Januar 1933 – Eine Stadtvertretersitzung mit entsicherter Waffe?

Am 30.01.1933 fand im städtischen Gasthof von August Rösicke am Rosengarten die reguläre Stadtvertretersitzung statt. Anwesend waren neben dem Bürgermeister Dr. Harald Ladwig und dem Protokollführer Oberstadtsekretär Heinrich Wilhelm fast alle der im Jahr 1929 gewählten Stadtvertreter. Dies waren die acht Abgeordneten der SPD: Pauline Bröker, Bernhard Mahlow, Adolf Schaller, Heinrich Müller, Wilhelm Bock, Bendix Koopmann, August Kudlik und Karl Behrens; die zwei Abgeordneten der KPD: Hermann Oppermann und Fritz Leppert und die acht Abgeordneten der sogenannten Einheitsliste: Hinrich Georg Körner, Wilhelm Beeck, Emil Struckmeyer, Dittmer Körner, Johannes Höpermann, Moritz Balke, Otto Hanke und Hermann Ahrens. Einzig der Abgeordnete Fritz Leppert fehlte entschuldigt. Auf der Tagesordnung standen so profane Dinge wie "Beschlussfassung über die Neubauten von Aborten in der Flußbadeanstalt" oder "Einrichtung eines Wochenmarktes in Wedel". Da die Sitzung nun aber just an dem Tag stattfand, als in Berlin der Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, fand vor dem Lokal eine Demonstration statt, die mit schweren Auseinandersetzungen zwischen einigen hundert Erwerbslosen und der Polizei endete. Der Bürgermeister Ladwig, so schrieb dieser einige Jahre später, fürchtete um sein Leben und erwähnte, dass er die Sitzung mit "entsicherter Pistole" leitete. (Text: Stadtarchiv Wedel)

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