Die Hatzburg von Wedel

Wer sich unter der Wedeler Hatzburg eine steinerne Ritterburg mit Zugbrücke, Wehrgang und Schießscharten vorstellt, muss entäuscht werden. Denn die in der Wedeler Marsch gelegende Hatzburg war eher ein mit Gräben und Palisaden befestigtes Fachwerkhaus.

Die Reste der Wedeler Hatzburg sind heute nur noch als 5 Hügel auf einer Weide in der Elbmarsch erkennbar. Diese sind vom Spielplatz am Ende der Straße Hatzburgtwiete aus wahrnehmbar. Hier veranschaulicht ein Bronzemodell, gestiftet von Volker König, der Claire Jung Stiftung und der Gesellschaft für Sicherheitsleitsysteme und eine Hinweistafel den ersten archäologisch nachgewiesenen Ausbauzustand der Hatzburg.

Die Hatzburg war um 1300 nordwestlich von Wedel in der Marsch direkt am Geestrand angelegt worden. Die damals feuchten und sumpfigen Marschflächen boten zu drei Seiten einen natürlichen Schutz, zur Geest hin bestand nur eine schmale Landverbindung. Dieser ideale Platz mit seiner guten Verteidigungsposition bot ausreichend Sicherheit für einen Herrschaftssitz der Schauenburger Grafen und bot zugleich die Möglichkeit, eine der wichtigen Ochsenmarkttrassen zu nutzen und zu überwachen. Erst um 1400 wurde die Burg ihren Aufgaben nicht mehr gerecht, die Grafen zogen nach Pinneberg und die Hatzburg blieb drei Jahrhunderte lang Sitz der regionalen Verwaltung, bis sie ab 1710 allmählich verfiel.

Die Bauten aus Holz waren verfallen und die oberirdischen Steine dienten schon längst anderen Zwecken, als um 1964 das archäologische Denkmal Hatzburg das Interesse der Landesarchäologen weckte. Zum einen begann ein neugieriger Heimatfreund auf dem Gelände Raubgrabungen durchzuführen, die dem bis dahin unter meterdicken Erdschichten geschützten Denkmal Schaden zufügen konnten. Diese Grabung wurde gestoppt. Einen größeren Schaden hingegen richtete die im gleichen Jahr errichtete Brunnenstation der Hamburger Wasserwerke an. Diese entzog dem Boden so viel Grundwasser, das dieses zur Austrocknung und zur Absackung des Untergrundes führte. Das Resultat war, dass Jahre später die Pfosten der alten Burganlage aus dem Boden ragten. Diese waren regelmäßig der landwirtschaftlichen Nutzung im Wege und wurden einfach gekappt. Deshalb drängte die Zeit, als von 1987 bis 1989 Archäologen des Archäologischen Landesamtes einen Teil des Geländes untersuchten. Hier wurden Proben von Eichenhölzern analysiert und datiert, geologische und botanische Fragen geklärt und schriftliche Überlieferungen in Archiven gesichtet. Seit dem ist bekannt, dass es eine ältere und eine jüngere Burg gab. Die ältere Burg war eine Motte (Turmhügelburg) und stand auf einem künstlich aufgeworfenen Erdhügel. Auf diesem befand sich vermutlich ein Turm aus Holz. Dieser wurde in einer späteren Bauphase abgebrochen und ein Bergfried (wehrhafter Wohnturm) aus Steinen errichtet. Rund um diesen Hügel gab es weitere Bauwerke, darunter eine Kapelle und eine rund 11 Meter lange Brücke.

Einige Exponate und eine übersichtliche Darstellung zur Hatzburg bietet das Stadtmuseum Wedel, Küsterstraße 5. Für Kinder im Alter von 12-15 Jahren wird hier auch ein Lernspiel mit Anleitungen zur praktischen Arbeit über den Alltag im spätmittelalterlichen Wedel und auf der Hatzburg angeboten. Die meisten Funde, die bei der Grabung ans Tageslicht kamen liegen im Archäologischen Landesamt in Schleswig.

Interessant ist auch ein Besuch in Lütjenburg. Die dort in Originalgröße erstellte Rekonstruktion der Burganlage ist nach den in Wedel entstandenen Grabungsbefunden errichtet worden.

Siehe auch http://www.turmhuegelburg.de 

Weiterführende Literatur:

Willi Kramer:

Berichte von den Ausgrabungen: Ausgrabungen auf der landeherrschaftlichen Hatzburg bei Wedel. IN: AGSH (Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein) aktuell, Heft 1-2, 1989

Willi Kramer:

Ausgrabungen auf der landeherrschaftlichen Hatzburg bei Wedel. IN: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1993, Beig Verlag, Pinneberg

Helene Neuß-Aniol:

Die Hatzburg bei Wedel, Kreis Pinneberg : Archäologische Ausgrabung und historische Quellen. IN: Offa Band 49/50, 1992/93, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster

(Text: Stadtarchiv Wedel)  

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