Januar 1947 – Bitterste Kälte und Not

[Stadt Wedel] Zum Jahreswechsel 1946/1947 herrschte in ganz Europa ein schrecklich kalter Nachkriegswinter. Eine extreme Kältewelle ließ seit Dezember 1946 mit Minus-Rekorden die Menschen frieren.

In Wedel lebten zu der Zeit rund 15.500 Menschen, davon waren knapp die Hälfte Flüchtlinge und ausgebombte Hamburger, die in Wedel Zuflucht gefunden hatten. Die Wohnsituation des Ortes, der durch Bombenabwürfe stark zerstört war, war in den ersten Nachkriegsjahren dramatisch. Die Bevölkerung lebte sehr dicht gedrängt in zugigen, karg ausgestatteten Baracken oder einquartiert bei Einheimischen. Teilweise waren in 80 m²-Wohnungen bis zu 15 Personen untergebracht. Die Versorgungslage mit Brennstoffen und Lebensmitteln war in den Jahren bis etwa 1948 durch die zerstörte Infrastruktur sehr schlecht. Güter waren knapp, die Menschen hungerten und froren. Der strenge Winter 1946/47 traf somit doppelt hart. Da die Versorgung der Bevölkerung mit Kohlen nicht mehr sichergestellt werden konnte, ließ die Stadt Wedel am Elbhochufer oder am Haidehof Holz einschlagen. Als diese Maßnahmen nicht ausreichten, wurde im Kreis Steinburg Holz geschlagen und man bemühte sich gleichzeitig um Kompensationsgeschäfte, z.B. 50 Paar Schuhe aus Wedel für 60 m³ Torf aus Gnarrenburg. Als nun aber die Flüsse zugefroren, wurden auch diese Transporte unmöglich, die Lage spitzte sich zu. Im Wedeler Krankenhaus wurden etliche unterkühlte Personen, teils mit Erfrierungen zweiten Grades, eingeliefert; ein kleines Kind erfror. Eine Beschreibung des Kassenleiters der Stadtkasse in dessen monatlichen Lageberichten macht die Situation deutlich: „… Die in diesem Winter monatelang ohne Unterbrechung angehaltene außergewöhnliche Kälteperiode, verbunden mit meistens aus Norden bis Osten kommenden starken Winden, die durch die immer noch undichten Fenster des Stadtkassenraumes pusteten, dabei die durchweg nur geringe Raumbeheizung, hat die Arbeitsfreude und die Arbeitsleistung der Gefolgschaftsmitglieder sehr stark beeinträchtigt, Bei einer Temperatur von 2°C bei Dienstbeginn, gegen Mittag ansteigend auf 4°C bis 7°C, war es kaum möglich mit steifen, kaputten Fingern die lapprigen Geldscheine auseinander zu kriegen und zu schreiben. Auch die mangelhafte Ernährung (nicht einmal die vorgesehenen Mengen wurden aufgerufen) sowie die unzureichende Versorgung mit Hausbrand und unumgänglichen Bedarfsgütern (z.B. Nähgarn, Stopfgarn, Wolle, Strümpfe, Handschuhe u. dergl.) haben die Stimmung sehr ungünstig beeinflusst…“ Eine Verbesserung der Witterung trat erst im März 1947 ein.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

Mit freundlicher Unterstützung von...