September 1987 – Wedel, ein kleiner Schauplatz in der „Barschel-Affäre“

[Stadt Wedel] Im September 1987 spitzte sich in Kiel die Affäre zu, die später als eine der größten politischen Skandale Deutschlands den Namen „Barschel-Affäre“ tragen wird und in der auch Vorgänge, die sich in Wedel zutrugen, eine kleine Rolle spielten.

Die bis dahin über 30 Jahre regierende CDU mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Ministerpräsidenten Uwe Barschel fürchtete in der Landtagswahl am 13.09.1987 eine Wahlniederlage. Um diese noch abzuwenden, stellte der Ministerpräsident den Journalisten Reiner Pfeiffer in der Staatskanzlei als Pressereferenten an. Dieser beauftragte eine Detektei, die das Privatleben des Gegenkandidaten der SPD Björn Engholm ausspionierte und gezielte Desinformationen über die Wahlziele der SPD lancierte. Die Folgen dieser Affäre waren schwerwiegend. Der Ministerpräsident Uwe Barschel hielt die berüchtigte „Ehrenwort-Rede“ und kam unter solch rätselhaften Umständen ums Leben, dass noch heute über die Todesursache spekuliert wird. Der damalige Gegenkandidat und spätere Ministerpräsident Björn Engholm hingegen musste 1993 von allen Ämtern zurücktreten, nachdem in der sogenannten „Schubladenaffäre“ publik wurde, dass er im ersten Untersuchungsausschuss eine Falschaussage machte. Er hatte dort ausgesagt, er hätte vor der Landtagswahl am 13.09.1987 nichts von den Aktivitäten des Reiner Pfeiffer gewusst. Nun wurde ihm nachgewiesen, dass er entsprechende Informationen bereits am 07. September 1987 in Wedel erhalten hatte. Nach einer Landtagswahlkampfveranstaltung, die im Theater Wedel stattfand, wurde Engholm von seinem Rechtsanwalt aus Lübeck angerufen, der ihm von seinem Gespräch mit Pfeiffer berichtete.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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