Mai 1908 – Ein Kraftwerk produziert Wedeler Strom

Kraftwerk Rosengarten 1908

Im Mai 1908 wollte auch die Stadt Wedel nicht mehr auf elektrischen Strom verzichten und kaufte ein für den Kohlentransport verkehrsgünstig gelegenes Grundstück am Rosengarten.

Hier erbaute der Baumeister J.P. Lüchau das erste Elektrizitätswerk. In dem Hauptgebäude befanden sich die Werkstatt, das Lager, ein Akkumulatorenraum und zwei Wohnungen. In der Maschinenhalle standen neben zwei Lokomobilen auch elektrisch betriebene Pumpen und 2 Dynamos. Hier war auch die aus weißem Marmor bestehende Schalttafel untergebracht. Zudem wurde hier auch die Kohle gelagert. Das eigentliche Herz der Anlage waren die beiden von der Maschinenfabrik Heinrich Lanz in Mannheim hergestellten Original-Patent-Heizdampf-Ventil-Compound-Lokomobile. Diese hatten einen liegenden Kessel zu 60–70 und 95–112 effektiver PS-Normalleistung. Jedes Lokomobil trieb über einen Riemen eine Gleichstrom-Nebenschluss-Dynamomaschine mit Wendepolen zu 50 bzw. 80 K.W. Leistung bei 455–490 Volt Spannung an. Überragt wurde das Kraftwerk von einem 35 m hohen Schornstein. Versorgt wurden in der Anfangszeit 6 Bogenlampen, 2716 Flammen und 30 Motore in Schulau und Wedel. Zeitgleich wurde das Oberleitungsnetz für die Straßenbeleuchtung der Stadt ausgebaut. Hier wurden insgesamt 90 Ganznachtlampen und 78 Halbnachtlampen angeschlossen, wobei die Ganznachtlampen von Dunkelwerden bis 1 Uhr nachts und die Halbnachtslampen vom Dunkelwerden bis 21 Uhr brannten. Der Personalstamm des ersten Kraftwerkes umfasste den Betriebsleiter Max Hübner, Netzmonteur Abling, einen Heizer und zwei „Hülfsmonteure“. Das Kraftwerk erfüllte die Erwartungen einige Jahre vollends und arbeite anfangs mit Gewinn. 1917 ist die kleine Dampfmaschine durch eine leistungsstärkere ersetzt worden, um den gestiegenen Stromverbrauch aufzufangen. Dann jedoch wurde der Kohlenbezug kriegsbedingt rationiert, mehrere Großkunden stellten ihre Arbeit ein, die Firma J.D. Möller installierte eine eigene Stromversorgung und das Kraftwerk wurde unrentabel. Die „Lichtkommission“ entschloss sich, die eigene Stromversorgung einzustellen und ab 1921 den für den Verbraucher erforderlichen Strom nun vom Kraftwerk der Zuckerfabrik zu beziehen. Der dort produzierte Drehstrom mit einer Spannung von 3000 Volt wurde von nun an in der Transformatorenstation des Elektrizitätswerkes mittels Quecksilber-Dampfgleichrichter-Anlage umgewandelt und in das Gleichstromnetz übergeleitet. Die alten Maschinen und Kessel wurden verkauft. Nun ließ die Stadt auch externe Installateure zu und gestattete den Elektrotechnikern H. Meyer und Langbehn die Montage. Das Gebäude dient heute dem Theaterverein Wedel.

(Text: Stadtarchiv Wedel)  

Mit freundlicher Unterstützung von...