Januar 1910 – Diphtherieepidemie in Wedel!

Impfscheine

Zum Jahreswechsel 1909/1910 litten in Wedel etliche Schulkinder unter der Kinderkrankheit Diphtherie. Allein in der Schule Altstadt wurden 50 infizierte Kinder gezählt.

Der Rektor Otto Schultz vermerkt in seiner Schulchronik, dass sieben Kinder an der Krankheit starben. Um die Ansteckungsgefahr zu bannen wurden die Klassenräume desinfiziert und der Unterricht fiel an etlichen Tagen aus. Epidemien gab es in den vergangenen Jahrhunderten in Wedel immer mal wieder. Als 1892 in Hamburg die Cholera ausbrach, gab es auch in Wedel bzw. Schulau fünf Todesfälle zu bedauern. Unter Ihnen waren auch zwei Kinder aus der Familie des Böttchers Fleige aus Schulau. 1785 kam es im Ort zu einer Blatternseuche. Diese hochinfektiöse Krankheit, auch Pocken genannt, wurde erst 1980 für ausgestorben erklärt. An ihr starben allein im Kirchspiel Wedel über 70 Menschen, fast alle Toten waren Kinder. Dabei war ein simples Impfverfahren gegen diese schreckliche Krankheit zu dieser Zeit in anderen Ländern bereits bekannt. So wurde das Einritzen von Pocken-Sekret in die menschliche Haut bereits um 1716 in der Türkei praktiziert. Der englische Arzt Edward Jenner und etwa zeitgleich der holsteinische Hauslehrer Peter Plett hörten auf die Berichte der Landbevölkerung, die beobachtete, dass Melkerinnen, die sich mit Kuh-Blattern angesteckt hatten, nicht an Pocken erkrankten. Beide entwickelten ohne einander zu kennen, hieraus einen Impfstoff. Jenner benannte das Verfahren nach der Kuh (vacca) Vaczination, ein Wort, das heute noch im Englischen Impfung bedeutet. Ab etwa 1791 gab es in Holstein die ersten Impfungen, 1811 wurde die Impfung gesetzlich geregelt. Später war der Impfnachweis, das Vaccinations-Attest gleichsam ein Pass zur Vorlage bei Verlobung, Musterung oder Hochzeit.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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