Mai 1952 – Die wilden Heiratsmärkte

Heiratsmarkt 1952

[Stadt Wedel] Am Vatertag wird Hochzeit gemacht, auch wenn es nur für einen Tag ist. Grund für dieses traditionelle Volksfest „Schlesischer Heiratsmarkt“ war, die ledige Landbevölkerung zu sammeln, um sie unter die Haube zu bringen.

Ursprünglich wurde dieses Fest, bei dem auf Spaß-Standesämtern die Ehe für einen Tag geschlossen werden konnte, in Gorkau-Rosalienthal, einem Ortsteil des früheren Zobten – heute – Sobótka in Niederschlesien gefeiert. Nun sollte auf Wunsch der schlesischen Landsmannschaft dieses Fest erstmals im Mai 1952 in Wedel stattfinden. Die Stadtvertreter ließen sich gern davon überzeugen, dass ein solches Volksfest das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Einheimischen und Flüchtlingen bzw. Vertriebenen fördern könne. Und das war für die Stadt Wedel, in der rund 50% der Einwohner geborenen Wedeler waren, sehr wichtig. Die Feierlichkeiten wurden zunächst am Vorabend mit einer Festsitzung im Rathaus eröffnet, an der auch der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Hermann Lüdemann teilnahm.

 Lüdemann übernahm hier feierlich die Patenschaft für den Heiratsmarkt, schließlich war er von 1928–1932 der Oberpräsident von Niederschlesien. Bereits am frühen Morgen um 8.00 Uhr des Himmelfahrtstages wurden dann die Standesämter eingerichtet und in zahlreichen Lokalen in der Stadt zum Tanz aufgespielt. Der NWDR sendete direkt aus dem Trubel auf den Plätzen und auch die Wochenschau filmte den großen Festumzug mit 450 verschiedenen Trachtengruppen, die durch den Ort zogen. Der Schulauer Marktplatz, als Omnibusparkplatz eingerichtet, aber auch alle anderen Parkplätze platzten geradezu aus den Nähten. Denn Tausende von Menschen folgten den Aufrufen! Die Besucherzahl des ersten Heiratsmarktes lag bei rund 30.000 „Hochzeitsgästen“. Die Standesämter hatten reichlich zu tun und als nachmittags ein Regenschauer über Wedel hinwegging mussten zusätzlich herbeigerufene Polizeibeamte den Zuweg zum Fährhaus sperren, da „die durch reichlich Alkoholgenuss undisziplinierten Menschenmassen“ sonst den Ablauf gefährdet hätten. Auf dem zweiten Heiratsmarkt, am Himmelfahrtstag 1953 wurde es noch gedrängter. Mit Barkassen und per Bahn reisten die rund 60.000 Besucher nach Wedel und ließen die Organisatoren an ihre Belastungsgrenze stoßen.

Diese versuchten dem Fest im Jahr 1954 so einiges entgegenzusetzen. So wurden nun zusätzliche Großzelte organisiert und zahlreiche WCs aufgestellt. Die B 431 wurde für den Durchgangsverkehr bereits in Hamburg-Osdorf umgeleitet, die Bahn fuhr mit Sonderzügen, auch die HADAG rüstete mit Sonderdampfern auf. Und es kamen bis zu 80.000 heiratslustige Personen nach Wedel. Unter diesen leider auch sehr viele, mit denen die Polizei so ihre liebe Mühe hatte. Horden Betrunkener torkelten durch die Straßen, sie hinterließen Trümmerfelder und schliefen in den Vorgärten ihren Rausch aus. Nach diesen Erfahrungen verzichtete die Stadt Wedel auf weitere Heiratsmärkte.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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