3 der Serie "Wedels Denkmäler" - Eine Spurensuche von Dr. Thies Bitterling

Einweihung des TSV Denkmals
Einweihung des TSV Denkmals
Denkmal des TSV
Denkmal des TSV

Zwei Schiller-Steine, nie gebaute Ehrenmale, vergessene Gedenkplätze: Dr. Thies Bitterling erforschte die Geschichte der jüngeren Denkmäler in Wedel. Heute: Wedeler Sportvereine ehrten ihre Toten von 1914 bis 1918 am Elbestadion.

Wenn auch die Stadt Wedel nach dem Ersten Weltkrieg kein Denkmal für die gefallenen Wedeler errichtet hat, so ergriffen die beiden Wedeler Sportvereine, der „Arbeiter-Turn- und Sportverein Eintracht Wedel“ (ATSV) und der „Wedeler Turnverein von 1963“, von sich aus die Initiative, um ihre gefallenen Sportkameraden zu ehren. Der ATSV errichtete schon 1920 eine Gedenkplatte für seine gefallenen Mitglieder. Die Platte trug die Losung „Frisch, Fromm, Stark, Treu“ und die Widmung „Zu Ehren unserer gefallenen Mitturner“.

Dann folgten 14 Namen. Die Gedenkplatte befand sich auf einem Sockel im Garten des früheren Lokals „Stadt Hamburg“ in der Rolandstraße. Als schon vor 1933 wegen Erweiterung des Restaurantbetriebs der Garten stärker gastronomisch genutzt werden sollte, wurde die Gedenkplatte zunächst provisorisch in der Turnhalle des ATSV an der Bergstraße eingelagert, da man vergeblich nach einem würdigen Aufstellungsort suchte. Im Mai 1933 wurde die ATSV-Halle von der SA-Wedel beschlagnahmt, das Betreten wurde Mitgliedern verboten. Zum Schutz der Anlage und der Halle stellte die SA eine Wache.
In der Nacht vom 9. zum 10. Juni 1933 wurde von Wedeler SA-Leuten nicht nur der Ebert-Gedenkstein schwer demoliert, sondern es verschwand auch die Gedenkplatte der gefallenen ATSV-Mitglieder.
Bis 1958 verliert sich ihre Spur. Als in jenem Jahr im Garten des Stadtrats Jungblut, Bergstraße 9, Erdarbeiten für den Bau einer Garage begannen, stieß man auf die 15 Jahre lang verschollene Gedenkplatte, die mit der Textseite nach unten in der Erde lag, aber im wesentlichen unbeschädigt geblieben war. 1921 errichtete der TSV am Rosengarten ein Denkmal für die gefallenen Vereinsmitglieder Wechselhaft verlief auch die Geschichte des Gefallenen-Denkmals des Wedeler Turnvereins. Man weihte das Denkmal bereits am 11. September 1921 auf dem Vereinsgelände am Rosengarten ein. Viel Eigenarbeit der Vereinsmitglieder war dazu nötig gewesen, Bauern halfen mit ihren Gespannen beim Transport der Feldsteine. Am Fuß eines kleinen Hügels lagen vierzig kleine Feldstein, deren jeder den Namen eines Gefallenen trug. Eine Treppe führte den Hügel hinauf, oben befand sich auf einem Sockel ein mächtiger Findling mit einem thronenden Adler als Bekrönung. Der Findling trug die Inschrift: 2Unsere Helden 1914 – 1920“. Darüber war ein Eisernes Kreuz eingemeißelt. Das Denkmal blieb in den folgenden Jahrzehnten unangetastet, kam aber durch den letzten Krieg und die Nachkriegszeit sehr herunter.
Im Jahr 1963 feierte der aus beiden Sportvereinen hervorgegangene TSV-Wedel seinen hundersten Geburtstag. Es wurde jetzt ein würdiger Gedenkraum für die gefallenen Turner beider Vereine auf dem Vereinsgelände am Rosengaren geschaffen. Ein kleiner Ehrenhof wurde aufgemauert mit der Inschrift: „Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung“. Der Ehrenhof wurde durch ein hohes Kreuz überragt, auch die wiedergefundene Gedenkplatte des früheren ATSV wurde mit einbezogen.
Heute ist dieses Gelände nicht mehr Eigentum des TSV-Wedel und wurde mit einem Geschäftsgebäude überbaut. Die Gedenkstätte von 1963 besteht nicht mehr. Statt dessen erinnert seit 1996 am Westeingang des Elbestadions eine sechseckige, roh zugehauene Stele an die Toten beider Vereine in beiden Weltkriegen. Ihre Inschrift lautet: „Zum Gedenken unserer toten Mitglieder der beiden Weltkriege“. Summarischer und farbloser geht es nicht. Diese Inschrift offenbart aber die tiefe Verstörtheit einer Generation, die das Jahr 1945 bewusst miterlebte, und das daraus erwachsene Unvermögen, im Soldatentod noch irgendeinen heldischen Sinn zu sehen.

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