März 1961 – Ende einer denkwürdigen Betriebsfeier vor dem Amtsgericht Wedel

[Stadt Wedel] Im März 1961 wurde vor dem Wedeler Amtsgericht ein sehr skurriler Vorfall verhandelt. Das Delikt – Widerstand gegen die Staatsgewalt und vorsätzliche Körperverletzung – markierte den Höhepunkt eines Betriebsfestes einer Wedeler Firma.

Hier wollten nach einem firmeninternen Preisskatturnier ein Abteilungsleiter und zwei seiner Mitarbeiter weitere „Absacker“ in einer Gastwirtschaft zu sich nehmen. Alle waren fröhlich dabei, als der Chef noch eine Runde Sekt ausgab. Dann begann dieser plötzlich einen Streit mit einem weiteren Gast der Wirtschaft. Seine Mitarbeiter griffen ihrem Chef kurzerhand aktiv unter die Arme und versetzten dem Gast einige Fausthiebe. Die sich daraus entwickelnde Keilerei wurde jäh unterbrochen durch einen Herzanfall des Vorgesetzten. Gemeinsam brachten nun alle Beteiligten diesen an die frische Luft. Der schnell herbeigerufenen Polizei, die zeitgleich mit einem Arzt heraneilte, bot sich in der Dunkelheit der Nacht folgendes Bild: Im Garten lag der japsende Abteilungsleiter, der weich auf einem seiner Mitarbeiter lag, neben ihm äußerst besorgte, aber angeheiterte Gestalten. Die Rettungskräfte versuchten, sich ein Bild zu machen – der Arzt argwöhnte, der Kranke sei ja nur betrunken. Diese Bemerkung nahm der Kranke ihm sehr übel und schlug dem Mediziner gehörig mit der Faust ins Gesicht. In dem nachfolgenden Handgemenge von Chef und Mitarbeiter gegen die Ordnungsmacht und den Arzt flogen Fäuste und Gummiknüppel. Erst nach eingetroffener Unterstützung durch weitere herbeigerufene Polizeibeamte konnten die einen in den Peterwagen und der andere in das Krankenhaus gebracht werden. Der Amtsrichter, vor dem die jetzt nüchternen Herren allesamt standen, verurteilte diese zu Geldstrafen in Höhe von 40,00 bis 120,00 Mark.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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