Januar 1919 – Die ersten Wedeler Politikerinnen

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges und der Einführung der Weimarer Verfassung wurde das allgemeine Wahlrecht in Deutschland erstmalig für alle Bürger, die über 20 Jahre alt waren, eingeführt.

Bei der Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 konnten erstmalig nun auch Frauen das lang erstrittene Privileg ausüben und durften zur Urne schreiten. Am Sonntag, den 26. Januar 1919 gaben die Wedeler Bürger, die über 20 Jahre alt waren, von 9 Uhr bis um 20 Uhr in den beiden Wahllokalen Wedel (Gasthof zum Roland am Markt) und Schulau (Köhlers Gasthof in der Spitzerdorfstraße) ihre Stimmen ab. Gewählt wurde in die Nationalversammlung, die 421 Abgeordnete hatte, von denen 37 Frauen waren, der Justizrat David Felix Waldstein aus Altona. Am gleichen Tag wurden auch die Abgeordneten für den Preußischen Landtag gewählt. Ein Monat später, am 23. Februar 1919 wurden die Wedeler Stadtverordneten, deren Anzahl durch die Neuordnung des Wahlrechtes von 12 auf 24 gestiegen war, neu gewählt. Erstmalig zogen nun auch hier Frauen in das Parlament ein. Neben der direkt über die Vorschlagsliste von Friedrich Großheim gewählten Stadtverordneten Gretchen Möller arbeiteten noch weitere Frauen als bürgerliche Mitglieder in der Ausschüssen mit, die zumeist mit dem Namen ihres Ehemannes genannt wurden: Frau J. Koopmann, Frl. Bartantun, Frau Syring, Frau Behrends, Frau Syring geb. Brust, Frau Christiansen, Frau U. Holzer, Frau Eva Heins, Frau Math. Heinsohn, Frau Dittmer Körner, Frau Hedwig Schultze, Frau Willnitz, Witwe Petersen geb. Mühlenfeldt, Ernestine Röttger geb. Vetterkind, Witwe Hatje geb. Imbeck, Witwe Nelke, Frau Wellnitz, Ehefrau G. Timmermann und die Ehefrau Hinr. Wehlen. Die erste gewählte Stadtverordnete Wedels, die am 23 Februar 1919 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde und die auch das erste Protokoll unterzeichnen durfte, war die am 02.05.1881 geborene Lehrerin Martha Gretchen Möller geborene Wohlers aus Altona. Sie war die Ehefrau von Carl Möller, einem Sohn des Wedeler Präparators Johann Dietrich Möller. Gemeinsam mit ihrem Mann erbaute sie 1906 auf dem Gelände Rissener Straße 21/23 ein Wohnhaus- und Geschäftshaus und baute mit ihm die Firma Optische Anstalt Wedel auf. Bis Mai 1924 arbeitete sie in diversen Ausschüssen mit und übergab dann den Stab an die Sozialdemokratin Pauline Johanna Bröker. Gretchen Möller hingegen brach 1930 die Brücken in Wedel ab, lies sich scheiden und verzog nach Bayern. Ihre Nachfolgerin Pauline Bröker geborene Roszak war ab 1924 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Sie war ebenso wie ihr Ehemann Paul Bröker, der bereits 1919 in die Stadtvertretung gewählt wurde, Mitglied der SPD. Pauline B. war in zahlreichen Ausschüssen vertreten, zudem wurde sie 1929 auch Kreistagsabgeordnete. Darüber hinaus war sie in der Arbeiterwohlfahrt aktiv und sie engagierte sich im Armen- und Pflegeheim. Die politische Arbeit von ihr und ihrem Mann fand 1933 ein Ende, nachdem alle SPD-Abgeordneten auf Anordnung der national-sozialistischen Regierung aus den Ämtern entfernt wurden.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

Weiterführende Links:

Link zum Artikel über die Geschichte der Frauenrechte 

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