Januar 1971 – Der erste Computer fürs Rathaus

Computer Bull Gamma 10

[Stadt Wedel] Januar 1971 war er endlich da! Der erste 300.000-Mark-Computer, ein Bull Gamma 10 für die Stadtverwaltung Wedel.

Bis dahin wurde die Datenverarbeitungsanlage gleichen Modells von der Stadtsparkasse Wedel mitgenutzt, die diese seit 1966 gegen Kostenerstattung der Stadtverwaltung Wedel und den Stadtwerken Wedel anboten. Hier zeigten sich in den kommenden Jahren Schwierigkeiten in der Kooperation, die darin gipfelten, dass Stadtwerke und Stadtverwaltung in der Jahresmitte 1970 eine eigene Anlage des Herstellers erwarben. Damit konnte man nun, so teilte seinerzeit die Stadtverwaltung mit, zum Beispiel innerhalb von 15 Minuten 200 Überweisungen ausführen. Für damalige Verhältnisse ein ganz gewaltiger Fortschritt, denn bis dahin war mit dieser Arbeit eine Schreibkraft den ganzen Tag beschäftigt. Die Ausstattung des Gerätes in der Stadtverwaltung Wedel bestand aus einer Zentraleinheit mit Steuerpult, einem Lochkartenlese-/Stanzgerät, einem riesigen Gerät zum Sortieren der Lochkarten und einem Trommeldrucker. 59 unterschiedliche Grundoperationen standen für die Programmierung mittels Lochstreifen zur Verfügung und die Hauptspeicherleistung des Gerätes betrug 4KB. In Betrieb war das technische „Ungetüm“, das beim Betrieb einen Höllenlärm verursachte und „nur“ einen ca. 20m² großen unklimatisierten Raum im Keller des Rathauses brauchte, bis 1982. Dann liefen alle nötigen Anwendungen auf der dann erworbenen NCR-Anlage. Nicht vergessen werden soll, dass der Erwerb des ersten Computers 1970 von enormen Schwierigkeiten begleitet wurde. Der Kaufvertrag, unterzeichnet vom damaligen Ersten Stadtrat Bruno Voigt, wurde von den politischen Gremien, die unzureichende Information bemängelten, aufs heftigste in der Öffentlichkeit kritisiert. Die „Computer-Affäre“ weitete sich aus, da ein weiteres Problem hinzukam. Der damalige Bürgermeister Dr. Claus Winkler konnte auf Grund einer psychischen Erkrankung sein Amt nicht mehr ausüben und war einige Monate zuvor beurlaubt worden. Diese verfahrene Situation, die Indiskretionen, Verfahrensunsicherheiten, Unterstellungen und Kompetenzüberschreiungen hervorbrachte, gipfelte im politischen Skandal. Einige Ratsherren und auch der Bürgervorsteher Carl Cherk traten zurück; aber die größte Katastrophe war die schrecklich Meldung vom Suizid des Bürgermeisters Dr. Klaus Winkler.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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