November 1987 – Volkszählungen in Wedel

[Stadt Wedel] 1987 wurde auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland die bisher letzte umfassende Volkszählung durchgeführt. Auch in Wedel wurden umfangreiche Auswertungsbögen verschickt oder Volkszähler liefen von Haustür zu Haustür, um die Familien zu befragen.

Zu der Zählung von 1987 war es ein steiniger Weg.Die bis dato letzte Volkszählung datierte aus dem Jahr 1970. Die Regierung und die Bundesbehörden benötigten aber aktuelle Zählungsergebnisse für die Planung der Infrastruktur Deutschlands. 

Der zunächst angestrebte Termin für die Zählung war der Stichtag 27. April 1983, der aber auf Grund von massiven Protesten aus der Bevölkerung nicht eingehalten werden konnte. Die Bürger waren durch den umfangreichen geplanten Fragebogen zutiefst verunsichert und hatten Angst „Gläserne Menschen“ zu werden.

Verschiedene Initiativen zogen vor das Bundesverfassungsgericht, um das Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung einzuklagen. Nach dem wegweisenden Volkszählungs-Urteil von 1983 wurden die Fragebögen aufgetrennt und überarbeitet, damit die Anonymität der Befragten besser gewährleistet werden konnte.

Die nun im Mai 1987 abgehaltene Volkszählung wurde mit einem hohen Kostenaufwand angepriesen, die Fragebögen vorgestellt und in allen Medien durchgesprochen. Dennoch fanden sich Bürgerinitiativen, die zum Boykott aufriefen. Die Kritik richtete sich nunmehr nicht auf die Zugänglichkeit von Erhebungsdaten, sondern viel allgemeiner gegen die schleichende Einschränkung von Bürgerrechten. Auch in Wedel gründete sich eine Bürgerinitiative, die dazu aufrief die Fragebögen „zu verlieren“, oder anderweitig unkenntlich zu machen. Gegen einige der Volkszählungs-Gegner mussten Bußgeldverfahren eingeleitet werden.

Trotz des Boykotts wurden die Ergebnisse der Zählung von den Verantwortlichen mit gut bezeichnet, die Statistischen Ämter waren zufrieden. Nach der Auswertung der Zahlen, die bis in das Jahr 1989 hinein dauerte, wurden in Wedel zum Stichtag 30.055 Einwohner erfasst. Die bis zur damaligen Zeit fortgeschriebenen Daten aus der Volkszählung von 1970 lagen um rund 500 Personen höher. Viele Statistiken, z.B. über die Anzahl und die Wege von Berufspendlern oder das Alter und die Anzahl von Wohngebäuden konnten aktualisiert werden und in Planungen miteinbezogen werden.

Da diese Daten nun aber auch bereits veraltet sind, werden bereits seit einiger Zeit im Bundestag Vorbereitungen für die im Jahr 2011 geplante Volkszählung getroffen.

Was es bei den Volkszählungen des letzten Jahrhunderts nicht gab und auch vermutlich nie wieder geben wird, sind persönliche Angaben über die einzelnen Personen, die sich in einem Haushalt befanden. Das war bei den Volkszählungen des vorletzten Jahrhunderts ganz anders. Waren die in der dänischen Zeit erstellten Volkszählungen doch eine Fundgrube für die Familien oder Sozialgeschichtsforschung mit familiären Einblicken, wurden die nachfolgenden Volkszählungen auf reine Zahlenlisten reduziert. Die heute noch in den Archiven vorhandenen Zählungen aus der dänischen Zeit – allein für das ehemalige Kirchspiel Wedel, das die Ortschaften Wedel, Schulau, Spitzerdorf und Holm umfasste, gibt es über 25 Volkszählungen aus den Jahren 1803 – 1864, für Spitzerdorf sogar aus dem Jahre 1769 – geben Einblicke in das Leben der damaligen Zeit.

 Wegen der großen Fülle von Informationen sind heute Projektgruppen aus allen Gebieten des ehemaligen dänischen Königreichs damit beschäftigt, diese Listen abzuschreiben und online über das Staatsarchiv Kopenhagen bereitzustellen. 

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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