Juli 1956 – Die Parfümfabrik von Wedel

Klärwerk Wedel

[Stadt Wedel] Am 10.07.1956 wurde das Klärwerk Wedel in Betrieb genommen. Errichtet hatte man es zunächst für die 12.500 Einwohner der Bereiche Gartenstadt Elbhochufer, Siedlung Adlershorst und den angrenzenden Straßen.

Das mechanisch-biologische Klärwerk an der Schulauer Straße musste dann aber doch für eine viel zu große Zahl von Einwohnern genutzt werden. Es hatte zwei Klärbecken, einen Sammelraum und einen Pumpenraum mit Rechenanlage. Bei der Planung war vorgesehen, das Klärwerk in den Folgejahren zu erweitern, doch wurde der Bau Jahr für Jahr verzögert und schlussendlich durch die fortschreitende Planung zum so genannten Hauptsammler West und dem Hetlinger Klärwerk überflüssig. Die Bevölkerung Wedels hatte deshalb lange mit den durch die Überlastung des Klärwerkes entstandenen Geruchs- und sonstigen Belästigungen zu leben. Jahrelang mussten die Anwohner bei entsprechenden Windverhältnissen den Übelkeit erregenden Geruch aus der im Volksmund genannten Parfüm-Fabrik ertragen. Daneben soll es auch vorgekommen sein, dass dreckige Schaumflocken durch die Gegend waberten. Die Belastung war u. a. auch so hoch, da das Wedeler Klärwerk auf Grund vertraglicher Vereinbarungen mit der Stadt Hamburg teilweise die Abwässer des überlasteten Klärwerkes Hamburg-West erhielt. Wedel erhoffte sich eine Baukostenbeteiligung Hamburgs an der Erweiterung. Die Umweltbelastungen für die Elbe und die Aue waren enorm. Wenn die Klärmassen aus Hamburg ankamen, stieg der Schlamm hoch und schwappte über die Betoneinfassungen der Becken. Da das einkommende Klärwasser auf Grund der Menge nicht ausreichend geklärt werden konnte, ließ man zeitweilig das schmutzige, schlecht geklärte Abwasser direkt über einen Graben in die Aue und die Elbe fließen. Auch der Schlamm aus den Vorklärbecken wurde von der Landwirtschaft nicht mehr abgenommen und lagerte hier lange. Die Probleme, die während eines Hochwassers oder gar einer Sturmflut in dem nicht eingedeichten Bereich auftraten, mag man sich lieber nicht vorstellen. Ein Ende hatte das Übel erst mit dem Bau des Hauptsammlers West und dem Neubau eines Klärwerkes in Hetlingen. Die Gebäude wurden Mitte der 70er Jahre bis zur Oberkante des Geländes abgebrochen und das Grundstück bis zur heutigen Geländehöhe aufgefüllt und darauf den Festplatz errichtet.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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