Folge 6 der Serie "Wedels Denkmäler" - Eine Spurensuche von Dr. Thies Bitterling

Einweihung des Denkmals Doppeleiche
Einweihung des Denkmals Doppeleiche
Denkmal an der Doppeleiche
Denkmal an der Doppeleiche

Zwei Schiller-Steine, nie gebaute Ehrenmale, vergessene Gedenkplätze: Dr. Thies Bitterling erforschte die Geschichte der jüngeren Denkmäler in Wedel. Heute: Die Doppeleiche als Symbol für die Untrennbarkeit Schleswigs und Holsteins.

Im Jahr 1848 ergriffen die Schleswig-Holsteiner die Initiative, sich von der Union mit Dänemark zu befreien. Am 24. März 1848 trat eine provisorische Landesregierung in Kiel zusammen: Eine Armee von Freiwilligen wurde gegen Dänemark aufgestellt. Im Sommer 1848 kam es zu mehreren blutigen Schlachten und Gefechten mit dänischen Truppen. Aber alle Anstrengung blieb vergebens. Dänemark behauptete seine alte Machtstellung. Ein bitteres Ergebnis, vor allem auch wegen der blutigen Opfer. Ein amtliches Verzeichnis aus Kiel nennt 1852 die Namen mehrere Tausender gefallener und invalider Schleswig-Holsteiner, darunter auch Männer aus Wedel, Spitzerdorf, Schulau und Holm.
Gerade deswegen, weil es 1848 um die eigene Sache ging, blieb dieser Aufstand hier im Land viel lebhafter in Erinnerung als Bismarcks siegreiche Lösung 1864 bis 1866, die ohne jede Beteiligung der Schleswig-Holsteiner selbst stattfand. Gedenkstein bei der Doppeleiche So wundert es nicht, dass 50 Jahre später der Schulauer Baumeister Johann Hatje aus eigenen Mitteln zum Gedenken an die Erhebung vom 1848 eine Doppeleiche in Sichtweite seines Hauses am Kreuzungspunkt mehrere Straßen pflanzen ließ. Die Doppeleiche galt als Symbol für die Untrennbarkeit Schleswig und Holsteins.
Zehn Jahre später (1908) stiftete Johann Hatje auch noch den heutigen Gedenkstein, der durch das Landeswappen, die Worte "Up ewig ungedeelt" und die Erwähnung des 24. März 1848 überdeutlich auf den demokratischen Aufschwung in Schleswig-Holstein in diesem Jahr hinweist.
Der Platz "Doppeleiche" ist zwischen 1898 und heute häufig fotografiert worden. Die ersten Fotos zeigen eine sehr magere Doppeleiche hinter dem Stein, davor posierende Kinder und Erwachsene, die den noch völlig autolosen Platz sorglos beleben. Aber der Platz "Doppeleiche" entwickelte sich immer mehr zu einem geschäftlichen Zentrum Schulaus. Schon 1924 forderte der Wedeler Bürgermeister die Beseitigung der Reklametafeln an diesem Platz, weil sie den Eindruck des Denkmals beeinträchtigten.
Durch die Bombennacht im März 1943 wurde auch der Platz schwer getroffen. Das Fischgeschäft, heute Videothek, brannte aus, das Geschäft Lüchau wurde total zerstört, aber das Wohnhaus von Johann Hatje und die Bäckerei von Helms blieben stehen. Auch die Doppeleiche und der Gedenkstein überstanden die Bombennacht.
Der wirtschaftliche Aufschwung zwischen 1950 und 1975 verstärkte den Autoverkehr in der Bahnhofstraße und machte den Platz zu einem gefährlichen Knotenpunkt. Er konnte nur durch eine Ampelanlage, Stopp-Schilder und weitere Verkehrszeichen gesichert werden. Die kleine Denkmalinsel war von Verkehrshinweisen umstellt, von Verkehrslärm umtost, von Abgas verschmutzt und für Fußgänger unerreichbar. 1959 bis 1959 wurde die Bäckerei von Helms abgerissen, 1978 bis 1979 erbaute auf dem freien Gelände die Stadtsparkasse Wedel eine Filiale.
Nun kam das Denkmal Doppeleiche in die Diskussion. Sollte man nicht Denkmal und Doppeleiche trennen und den Gedenkstein auf dem Vorplatz der Sparkassenfiliale aufstellen? Selbst die Ortsgruppe Wedel des Heimatbundes sprach sich für diese Lösung aus. Aber der Wedeler Magistrat verweigerte 1978 die Zustimmung und bestand auf der Beibehaltung der geschichtlichen Einheit von Baum und Gedenkstein.
1988 und 1989 fand man durch die Einbeziehung der Denkmalsanlage in den Fußgängerbereich der City eine glückliche Lösung. Heute sind es vom Geschäft Lüchau nur wenige Fußgängerschritte zum Denkmal. Man kann dicht herantreten, schöner Blumenschmuck umgibt die Anlage. Der Gedenkstein ist sauber und gut unter Farbe, die Doppeleiche wirkt stattlich. Wenn heute der Geist von Johann Hatje am Fenster seines Hauses stünde und auf seine Doppeleiche und seinen Gedenkstein blicken würde, er wäre wohl sehr zufrieden.

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