Mai 1945 – Kriegsende in Wedel

[Stadt Wedel] Am 29. April 1945 standen sich erstmals Hamburger Parlamentäre und englische Offiziere im Süden Hamburgs gegenüber, um die Kapitulationsvereinbarung auszuhandeln.

Die Kapitulation der Stadt Hamburg trat letztendlich nach vielen Verhandlungen, taktischen Verzögerungsmanövern und dem Hin- und Hergeschiebe von Befehlsgewalten am 03. Mai 1945 um 18.00 Uhr in Kraft. Sie galt über Hamburg hinaus auch für Wedel und den erweiterten Bereich von Elmshorn, Barmstedt und Alveslohe. Hamburg und sein Einzugsbereich wurden zur freien Stadt erklärt, und folgende Befehle vom Oberkommando der Wehrmacht wurden über die Kreisstadt Pinneberg an die kreisangehörigen Städte weitergeleitet:

„Pinneberg, den 03. Mai 1945. Hamburg zur freien Stadt erklärt. Bis 13.00 Uhr muss das Gebiet nördlich Elmshorn, Barmstedt und Alveslohe von der Wehrmacht geräumt werden. Aufgabe des Volkssturms ist erledigt. Uniformen ausziehen, persönliche Sicherung der Bevölkerung übernehmen, ohne Waffe. Nicht mehr Halbmast flaggen. Ausländer im Lager zurückhalten. Vernichtung der Einwohnermeldekarteien und politischer Meldeformulare sowie Geheimakten. Bürgermeister sofort an die Bevölkerung Fleischkonserven ausgeben, pro Kopf einschl. Selbstversorgung 2.000 Gramm. Von gez. Dammann Obw. d. Sch. d. Res.“

In Wedel scheint es so, als ob der Einmarsch der britischen Truppen unspektakulär war. Zeitzeugen berichten nicht von nennenswertem Widerstand. Es gibt Zeitzeugen, die über Panzersperren berichteten, die an den Ortsausgängen Pinneberger Straße und Holmer Straße aus Erdwällen und Holzstämmen errichtet worden waren. Kampfhandlungen haben aber nicht stattgefunden. In der Wedeler Verwaltung im Rathaus wurden zuvor weisungsgemäß die brisantesten Akten vernichtet, die nationalsozialistischen Würdenträger vergruben schnellstmöglich ihre Uniformen und die in der Stadt liegenden Waffen wurden beiseite geschafft. Der planmäßige Einmarsch der britischen Truppe nach Hamburg erfolgte am 03. Mai 1945 abends 18.00 Uhr. In Wedel lief die 4. Panzerbrigade „Black rats“ im Laufe des 04. Mai 1945 ein. Die Panzerbrigade zog von der Rissener Straße aus in den Rosengarten, die Bahnhofstraße und die Hafenstraße bis hin zum Schulauer Fährhaus. Dort wurden die Panzer geparkt, die Soldaten richteten sich im Fährhaus ein und von dort aus organisierten sie einige Wochen lang die Militärverwaltung. Die Befehlsgewalt der kommunalen Verwaltung ging widerspruchslos an das britische Militär über, der kommissarische Bürgermeister Georg Jessen wurde bis auf weiteres zunächst im Amt belassen. Das britische Militär verhängte zunächst eine Ausgangssperre, die sog. „Curfew“. Eine Reihe von Häusern wurde beschlagnahmt. Darunter waren die Villa am Roggenhof, in die später der britische Gouverneur, der in Pinneberg sein Quartier hatte, einzog, diverse Häuser der Theodor-Johannsen-Siedlung, beide Schulgebäude und das Gebäude Bahnhofstraße 27, in dem die Kantine eingerichtet wurde. Einige Wochen lang blieben britische Militäreinheiten in Wedel, dann zogen sie sich wieder zurück. Die erste britische Einheit in Wedel, die 11. Hussars (Price Albert’s Own) hat ein Kriegstagebuch online gestellt, deren sinngemäße Übersetzung für den 4. Mai 1945 aus dem Englischen folgendermaßen ist:
„Um 11 Uhr sind wir nach Wedel gefahren und blieben den ganzen Tag dort. Die ganze Zeit haben wir versucht Tausende deutscher Kriegsgefangene in einem Gefangenenlager unterzubringen. Sie kamen den ganzen Tag über. Manche kamen direkt zu uns, andere wurden von anderen Einheiten hergeschickt. Lt. Hodgkinson und Lt. Sivewrigt leiteten die unangenehme Aufgabe. Wir hatten von den 8 Hussars jemanden, der uns half. Gegen 23.00 Uhr kam eine Kompanie der ‚Durham Light Infantry’ und übernahm das Kriegsgefangenenlager. Um 21. Uhr hörten wir die großartigen Nachricht von der Teil-Kapitulation Deutschlands in der BBC und wir gingen alle zufrieden ins Bett.“  

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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