Mai 1969 – Wedel geht baden

[Stadt Wedel] Am 24. Mai 1969 wurde das Hallenschwimmbad an der Rudolf-Breitscheid-Straße eingeweiht und war von Anfang an unter der Bevölkerung ein richtiger „Renner“.

Es war ein langer Planungsweg zum ersten Schwimmbad Wedels. Spätestens Mitte der 60er Jahre, vermutlich aber nachdem das Baden in der Elbe offiziell verboten wurde, wurden Stimmen laut, die für die Stadt Wedel ein Schwimmbad forderten. Jahrelang wurde das Thema in den politischen Gremien als Luxus verworfen und erst Bürgermeister Dr. Winkler begann mit den konkreten Planungen, unterstützte den „Verein zur Förderung des Hallenschwimmbades“ und eröffnete einen Architektenwettbewerb, in dem der Architekten Walter Schweim aus Elmshorn siegte. Dieser war zunächst zu teuer für die leere Stadtkasse Wedels, speckte seinen Entwurf aber ab und erbaute schließlich für rund 5,5 Mio. DM ein Hallenschwimmbad mit einem Schwimmer- und einem Nichtschwimmerbecken. Besonderheit beim Bau des Schwimmbeckens war die erstmalig Errichtung der Überflutungsrinne, die sogenannte Finnische Rinne, die für Wedeler Verhältnisse ein wenig verändert wurde und daher auch die internationale Akademie für Bäderkunde zu Studienzwecken nach Wedel lockte. Bereits im ersten Halbjahr wurden 115.929 Badegäste gezählt, die sich in den beiden Becken tummelten. Auch der Vereinssport nahm seinerzeit schon eine bedeutende Rolle ein. So trafen sich regelmäßig etwa 250 Mitglieder der TSV-Schwimmsportgruppe und der DLRG in den ihnen zugestandenen 4 Wochenstunden. Breiten Raum nahm der Schwimmunterricht ein. Allein im ersten Halbjahr des Schwimmbetriebes brachten die beiden Schwimm-Meister 225 Kindern und Erwachsenen das Schwimmen bei, konnten aber dennoch die Voranmeldeliste nicht abarbeiten. Die Hallenzeiten waren zunächst recht beschränkt. So konnte sich die Öffentlichkeit morgens von 7.00–9.00 Uhr und dann erst ab nachmittags 14.00 Uhr, sonnabends ganztägig und sonntags nur vormittags in die Fluten stürzen. Zudem wurde in den Urlaubszeiten der Badebetrieb zeitweilig geschlossen und den Wedeler Schulkindern als Entschädigung der verbilligte Eintritt in das Freibad Marienhöhe angeboten. Andere Besonderheiten der Anfangszeit waren die Einführung der Badekappenpflicht für alle Benutzer, ein Warmbadetag, der selbstverständlich Aufschlag kostete und besondere Schwimmzeiten, die ausschließlich Frauen vorbehalten waren.

Große Schwierigkeiten für den Betrieb von Bädern brachte die Ölkrise im Jahr 1973. In der ganzen Bundesrepublik gab es autofreie Sonntage und weitere Öleinsparmaßnahmen. In Wedel ordnete der Magistrat zunächst eine Schließung des Hallenbades an und geriet damit in scharfe Kritik aus verschiedensten politischen Lagern und der Bevölkerung. Etwa 14 Tage mussten die Wedeler auf das Bad verzichten, bis der Magistrat einknickte und das Bad am 5.12.1973 wieder geöffnet wurde. Allerdings wurde die Öffnungszeiten eingeschränkt, die Hälfte der Duschen abgestellt und die Temperatur um einige Grad abgesenkt, bis sich die wirtschaftliche Lage nach Beendigung der Ölkrise wieder entspannte. 1974 wurde direkt neben der Schwimmhalle das Sportzentrum eröffnet. 1988 wurde der vom früheren Stadtbaumeister Adolf Liebmann geschaffene Brunnen, der vor dem Eingang des Hallenbades stand, abgebrochen. Die Unfallgefahr für spielende Kinder sei der Grund gewesen für die Entfernung des schon längst nicht mehr sprudelnden Kunstwerkes. Auch aufgestellte Blumentöpfe seien kein Hindernis mehr für die tobenden Kids gewesen, befanden die Verantwortlichen und bestellten den Abbruch. Mit der Eröffnung der Badebucht im Juni 2006 wurde der Hallenbadbetrieb eingestellt und im Jahr 2008 wurde das Schwimmbad endgültig abgebrochen.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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